Tournee

David Hasselhoff: „Wenn ich Spaß habe, haben alle Spaß“

Sänger David Hasselhoff startet eine Tournee durch Deutschland. Er spricht über Dirndl, Heavy Metal und FDP-Chef Lindner.

Der US-amerikanische Sänger und Schauspieler David Hasselhoff bei einem seiner Berlin-Besuche am Brandenburger Tor.

Der US-amerikanische Sänger und Schauspieler David Hasselhoff bei einem seiner Berlin-Besuche am Brandenburger Tor.

Foto: Paul Zinken / dpa

David Hasselhoff kommt federnden, leicht springenden Schrittes in die Bibliothek eines Hotels im badischen Offenburg, das sich in einem ehemaligen Gefängnis befindet. Hallo hier, Hallo da, fester Händedruck und Männerumarmung Der 67-Jährige ist hier, um über seine im Oktober startende Tour, die Single „Summer Go Away“ mit Blümchen und die deutsche Hörbuchfassung von „Up Against The Wall“ zu sprechen. Doch eine Unterhaltung mit dem Schauspieler, Sänger und Geschäftsmann folgt ihren ganz eigenen Gesetzen.

Berliner Morgenpost: Mr. Hasselhoff, ist dies Ihr erster Besuch in einem Gefängnis?

David Hasselhoff: Nein, ich habe sowohl für „Baywatch“ als auch für „Knight Rider“ schon im Kittchen gedreht.

Und privat?

Ich musste vor vielen Jahren einen Abend im Knast verbringen. Sie machten dann dieses Häftlingsfoto von mir, und ich fragte „Soll ich deprimiert gucken oder so wie immer?“ War denen egal, und ich dachte mir, wenn ich einen traurigen oder mürrischen Blick aufsetze, erregt das Bild mehr Aufsehen und landet in den Zeitungen. Also lachte ich und gab ihnen den üblichen Hasselhoff-Look. Hat funktioniert. Kaum jemand druckte das Foto.

Was war der Grund für Ihre Festnahme?

Rücksichtsloses Fahren. Ich bin halt ein bisschen gerast, weil ich abgelenkt war.

Wovon?

Dem Mädchen im Auto neben mir. Genauer: ihren Brüsten.

Und dafür landet man im Bau?

Die Cops waren überzeugt, ich sei betrunken. Aber diese Brüste waren extraordinär, außerdem hatte ich kein Alkohol im Blut und durfte wieder gehen.

Achten Sie bei Frauen generell zuerst aufs Dekolleté?

Ein schöner Busen ist schon etwas Wunderbares. Ich liebe die Kleider, die bayrische und österreichische Mädchen tragen und die ihre Oberweite akzentuieren. Dirndl. Aber ich bin kein Fetischist. Meine Frau Hayley zum Beispiel hat tolle Beine. Durch sie bin ich zum Beine-Liebhaber geworden.

Sie sind annähernd 30 Jahre älter als Ihre Frau Hayley Roberts.

Hayley stört das nicht. Nicht mehr. Anfangs waren wir uns beide nicht sicher, ob 27 Jahre Unterschied nicht zu viel sind. Aber wir haben uns ineinander verliebt, damals, als ich in London die Sendung „Britain’s Got Talent“ drehte. Und seitdem verbringen wir die meiste Zeit gemeinsam. Die Liebe zwischen erwachsenen Menschen fragt nicht nach dem Alter. Wir sind seit acht Jahren zusammen, ich bin immer noch wahnsinnig verliebt.

Vor einem Jahr haben Sie geheiratet. Ihre dritte Ehe.

Und die letzte, wie ich sehr stark annehme. Wissen Sie, Hayley ist eigentlich wie ein Mann. Das klingt jetzt vielleicht komisch, weil ich sie körperlich sehr, sehr reizend finde, und wir sehr gern miteinander schlafen, aber sie liebt viele der Dinge, die ich auch liebe. Wir gucken total oft zusammen Sport, Fußball, Basketball. So, und dann schauen wir zusammen ein Spiel, werden heiß, haben Sex, und gucken das Spiel weiter. Sie will dann gar nicht groß reden. Einmalig.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie im Showgeschäft so ziemlich jeden Quatsch mitmachen.

So hätte ich es nicht ausgedrückt, doch es stimmt, ich bin recht offen und neugierig. Mich interessiert so viel. In meinem Alter will ich auch dahingehen, wo die Kids sind. Sonst verstaubt man doch. Letztens trat ich bei so einem Neunziger-Jahre-Festival auf, in Gelsenkirchen. Vor lauter jungen Leuten. 50.000 Fans, totaler Wahnsinn. Es gibt echt Kids, richtig kleine Kinder, die wissen, wer David Hasselhoff ist, die „I’ve Been Looking For Freedom“ singen. Dieser Song ist so simpel, der funktioniert noch immer.

Ihre neue Single „Summer Go Away“ haben Sie mit unserer Neunziger-Ikone Blümchen aufgenommen.

