Til Schweiger

„Wenn man auf der Sonnenseite ist, hat man Verantwortung“

Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger wirbt mit einer Kampagne für mehr soziales Engagement und Empathie.

Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger stellt im „Einstein Unter den Linden“ die bundesweite Kampagne "Entwicklung wirkt!" vor.

Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger stellt im „Einstein Unter den Linden“ die bundesweite Kampagne "Entwicklung wirkt!" vor.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Soziales Engagement ist für Til Schweiger eine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren setzt sich der Schauspieler und Filmemacher für Kinder ein, seit 2015 auch mit seiner eigenen Til Schweiger Foundation. Ziel ist die Verbesserung der Chancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher jeglicher Herkunft in Form von Teilhabe an Bildung und sozialer Integration.

Am Donnerstag hat der 55-Jährige im „Einstein Unter den Linden“ die bundesweite Kampagne der Hilfsorganisationen Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, German Doctors, Kindernothilfe und Misereor vorgestellt. Für die Spots und Motive konnten neben Schweiger auch weitere prominente Paten wie Jan Josef Liefers, Eckart von Hirschhausen, Mandy Capristo, Rebecca Mir, Max Mutzke, Anna Maria Mühe und Peter Maffay gewonnen werden.

Herr Schweiger, was hat Sie bewogen, sich neben Ihrer Stiftungsarbeit an der Kampagne „Entwicklung hilft“ zu beteiligen?

Til Schweiger: Meine Stiftung kümmert sich nur um Kinder, die in Deutschland leben. Ich bin durch einen Freund auf die Arbeit von German Doctors aufmerksam geworden, von deren Existenz ich vorher ehrlich gesagt nichts wusste. Ich habe dann Janina Schenke kennengelernt, die mir von ihrer Arbeit in den Slums von Nairobi erzählt hat. Ich fand das so toll, das muss man einfach unterstützen. Die Prominenten machen das alle unentgeltlich, aber wenn man ehrlich ist, sind das für uns nicht mehr als zwei Stunden Arbeit. Die German Doctors arbeiten auch unentgeltlich, und das ist einfach atemberaubend fantastisch. Mir fehlen da wirklich die Worte. Das sind Ärzte, die in ihrer Freizeit und auf eigene Kosten nach Kenia fliegen, um anderen zu helfen. Und das finde ich so selbstlos und großartig, dass man unbedingt dafür werben muss. Denn diese Arbeit wird nur durch Spenden finanziert. Und das Geld kommt dort auch wirklich an. Diese Menschen muss man feiern, deshalb habe ich sehr gerne mitgemacht.

Hat Deutschland ein Problem mit mangelnder Hilfsbereitschaft?

Was mir in Deutschland auffällt, ist, dass häufig kollektiv gejammert wird. Uns geht es so schlecht, heißt es da oft. Und jetzt kommen auch noch so viele Leute und nehmen uns die Arbeit weg. Dabei leben wir hier doch auf der Sonnenseite des Lebens. Es ist in unser aller Interesse – nicht nur moralisch –, Flüchtlingsursachen zu bekämpfen. Das Gleiche gilt für den Klimawandel. Die Menschen, die den Klimawandel zu verantworten haben, leiden nämlich am wenigsten darunter. Und die, die gar nichts dafür können, zahlen den Preis.

Ihr Appell für mehr persönliches Engagement?

Jeder sollte sich engagieren, weil es das eigene Leben aufwertet. Ich bin zwar nicht gläubig, aber es stimmt: Geben ist schöner als Nehmen. Jeder, der hilft, wird erfahren, dass sein Leben dadurch lebenswerter wird. Ich sage immer zu den Leuten: Geht doch mal nicht an dem Obdachlosen vorbei, sondern gebt ihm mal fünf Euro. Dann werdet ihr sehen, wie der sich freut, und dadurch wird es euch besser gehen.

Was war seinerzeit der Auslöser für Sie, sich sozial zu engagieren?

Dass es in Deutschland drei Millionen Kinder gibt, die unter der Armutsgrenze leben. In einem der reichsten Industrieländer der Welt ist das für mich unhinnehmbar. Wir leben hier doch wie eine Made im Speckgürtel der Welt. Und jeder, der das nicht so sieht, sollte mal in einen Slum in Nairobi gehen, um zu sehen, wie gut er es hat.

Spüren Sie diese Verantwortung besonders, weil Sie prominent sind?

Wenn man auf der Sonnenseite geboren ist, hat man eine Verantwortung gegenüber denen auf der Schattenseite. Das würde ich auch machen, wenn ich Fritzchen Müller heißen würde. Ich habe schon als Jugendlicher mein Taschengeld gespendet. Mein Vater fand das so toll, dass er mir das erstattet hat, aber das wusste ich ja vorher nicht. Als Prominenter habe ich heute eben eine Stimme und kann Aufmerksamkeit generieren. Aber als Mensch spüre ich das in mir drin.

Wie geben Sie dieses Bewusstsein an Ihre Kinder weiter?

Ich habe meinen Kindern beigebracht, dass sie sich für Schwächere einsetzen. Dass sie Empathie entwickeln. Das hat ganz gut geklappt. Meine Kinder interessieren sich für das Elend in der Welt.