Volkstrauertag

Prinz Charles sorgt bei Besuch in Berlin für Überraschung

Prinz Charles und Herzogin Camilla nahmen am Gedenken zum Volkstrauertag in Berlin teil. Warum ihre Anwesenheit eine Premiere ist.

Prinz Charles im Bundestag: "Gemeinsam sind wir unverzichtbar"

Der britische Thronfolger Prinz Charles hat die Bedeutung der deutsch-britischen Freundschaft auch über den Brexit hinaus betont. Deutschland und Großbritannien seien "gemeinsam eine unverzichtbare Kraft für das Gute in der Welt", sagte der 72-Jährige in seiner Gedenkrede zum Volkstrauertag im Bundestag.

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Berlin. Kein Jubel, keine winkenden Kinder, keine Blumen und keine fliegenden Handküsse – dieser royale Besuch von Prinz Charles und Camilla wurde wie alles zurzeit von Corona bestimmt: Wo sonst Tausende Fans am Straßenrand der Boulevards versucht hätten, einen Blick auf die britischen Promis zu werfen, blieb es am Sonntag still.

Dennoch bewegte Prinz Charles die Menschen mit Worten vor dem Fernseher, als er anlässlich des Volkstrauertags 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Partnerschaft zwischen Großbritannien und Deutschland beschwor. Bei der Gedenkstunde im Bundestag sorgte er für eine Überraschung: Charles hielt große Teile seiner Rede auf Deutsch.

Prinz Charles in Berlin: Kranzniederlegung am Volkstrauertag

„Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrter Herr Bundestagspräsident“, so begann der 72-Jährige seine Rede, in der er zunächst sehr persönlich wurde und davon erzählte, dass er vor 50 Jahren zum ersten Mal Berlin besucht hatte. Fast im Plauderton redete er weiter, sodass man den eigentlichen Anlass für Momente vergaß.

Doch dann kam er bei der Bewunderung der deutschen Hauptstadt auch schon zum ernsten Thema. Er empfinde „tiefen Respekt“ dafür, wie die Stadt die Spaltung bewältigt hat. Erst nach einiger Zeit wechselte er ins Englische, fand aber immer wieder ins Deutsche zurück. Seine Frau Camilla (73), die ihren kräftig gemusterten Mund-Nasen-Schutz im deutschen Bundestag gegen eine dezentere Variante eingetauscht hatte, hörte ihrem Mann gebannt zu.

„Gemeinsam sind wir eine unverzichtbare Kraft für das Gute in der Welt“, sagte der Prinz bezogen auf Deutschland und Großbritannien. Gemeinsam verteidigten beide Länder Werte, die man teile – als Verfechter der Menschenrechte und der regelbasierten internationalen Ordnung weltweit.

Charles sprach Krisen und Kriege auf der Welt an, aber auch die Weltgesundheit, Corona und die Impfstoffentwicklung. Er selbst war im April an Covid-19 erkrankt und hat es gut überstanden. Bezüglich des Brexit betonte er auf Deutsch: „Wir sind so sehr in die Zukunft des jeweils anderen Landes eingebunden, dass unsere nationalen Interessen – auch wenn sie unterschiedlich sein mögen – immer miteinander verflochten sein werden.“

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Vor den nahezu leeren Reihen im Bundestag ergänzte er: „Unsere beiden Länder sind instinktive Pro­blemlöser, die gemeinsam an innovativen und praktischen Lösungen für die Herausforderungen arbeiten, mit denen wir uns auf der Welt konfrontiert sehen.“ An der Zeremonie nahmen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundesratspräsident Reiner Haseloff und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (alle CDU) teil.

Zuvor hatte Prinz Charles einen Kranz an der Neuen Wache im Zentrum Berlins niedergelegt. Die Neue Wache ist seit 1993 die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepu­blik für die Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft.

Der Kranz des britischen Prinzen war mit einer Karte versehen, auf der handschriftlich folgender Satz zu lesen war: „In everlasting remembrance of all victims of conflict and tyranny. Charles.“ Auf Deutsch: „In ewiger Erinnerung an alle Opfer von Konflikten und Tyrannei. Charles.“

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(pek/dpa)

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