Statt Weihnachtsessen

Frank Zander geht für obdachlose Menschen auf die Straße

Weil das traditionelle Weihnachtsessen abgesagt werden musste, ist Frank Zander mit einem Foodtruck unterwegs für obdachlose Menschen.

Sänger Frank Zander und Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werks in Berlin, am Suppenbus der Berliner Stadtmission, für den Zander 21.000 Euro spendete.  

Sänger Frank Zander und Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werks in Berlin, am Suppenbus der Berliner Stadtmission, für den Zander 21.000 Euro spendete.  

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Eigentlich wäre es auch dieses Jahr wieder ein Riesen-Fest geworden – das legendäre Weihnachtsessen für 3000 obdachlose Menschen, das Frank Zander auch 2020 wieder im Hotel Estrel in Neukölln hatte veranstalten wollen. Weil das wegen der Pandemie abgesagt werden musste, geht der Schlagersänger nun selbst auf die Straße.

Mit den Foodtrucks des Berliner Catering-Unternehmens Mama & Sons wird er kommende Woche an verschiedenen Orten Hirschragout mit Serviettenknödeln an Bedürftige ausgeben. Außerdem überreichte er am Donnerstag einen Scheck über 21.000 Euro an den Suppenbus der Berliner Stadtmission – samt symbolischem Suppenlöffeln.

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Frank Zander: „Mit den Ärmsten der Armen zu essen ist Familientradition“

„Wir freuen uns darauf, mit den Ärmsten der Armen zu essen, das ist bei uns Familientradition“, sagte Zander. Das gilt im übertragenen Sinne – Zander ist beliebt für seine direkte Art und dafür, im Umgang mit den Menschen keine Unterschiede zu machen.

Aber es gilt auch im Wortsinn. Auch an der diesjährigen Hilfsaktion sei wieder die ganze Familie beteiligt gewesen, sagte er. Gemeinsam mit Sohn Markus hatte der Sänger und Maler im Vorfeld für Spenden geworben und Geschenke-Taschen gefüllt. Neben Schlafsäcken und Hygieneartikeln enthalten diese auch Weihnachtliches „und andere tolle Dinge“. Die Idee, Foodtrucks anzuheuern, die insgesamt 1000 Essen austeilen sollen, entstand ebenfalls als Idee zur Corona-Hilfe, berichtete Sohn Markus Zander. „Wir arbeiten mit einem Event-Caterer, der wie die gesamte Veranstaltungsbranche pandemiebedingt in der Krise geraten ist.“

Umgesetzt wird die Aktion gemeinsam mit dem Diakonischen Werk, der Caritas und der Stadtmission Berlin, die neben dem Suppenbus seit dem Start der Kältehilfe am 1. November auch zwei Kältebusse auf die Straße schickt sowie einen Kombi-Bus, der auch medizinische Versorgung an Bord hat.

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Deutsche Bahn Stiftung fördert Bahnhofsmissionen mit 120.000 Euro

Unterstützung bekommt die Kältehilfe zudem durch die Deutsche Bahn Stiftung. „Für Menschen, die ohne Dach über dem Kopf durch die kalte Jahreszeit kommen müssen, ist das schon ohne Corona ein hartes Los“, sagte Tobias Geiger, Vorsitzender der Deutschen Bahn Stiftung, am Morgen in der Bahnhofsmission am Zoo. Selbst fürs Betteln brauche ja man den direkten Kontakt zu anderen Menschen.

Doch der Kontakt wird selbst in den Hilfe-Einrichtungen schwieriger. In der Bahnhofsmission am Zoo etwa konnten bis zur Pandemie bis zu 600 Menschen am Tag eine warme Mahlzeit an Tischen in einem geheizten Raum einnehmen – zum Angebot gehörte auch ein offenes Ohr der Sozialarbeiter. Derzeit ist die Essenausgabe nur noch durchs Fenster möglich, die Sozialarbeiter machen ihren Job großenteils wegen der Kontaktbeschränkungen auf der Straße.

Ein Problem, das viele Einrichtungen haben – mit insgesamt 120.000 Euro fördere deshalb die Deutsche Bahn Stiftung insgesamt 15 Bahnhofsmissionen in ganz Deutschland, so Geiger.

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Mobile Corona-Testteams können mit Spende verstärkt werden

Darüber hinaus bekommt auch die Ambulanz der Berliner Stadtmission eine Spende von 30.000 Euro von der Stiftung. An der Lehrter Straße werden schon seit einigen Wochen Corona-Schnelltests für obdachlose Menschen durchgeführt. „Mit dem Geld können wir unsere mobilen Testteams verstärken, die auch in anderen Einrichtungen Tests durchführen“, sagte Ulrich Neugebauer von der Stadtmission. Auch die Ambulanz werde durch die Spende unterstützt.

Neugebauer ist zuständig für niedrigschwelligen Hilfe – etwa für die Kältehilfe, doch dazu gehören auch Einrichtungen wie die sogenannten „24/7“-Häuser. Dort können seit Pandemiebeginn Menschen von der Straße ohne Bedingungen unterkommen, bevor sie dann Beratung und Hilfen in Anspruch nehmen, um einen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.

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„Viele sind wie Freunde“

Wie dringend das nötig ist, lässt sich an vielen Orten der Innenstadt beobachten. Mit den sinkenden Temperaturen wachsen die Berge aus Matratzen und Decken an geschützten Orten und unter den Brücken. Am Bahnhof Zoo wurde dieser Tage ein Lager geräumt – andererseits werden dort auch Erfolge sichtbar. „Die Sozialarbeiter hier machen einen tollen Job, es ist gut, wenn das unterstützt wird“, sagte eine Dame im Rollstuhl, die am Rande die Spendenübergabe verfolgte.

Sie sei regelmäßig in der Bahnhofsmission. Neun Jahre habe sie auf der Straße gelebt. „Aber nachdem ich mir den Fuß gebrochen hatte, haben mir Sozialarbeiter im Krankenhaus geholfen. Und seit sieben Jahren habe ich eine Wohnung in Marzahn.“ Warum sie dennoch weiter herkommt? „Wegen der Sozialarbeiter, viele sind wie Freunde“, sagte die 71-Jährige.

Armut und Einsamkeit: Besonders das Frühstück für Menschen ab 60 vermisse sie, das wöchentlich in den Missionsräumen stattfand und. Es pausiert nun – wegen Corona.

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