Schauspielerin

Bei Lena Klenke steht alles auf Neuanfang

Schauspielerin Lena Klenke hat ihrer Heimat Berlin den Rücken gekehrt. Manchmal erkenne sie die Stadt ihrer Kindheit nicht wieder.

Schauspielerin Lena Klenke

Schauspielerin Lena Klenke

Foto: Jakob Friedner

Berlin. Dem Umzug in eine neue Stadt folgt meist das Entdecken der neuen Umgebung. Spaziergänge durch den neuen Kiez, neue Restaurants, neue Menschen, neue Wege. Anders sieht es aus, wenn der Umzug mit dem Beginn des Corona-Lockdowns zusammenfällt. So wie im Fall von Lena Klenke. Die Schauspielerin packte nach der vergangenen Berlinale die Kisten in ihrer Heimatstadt Berlin für einen Tapetenwechsel in München. Ihre Wohnung sei jetzt immerhin fertig eingerichtet, sagt die 24-Jährige und lacht. Sonst wäre sie wahrscheinlich wochenlang nicht dazu gekommen. Im vergangenen Jahr habe sie gerade einmal zwei Monate zu Hause verbracht.

Seit ihrem elften Lebensjahr dreht Lena Klenke eigentlich immer irgendwas. Erst Werbung, dann Fernsehen und Kino. Spätestens seit 2013 liest sich ihre Vita wie eine Aufzählung der erfolgreichsten Film- und Serienproduktionen der vergangenen Jahre: „Fack ju Göhte“, „Babylon Berlin“, „Victoria“ und die obligatorischen „Tatorte“. Meistens kleinere Rollen, die ihre Bekanntheit langsam wachsen ließen. Dass sie in drei Teilen „Fack ju Göhte“ nicht zum Hauptcast gehörte, sei im Nachhinein wahrscheinlich ein Vorteil, glaubt Klenke. So seien Regisseure, Caster und Fans zwar auf sie aufmerksam geworden, der große Hype sei jedoch an ihr vorüber gegangen. Durch die Filmreihe habe sie viel darüber gelernt, was Berühmtheit bedeutet und sich überlegen können, wie sie damit umgehen möchte.

Von Persil zu Netflix – ganz ohne Schauspielschule

Besonders gerne erinnere sie sich aus dieser Zeit an die Dreharbeiten zu „Victoria“. Sebastian Schippers One-Take-Film mit Frederick Lau und Franz Rogowski, der 2015 mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. „Obwohl ich nur eine kleine Rolle hatte, war ‚Victoria‘ für mich ein extremes Erlebnis“, sagt Lena Klenke. „Ich habe zum ersten Mal die Magie eines Ensembles gespürt. Wenn ich im Morgengrauen vom Dreh kam, fühlte ich mich wie high. Ich bin stolz darauf, Teil davon zu sein. Ich habe jede Sekunde genossen.“

Ihre erste Kinohauptrolle hatte Lena Klenke 2017 in „Rock My Heart – Mein wildes Herz“, der jetzt als Free-TV-Premiere in der ARD läuft (30. Mai, 20.15 Uhr). An der Seite von Dieter Hallervorden spielt sie die 17-Jährige Jana, die mit einem Herzfehler geboren wurde. Zum Leidwesen ihrer Eltern hält sie nichts davon, ihre Jugend deshalb etwas ruhiger angehen zu lassen und riskiert so immer wieder ihr Leben. Als sie ihre Leidenschaft fürs Galopprennen entdeckt, hält sie das zunächst geheim. Zuletzt wurde Lena Klenke dank der Netflix-Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“ auch einem internationalen Publikum bekannt.

Eine Schauspielschule hat sie nie besucht. „Ich hatte nie diese Faszination fürs Theater, eher eine Bewunderung“, sagt sie. Deshalb kam das nie in Frage. Stattdessen habe sie nebenbei, durch Beobachtung und von älteren Kollegen, gelernt. „Das war und ist für mich immer eine sehr gute Lehre gewesen.“ Bereits in ihrem ersten Film „Das letzte Schweigen“ habe sie das Glück gehabt mit Schauspielern wie Karoline Eichhorn, Katrin Saß und Burghart Klaußner zu drehen. Besonders beeindruckt habe sie auch die Zusammenarbeit mit Mark Waschke für die Sky-Serie „8 Tage“. „Bei Kollegen, die auf einer Schauspielschule waren, bewundere ich das Körperliche. Das Spielen über das Gesicht hinaus.“ Gefehlt habe ihr das aber nie.

