„Magic Mike Live“

Channing Tatum: „Unsere Show ist wie eine Therapie“

Channing Tatum bringt „Magic Mike Live“ nach Berlin. Der Hollywoodstar begann seine Karriere als Stripper.

Hollywoodstar Channing Tatum (M.) und Tänzer seiner Show „Magic Mike Live“ vor der Premiere am Donnerstag am Brandenburger Tor.

Hollywoodstar Channing Tatum (M.) und Tänzer seiner Show „Magic Mike Live“ vor der Premiere am Donnerstag am Brandenburger Tor.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Seine Bühnenkarriere begann Hollywoodstar Channing Tatum vor 20 Jahren in einem Stripclub in Florida. Aus der Erfahrung machte er 2012 den Film „Magic Mike“, drei Jahre später folgte die Fortsetzung „Magic Mike XXL“. Am Donnerstagabend feierte der 39-Jährige im Theater am Potsdamer Platz die Premiere von „Magic Mike Live“. Die Bühnenadaption der Filme läuft bereits erfolgreich in London und Las Vegas. In Berlin wurde der ehemalige Club „Adagio“ dafür in den vergangenen Monaten aufwändig umgebaut. Wir trafen Tatum vorab zum Gespräch.

Berliner Morgenpost: Heute Abend ist die große Premiere. Sind Sie aufgeregt?

Channing Tatum: Ich bin immer aufgeregt. Auch wenn es schon die dritte Stadt ist, in der wir die Show eröffnen. Es ist trotzdem immer besonders. Gerade in Berlin, weil das unsere größte Location ist. Ich weiß, dass ich mir um die Tänzer und ihre Performance keine Sorgen machen muss, das läuft. Aber die Show verändert sich mit dem jeweiligen Gastgeber, seinem Humor. Ich mache mir also Gedanken, ob wir es geschafft haben, die Show auf das jeweilige Publikum zuzuschneiden. Im Deutschen braucht man beispielsweise viel mehr Worte, um eine Geschichte zu erzählen, und das verändert die Geschwindigkeit der Show.

Die Berliner gelten im Vergleich zu den Amerikanern als sehr freizügiges Publikum. Wir haben Clubs wie das „Berghain“ und den „KitKat Club“ ...

Das stimmt. Darüber haben wir vorher viel diskutiert. Gehen wir weit genug? Natürlich können wir mit dem „Berghain“ nicht konkurrieren. Wenn ich Zeit habe, werde ich mal hingehen. Berlin hat definitiv ein großes Spektrum, es gibt ja auch großartiges klassisches Theater hier. Wir sind hier sehr interaktiv. Jeder kann die Show so wild haben, wie er möchte, und entweder mitmachen oder nur zuschauen.

In der Ankündigung werden explizit Frauen als Zielgruppe angesprochen. Wie sieht es mit der schwulen Community aus?

Sie sind natürlich auch willkommen. Genau so wie Paare. Wir sagen unseren Tänzern, sie müssen nicht für Männer tanzen, wenn sie sich damit nicht wohlfühlen. Aber wirklich fast jeder von ihnen hat mir schon mal einen Lapdance gegeben (lacht). Das muss ja gar nicht sexuell sein, es geht einfach um den Spaß. Sie wollen eine gute Zeit haben.

Die Show in Berlin ist sogar größer als das Vorbild in Las Vegas. Vor welche Herausforderungen hat Sie das gestellt?

Als ausgebildeter Sänger kann man mit seiner Stimme auch einen großen Raum füllen. Wenn man als einzige Person nur seine Bewegungen hat, dann ist das eine Herausforderung. Wir haben also die Anzahl der Tänzer erhöht. Trotzdem soll es eine intime Atmosphäre bleiben. Ich hoffe, das ist uns gelungen.

Erinnern Sie sich an das erste Mal, dass Sie selbst als Tänzer auf einer Bühne gestanden haben?

Natürlich. Ich weiß gar nicht, ob es so etwas hier überhaupt gibt. In Florida gab es damals so etwas wie eine Strip-Mall. Der Laden, in dem ich gearbeitet habe, war direkt neben einem Matratzenshop. Am Tag war es eine Art Bistro mit kleinen Tischen, es gab dort nicht mal eine richtige Bühne. Es haben vielleicht 20 Gäste hineingepasst. Das war komplett anders als das hier. Im Film sind unsere Charaktere alle halbwegs anständig. Aber das hat mit der Realität, die ich erlebt habe, wenig zu tun. Man findet in diesem Geschäft nicht die besten Menschen. Aber ich war zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben auf der Suche nach einer Grenzerfahrung.

Dann fehlt Ihnen das vermutlich nicht. Wie ist es mit dem Tanzen?

Klar, ich vermisse das Tanzen. Aber ich war nie ein Profitänzer. Ich kenne mich mit Takten nicht aus, ich fühle es einfach. Ich muss mir einen Song wirklich verinnerlichen, weil ich nicht das Handwerk habe wie ein Tänzer, der das gelernt hat. Ich werde in diesem Jahr 40, ich sollte meinen Körper also noch ein bisschen lernen zu nutzen, bevor es zu spät ist (lacht). Ich würde gerne wieder mehr tanzen.

Haben Sie es denn noch drauf?

Ich glaube, das verlernt man nicht. Wenn man es in sich hat, hat man es in sich. Musik sorgt immer dafür, dass ich mich bewegen möchte. Aber natürlich kann ich mit unseren Tänzern nicht mithalten. Wir haben einige der besten der Welt. Und sie spielen sogar Instrumente. Das Wichtigste ist aber, dass sie gute Menschen sind. Wir haben einige großartige Tänzer nicht engagiert, weil es menschlich nicht gestimmt hat. Sie repräsentieren die Show, und es hat auch etwas mit einem Sicherheitsgefühl zu tun. Mein Lieblingsmoment in der Show ist ein langsamer Tanz, bei dem das ganze Publikum aufsteht und alle mit demjenigen tanzen, der gerade neben ihnen steht. Unsere Tänzer sagen uns, dass die Frauen ihnen dabei sehr intime Dinge erzählen. Dass ihr Mann gerade gestorben ist oder sie so etwas lange nicht erlebt haben. Das ist fast wie Therapie – und das in einem Raum voll mit fremden Menschen. Das ist sehr besonders.

"Magic Mike Live" im Club Theater Berlin, Marlene-Dietrich-Platz 1, 10785 Berlin, Shows Di bis Do 19.30 Uhr, Fr und Sbd. 19.30 und 22 Uhr, So 19.30 Uhr. Tickets ab 54,90 Euro. Mehr Infos unter www.magicmikeberlin.de

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