Blümchen ist fantastisch. Wir beide hatten super viel Spaß zusammen. Und wenn ich Spaß habe, dann haben alle Spaß. Wir alle fallen manchmal hin im Leben, und diesen Tiefschlägen müssen wir uns stellen. Und dann müssen wir sie abhaken, wieder auf den Schlitten steigen und weiterfahren.

Warum haben Sie eigentlich keine eigene TV-Show bei uns?

Ich arbeite daran. In Schweden mache ich eine Talkshow, mit großen Stars und vielen Überraschungen, auch für mich selbst. Da kommt zum Beispiel ein Mann auf die Bühne, ich frage ihn „Was machst du so?“, und er antwortet „Ich bin der Premierminister“. In Finnland habe ich etwas Ähnliches gemacht, eine Sendung, die „Ja oder Nein“ heißt. Also mit Ja und Nein durften sie nicht antworten. Die Finnen haben nicht so viel Charisma, die sind eher stoisch. Also war es mein Job, sie aus dem Schneckenhaus zu locken. Das war so witzig.

Das ZDF sucht einen Nachfolger für Carmen Nebel. Wollen Sie?

Nee, ich mag Carmen, aber da wäre wohl jemand wie Thomas Gottschalk oder Florian Silbereisen besser geeignet. Noch besser wäre eine Frau. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich in Deutschland am liebsten so eine Show wie „Wetten dass..?“ moderieren.

Vor einiger Zeit waren sie bei „Markus Lanz“ und sind dort verbal auf FDP-Chef Christian Lindner losgegangen. Wie beurteilen Sie Ihren Auftritt im Nachhinein?

Ich bin ein bisschen ausgerastet, aber dieser Lindner. Mir war schnell klar, dass der Typ ein Idiot ist. Ich habe die junge Frau verteidigt, die Klimaaktivistin (Luisa Neubauer, die Red.). Zum einen habe ich selbst Töchter in ihrem Alter, zum anderen müssen wir endlich lernen, alle irgendwie miteinander auszukommen. In den USA knallen sich die Kids gegenseitig ab, und was mit dem Klima passiert, ist sowieso Wahnsinn. Und dann kommt dieser Christian Lindner mit seinen dämlichen Aussagen.

Haben Sie anschließend noch geredet?

Nein, er wollte nicht mit mir sprechen. Vor der Sendung war es schon seltsam. Ich sagte zu ihm: „Hätte damals Al Gore die US-Präsidentenwahl gewonnen, gäbe es viele Probleme heute gar nicht.“ Und er: „Hätte Gore gewonnen, dürften wir nur drei Mal im Jahr fliegen.“ Trottel. Erst meinte er noch, „Ach, Knight Rider, das war als Kind meine Lieblingssendung“. Aber dann einen mit dem Arsch nicht mehr angucken.

Sie haben „Looking For Freedom“ 1989 live im TV, auf den Resten der gefallenen Mauer stehend, gesungen. Würden Sie ins Weiße Haus gehen und Donald Trump, der eine neue Mauer bauen will, das Lied singen?

Wenn das etwas bringen würde, würde ich es sofort tun.

Haben Sie noch Mauerteile zu Hause?

Ja. Viele kleine und große Stücke. Ich habe später für eine Dokumentation mehr Zeit im Osten verbracht, bin mit unglaublich mutigen Menschen zusammengekommen. Sie haben Tunnel gegraben, sie sind mit Ballon geflogen, Liebespaare waren jahrzehntelang getrennt und fanden später wieder zusammen. Es gab einen Spion, der aussah wie ich, Otto von der Stasi. Ich traf diesen Kerl, der entkommen konnte und Koch auf einem Fährschiff in Chicago wurde. Er war in den Westen ausgereist, aber seine Familie lebte noch in Ost-Berlin. Jedes Mal, wenn er sie besuchte, schmuggelte er ein, zwei Leute im Kofferraum heraus. Erst bei der 63. Person wurde er verhaftet. Alle diese Geschichten erzähle ich in meinem Buch „Up Against The Wall“.

Wie sieht das Tournee-Programm aus?

Bunt. Wir haben neue Songs dabei, fröhliche Songs, denn ich kenne mein Publikum. Die laufen teilweise mit Schwimmwesten und Perücke herum, das sind Menschen, die sehr aufnahmebereit sind für meinen herrlichen Quatsch. Doch ich werde auch Cover-Versionen von Songs aus den 80ern, von Bands wie Echo & the Bunnymen und The Cars. Außerdem gibt es Heavy Metal. Denn wer Metal liebt, der liebt oft auch The Hoff. In Österreich habe ich mal bei einem Festival nach Iron Maiden gespielt. Die Fans sind alle vor der Bühne geblieben und waren außer sich vor Begeisterung.

Woran liegt das?

Ich erinnere die Menschen an ihre Kindheit. Wenn sie mich sehen, vergessen sie ihre Sorgen, sind glücklich und denken an schöne Zeiten.

Single „Summer Go Away“, Album soll in Kürze folgen.
Hörbuch „Up Against The Wall“ ab 3. Oktober.
Konzert in Berlin: 3. Oktober 2019 in der Max-Schmeling-Halle