Corona-Krise

Karoline Herfurth: „Klatschen reicht einfach nicht“

Schauspielerin Karoline Herfurth engagiert sich für Pflegeberufe. Sie fordert mehr Aufmerksamkeit über die Corona-Pandemie hinaus.

Die Berliner Schauspielerin Karoline Herfurth steht seit ihrem zehnten Lebensjahr vor der Kamera

Die Berliner Schauspielerin Karoline Herfurth steht seit ihrem zehnten Lebensjahr vor der Kamera

Foto: Ingo Wagner / dpa

Weltweit traten Menschen während des Coronalockdowns im Frühjahr auf Straßen und Balkone, um für Ärzte und Pflegepersonal zu applaudieren. Eine schöne Wertschätzung, sagt Schauspielerin Karoline Herfurth. Doch damit sei es leider nicht getan. „Klatschen reicht einfach nicht.“ Gemeinsam mit Kollegen wie Florian David Fitz, Michael „Bully“ Herbig, Fahri Yardim, Cordula Stratmann, Jella Haase, Hannah Herzsprung, Friedrich Mücke und Volker Bruch hat die Berlinerin auf ihren Social-Media-Kanälen in dieser Woche ein selbst produziertes Video veröffentlicht, in dem sie zu mehr und vor allem konkreter Unterstützung des Berufsstandes aufruft – auch abseits von Corona.

Karoline Herfurth: Durch meine Familie habe ich einen engen Bezug zu den Pflegeberufen

Den Anstoß für ihr Engagement gab für die 36-Jährige eine persönliche Verbindung. „Durch meine Familie habe ich einen engen Bezug zu den Pflegeberufen“, sagt sie. Ihr kleiner Bruder, Vater, Mutter, Stiefmutter und Tante arbeiten in diesem Bereich und sind unmittelbar betroffen von den hohen Belastungen, die der Beruf jeden Tag mit sich bringt. „Natürlich ist es toll, wenn es jetzt eine besondere Aufmerksamkeit für Pflegeberufe gibt“, so Herfurt. „Aber diese Menschen arbeiten unter schwierigen Bedingungen schon immer an der Belastungsgrenze oder darüber hinaus. Diesen Notstand gibt es schon lange.“

Ursprünglich als Netzwerk für Pflegekräfte in der Ausbildung initiierte ihr Bruder zusammen mit Kollegen bereits 2016 den „Walk of Care“. Schnell sei ihnen klar geworden, dass sie sich darüber hinaus auch für Veränderung im Gesundheitswesen engagieren möchten. Gerade aufgrund der Liebe und Hingabe zum Beruf kollidieren Ansprüche dort häufig mit den Realitäten in der täglichen Praxis, die von Zeitnot und Stress dominiert sei. Die Organisation machte es sich deshalb zur Aufgabe, sich für eine menschenwürdige Gesundheitsversorgung zu engagieren und dabei auf politischer, gesellschaftlicher und kultureller Ebene Einfluss zu nehmen.

Karoline Herfurth startet Initiative

An den jährlichen Demonstrationen nahm Karoline Herfurth zunächst als Privatperson teil. Als der traditionelle Termin am 12. Mai in diesem Jahr nicht realisiert werden konnte, beschloss sie, ihre eigene Reichweite, Bekanntheit und Netzwerk für die Initiative zu nutzen. Unter dem Motto „Gib uns Fünf“ werden im Video fünf Forderungen mit prominenter Unterstützung kommuniziert. Mehr Personal, um den gegenwärtigen und zukünftigen Pflegebedarf zu decken. Eine gute berufliche und akademische Ausbildung, um eine professionelle pflegerische Versorgung zu gewährleisten. Kontinuierliche Fortbildung, um für eine garantierte gute Versorgung stets auf dem aktuellen Wissenstand sein. Eine gerechte Finanzierung, die bedarfsgerecht ist und sich nicht an finanziellen Interessen orientiert. Und ein politisches Mitspracherecht, um fachliche Expertise für wichtige Entscheidungen zu nutzen.

„Im letzten Jahr hat die WHO 2020 zum weltweiten Jahr der Pflegenden und Hebammen erklärt. Welch Ironie des Schicksals“, kommentiert Karoline Herfurth im Video aus dem Off. Neben den Prominenten, die die Forderungen auf Schildern in die Kamera halten, kommen natürlich auch die Pflegenden selbst zu Wort. „In diesem Jahr erleben unsere Berufe besondere Solidarität. Das macht uns Mut, denn wir lieben unseren Beruf“, heißt es dort. „Gemeinsam arbeiten wir 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Wir lassen euch nicht allein. Dafür gibt es Applaus von euch, und dafür sagen wir danke. Doch wir brauchen mehr als Applaus, wir brauchen Veränderung.“

Jeden Mittwoch Demonstration vor dem Bundesministerium für Gesundheit

Bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr soll mit ähnlichen Aktionen Aufmerksamkeit bei allen Parteien generiert werden. So soll es ab sofort jeden Mittwoch eine Demonstration vor dem Bundesministerium für Gesundheit geben. „Unser aller Gesundheit basiert darauf, dass dieser Berufsstand gut arbeiten kann“, sagt Karoline Herfurth. „Pflegekräfte setzen sich auch abseits von Corona jeden Tag mitunter lebensgefährlichen Krankheiten aus, daher müssen wir auch unabhängig von Corona nachhaltig für sichere Bedingungen sorgen.“

Vor allem der Zwang zur Wirtschaftlichkeit im medizinischen Bereich macht die Schauspielerin fassungslos. Parkplätze an Krankenhäusern, die zu horrenden Gebühren privat bewirtschaftet werden, seien nur ein kleines Beispiel. „Ist der Fokus, dass Menschen gesund werden? Oder ist der Fokus, dass Kranksein Geld bringt?“, fragt sie sich. Auch dass Pflege noch immer als klassischer Frauenberuf gelte, habe Anteil daran, dass dieser strukturell benachteiligt werde. Die gute Seite von Corona sei, dass die Aufmerksamkeit jetzt da sei. Das nicht abreißen zu lassen, sei ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag für die kommende Zeit.

Karoline Herfurth schnitt ihren Film „Wunderschön“ zu Ende

Auch Karoline Herfurth, die in den vergangenen Jahren mit den ersten beiden „Fack ju Göhte“-Filmen große Bekanntheit erlangte, konnte sich in den Coronamonaten nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Neben dem Video für den „Walk of Care“ hat die Mutter von zwei Kindern ihren Film „Wunderschön“ zu Ende geschnitten. Nach „SMS für dich“ und „Sweethearts“ ist es das dritte Mal, dass sie nicht nur als Hauptdarstellerin zu sehen ist, sondern auch selbst das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. In dem Film mit Nora Tschirner, Martina Gedeck, Friedrich Mücke und Joachim Król, der am 3. Dezember ins Kino kommt, beleuchtet sie den permanenten Optimierungswahn in unserer Gesellschaft.

Mitgeklatscht hat Karoline Herfurth übrigens trotzdem. „Klatschen ist eine schöne Anerkennung“, sagt sie. „Aber wenn es dabei bleibt, ist diese Anerkennung eine hohle Nuss.“

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