Entgegen der Behauptung in ihrem Wikipedia-Eintrag ist Lena Klenke in München, nicht in Berlin geboren. Deshalb fühle sich der Umzug nun ein bisschen wie „Back to the Roots“ an, auch wenn sie dort nie gewohnt habe. Denn aufgewachsen ist sie in Prenzlauer Berg. In einem Haus, in dem man sich kannte, so Klenke, heute werde gerade noch gegrüßt. „Berliner, die sagen, sie können nirgendwo anders leben, habe ich nie verstanden“, sagt sie. „Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. Manchmal hatte ich das Gefühl, das sind gar nicht mehr meine Plätze und mein Kiez.“ Die Entscheidung für München sei ihr deshalb nicht schwer gefallen.

Klenke: Zwischen den Filmprojekten einfach mal gar nichts tun

Kunst und Kultur habe zu Hause immer eine große Rolle gespielt, mit ihrem Vater habe sie früh viele alte Filme gesehen, sagt Lena Klenke. An den Kindheitswunsch, Schauspielerin zu werden, kann sie sich aber

nicht erinnern. Der Beruf sei ihr einfach so passiert. Im Alter von elf Jahren ging sie zum Casting für einen Persil-Werbespot. Aus Spaß, weil eine Freundin ihrer Mutter eine Agentur hatte und fand, dass sie gut auf das Profil passen würde. Klenke wurde genommen, es folgten Engagements für C&A und Volkswagen, irgendwann dann sogar mit Text. 2010, im Alter von 13 Jahren, stand sie dann für „Das letzte Schweigen“ vor der Kamera. Die Eltern unterstützten ihre Tochter unter der Bedingung, dass sie die Schule nicht vernachlässigt. Nach dem Abitur ergab weiter ein Rollenangebot das nächste und so machte Klenke einfach weiter, ohne sich bisher einen Plan B überlegen zu müssen. Nur kurz begann sie ein Soziologie- und Amerikanistik-Studium. Weil es sie interessierte und weil sie dachte, sie müsse vielleicht doch einmal etwas anderes machen. „Mittlerweile denke ich, es ist ganz gut, zwischen Filmprojekten einfach mal runterzukommen und gar nichts zu tun.“

Das Interesse fürs Lesen uns sich Weiterbilden ist trotzdem geblieben. Das sieht man bei Lena Klenke auch auf ihrem Instagram-Profil. Dort, wo andere öffentliche Personen in ihrem Alter Selfies posten und Kosmetikprodukte bewerben, teilt Klenke Büchertipps und Gedanken zum Klimaschutz. Mit wachsender Followerzahl habe sie sich gefragt, was sie mit dieser Reichweite anfangen wolle, sagt sie. Möchte ich nur Filminhalte posten? Möchte ich Privates zeigen? Sie entschied sich für einen Mittelweg und vor allem für Ehrlichkeit und Verletzlichkeit. „Wenn ich mit einem Post nur zwei Menschen etwas mitgeben kann, dann finde ich das schön“, sagt sie. „Es lohnt sich, auch Themen anzusprechen, über die sonst nicht so gesprochen wird, weil man dann vermittelt, damit nicht allein zu sein. Und das auf einer Plattform, auf der man sonst das Gefühl hat, dass es immer nur allen super geht.“

Wenn alles gut geht, kommt in diesem Sommer noch Klenkes Berliner Coming-of-Age-Film „Kokon“ in die Kinos, der dieses Jahr auf der Berlinale lief und in dem sie wieder mit „Fack ju Göhte“-Kollegin Jella Haase zu sehen ist. Ein Herzensprojekt, wie sie sagt. Lena Klenke jedenfalls wäre jetzt wieder bereit für Kino. Die Wohnung ist schließlich fertig gestrichen.

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