Ex-Sportlerin

Das zweite Leben der Ditte Kotzian

Ditte Kotzian gewann 2008 Olympisches Bronze im Synchronspringen. Dann beendete sie ihre Karriere und hat sich seitdem neu erfunden.

Ex-Turmspringerin Ditte Kotzian im Hotel „Louisa’s Place“ am Kurfürstendamm.

Ex-Turmspringerin Ditte Kotzian im Hotel „Louisa’s Place“ am Kurfürstendamm.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Mit ihren Massagen sei es ein bisschen wie in der Liebe, sagt Ditte Kotzian. „Man kann es nur wissen, wenn man es gefühlt hat.“ Seit Anfang des Jahres leitet die ehemalige Turmspringerin und Olympiadritte das Spa im Hotel „Louisa’s Place“ in Charlottenburg. Yoga, Ayurveda, Reiki, Meditation und Ernährungscoaching sind seitdem am Kurfürstendamm im Angebot. Die 40-Jährige hat sich seit dem Ende ihrer sportlichen Karriere vor zehn Jahren der fernöstlichen Heilkunst verschrieben und dafür Ausbildungen in Berlin, Indien und Bali absolviert. Sie wolle Menschen helfen, ihren persönlichen Sinn im Leben und damit das Glück zu finden, sagt sie. „Natürliche mache ich auch reine Ernährungsberatungen. Aber irgendwann wird es immer spirituell – ich kann nicht anders.“

So wie eben bei ihren Massagen. „Es ist ein Erlebnis, das die Menschen so bei einer Behandlung noch nicht hatten.“ Die spirituelle Ebene sei ihre Kompetenz, glaubt Kotzian. Sie habe schon immer eine besondere Empathie für Menschen und ihre Bedürfnisse und eine Antenne für Energien gehabt. „Ich weiß intuitiv, was den Menschen fehlt, wo ich mit ihnen hin muss, wie sie überhaupt in die Entspannung kommen.“

Besonderes Gefühl für Menschen und ihre Bedürfnisse

Schon in der Familie, in der Schule oder später beim Training habe sie sich oft in der Position der Schlichterin oder Vermittlerin wiedergefunden, ohne sich darum bemüht zu haben, erinnert sich die Berlinerin. Ihr Name scheint da fast wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Ihre Eltern nannten sie nach der Hauptfigur des Romans „Ditte Menschenkind“ aus dem Jahr 1917. Der dänische Autor Martin Andersen Nexø erzählt darin die Geschichte einer starken Frau, die mit ihrer angeborenen Menschlichkeit den widrigen Umständen des Lebens begegnet.

Geboren wurde Ditte Kotzian 1979 in Marzahn. Bereits im Kindergarten wurde sie beim in der DDR üblichen Sichtungssystem entdeckt und auf eine Sportschule geschickt. Nach Anfängen im Turnen begann sie im Alter von acht Jahren mit dem Turmspringen. Mit 14 Jahren feierte sie die ersten internationalen Erfolge: 1993 wurde sie Jugend-Europameisterin und Jugend-Weltmeisterin im Sprung vom 1-Meter-Brett. Es folgten insgesamt 14 weitere Medaillen, sieben davon in Gold. Schon als Kind sei ihr Ziel eine Medaille bei Olympia gewesen, sagt Kotzian. Ihre Mutter habe ihr häufig die Geschichte erzählt, wie sie 1984 während der Olympischen Spiele vor dem Fernseher saß und beim Erklingen der deutschen Nationalhymne sagte: „Das will ich auch.“ Sie selbst könne sich an diese Anekdote nicht erinnern. Wohl aber an das Gefühl eines starken Willens und die Fähigkeit, ihre Träume durch entsprechende Taten Realität werden zu lassen.

Krönung der Karriere mit einer Olympischen Medaille

Obwohl sie den Sport geliebt habe, habe sie mit dem autoritären Lehrstil ihrer Anfangsjahre früh gefremdelt, sagt Kotzian. Deshalb entschied sie sich im Alter von 17 Jahren für einen Trainer- und Ortswechsel. Der Anfang ihrer bewussten Entwicklung, wie sie heute sagt. „Für mich müssen Sachen Sinn machen, mir fiel es schwer, Dinge nur zu tun, weil mir jemand gesagt hat, dass es so gemacht werden muss. Wenn ich gemerkt habe, dass ich an einem Tag nicht in der mentalen oder körperlichen Verfassung für bestimmte Sprünge war, dann habe ich es gelassen. Das hat mein damaliger Trainer nicht verstanden.“ Kotzian ging für ein Jahr nach London und arbeitete mit einer Trainerin, die ihr mehr Freiheiten gab. Auf diesem Weg blieb sie auch nach ihrer Rückkehr nach Berlin und krönte ihre Karriere 2008 mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Synchronspringen mit ihrer Partnerin Heike Fischer bei den Olympischen Spielen in Peking.

Danach sei sie mit dem Leistungssport „einfach fertig“ gewesen, sagt Ditte Kotzian. Sie habe schon länger das Gefühl gehabt, dass es weitergehen müsse – mit oder ohne Medaille. „Ich konnte mich in diesem Bereich nicht mehr weiterentwickeln. Das war der Beginn meines neuen Lebens.“

Schon während ihrer aktiven Zeit hatte sie ein Sportwissenschaften-Studium an der Humboldt-Universität begonnen. Also schrieb Kotzian erst einmal ihre Diplomarbeit und arbeitete dann als Sportpädagogin an Schulen. Durch Yogakurse entdeckte sie ihren neuen Weg, absolvierte eine Ausbildung zur -Lehrerin, gefolgt von Kursen in Gesundheitscoaching, Reiki und Theta-Healing und einem Aufenthalt in Bali, wo sie ihre Fähigkeiten noch vertiefte.

Neue Aufgabe als Spa-Leiterin

Nach ihrer Rückkehr wurde Ditte Kotzian Ende vergangen Jahres durch eine Stellenanzeige auf das Hotel „Louisa’s Place“ aufmerksam. „Wollten Sie schon immer ihr eigenes Spa leiten?“ stand dort. Sie wollte! In zwei Tagen schrieb sie ein Konzept und erhielt noch am Abend ihres Vorstellungsgespräches die Zusage. Sie habe sich schon immer selbstständig machen wollen, außerdem habe der Job den Vorteil, dass sie den ganzen Tag Flip Flops tragen könne, sagt sie und lacht.

Langfristiges Ziel sei es, das Spa nach ihrer Vision aufzubauen und dann an jemand anderen zu übergeben. Auf diese Weise wolle sie mehrere Standorte aufbauen, die es ihr ermöglichen, in der Natur zu leben. Im Thüringer Wald oder im Norden Teneriffas beispielsweise, wo sie sich ein Heilhaus und ein Haus für Yogaretreats vorstellen könne. Vorerst konzentriert sich Ditte Kotzian aber auf den Kurfürstendamm. Sie habe ja keine Eile: „Ich kann ja einfach im nächsten Leben weitermachen.“