Schauspielerin

Josefine Preuß: „Ich hatte einen Stalker“

Josefine Preuß kennt die Bedrohung durch einen Stalker. Der Dreh für „Dein Leben gehört mir“ ging ihr deshalb besonders nah.

Schauspielerin Josefine Preuß

Schauspielerin Josefine Preuß

Foto: Jens Kalaene/ZB/DPA

Nach der Sitcom „Nix Festes“, für die Josefine Preuß in der kommenden Woche mit einem Jupiter Award ausgezeichnet wird, ist die 33-Jährige als nächstes wieder in einer ernsthaften Rolle zu sehen. In „Dein Leben gehört mir“ (1. April, 20.15 Uhr, Sat.1) spielt die Berlinerin eine Ärztin, deren anfangs perfekte Beziehung sich zu einem Psycho-Albtraum entwickelt. Im Gespräch erzählt Preuß von ihrer eigenen Erfahrung mit einem Stalker, warum sie es in der Liebe langsam angehen lässt und räumt mit Beziehungsgerüchten um ihren Spielpartner Vladimir Burlakov auf.

Frau Preuß, der Film „Dein Leben gehört mir“ ist ziemlich hart – was hat Sie an der Rolle fasziniert?

Ich finde es wichtig, Menschen für die Stalking-Problematik zu sensibilisieren, denn die Dunkelziffer ist extrem hoch in diesen Fällen. Mich haben die psychologischen Spielchen gereizt. Meine Film-Figur Malu hatte am Ende nichts mehr zu verlieren. Die Polizei konnte ihr nicht helfen, also sagte sie sich: „Ich nehme das jetzt selbst in die Hand!“

Was raten Sie Frauen, die gestalkt werden?

Sehr aufmerksam zu sein, von Anfang an alles zu dokumentieren, Freunde und Familienmitglieder mit einzubeziehen. Ich rate ihnen auch, sofort zur Polizei zu gehen, damit ihr Fall aktenkundig wird. Vor allem sollte sich keine Frau schämen deshalb.

Wurden Sie selbst schon einmal gestalkt als Schauspielerin?

Ja, ich hatte als Teenager während meiner Zeit bei der Serie „Schloss Einstein“ einen Stalker. Ich differenziere aber genau zwischen einem Fan, der sich in eine Rollen-Figur verliebt hat und jemand, der Stalking in einer privaten Beziehung betreibt. Das ist noch einmal etwas ganz anderes. Man hat eine gewisse Zeit mit jemandem verbracht und derjenige kennt dich gut Da können ganz andere Geschütze aufgefahren werden. Das ist viel gefährlicher.

Was haben Sie damals gegen Ihren Stalker getan?

Damals haben sich die Produktion und meine Eltern darum gekümmert und mir das abgenommen. Aber ich wurde dadurch sehr sensibilisiert für das Thema.

Wie haben Sie sich konkret vorbereitet auf die Rolle?

Ich war in Internet-Foren unterwegs, habe mich mit Betroffenen ausgetauscht, mir ihre Erfahrungen angehört. Jedes der Schicksale hat mich berührt, schockiert oder einfach nur fassungslos gemacht. Was wir in unserem Film gezeigt haben, ist schon sehr hart, aber die Realität ist noch viel grausamer.

Wie ging es Ihnen während der Dreharbeiten?

Die gingen mir zum Teil schon an die Nieren. Wir drehen ja nicht immer chronologisch. Das heißt, wir haben zum Beispiel vormittags die romantischen Kennenlernszenen gedreht und am Abend ging es richtig brutal zur Sache.

Konnten Sie danach einfach abschalten?

Nein, nicht so wirklich. Wir haben ja im vergangenen November und Dezember gedreht, das heißt, es war abends schon früh dunkel. Ich habe mich oft beobachtet, wie ich auf dem Nachhauseweg bei Geräuschen extrem wachsam war, mich öfter mal umgedreht habe. Eigentlich habe ich mich in der Zeit nur im Team am Set richtig sicher gefühlt, zuhause in meiner Wohnung nicht.

Man hatte im Film das Gefühl, dass der Mann, der sie verfolgt, überall ist...

Genau, der Regisseur hat es geschafft, sehr gut mit Stimmungen zu arbeiten. Wenn ich in die Wohnung kam, wusste ich oft nicht, wo die Kamera ist. Ich bin also erst einmal irritiert gewesen, habe die Wohnung genau gecheckt, ob sich etwas verändert hat, ob jemand drin sein könnte.

Kennen Sie das Gefühl, ständig in Angst leben zu müssen?

Nein, ich musste das zum Glück noch nie erleben und will es auch nie.

Was ist der größte Fehler, den Frauen machen können, die gestalkt werden?

Sie dürfen auf keinen Fall auf die Wünsche des Stalkers eingehen. Auch nicht auf den Wunsch nach einem klärenden Gespräch. Wir Frauen neigen dazu, viel zu kommunizieren, Konflikte im Gespräch klären zu wollen. So wurden wir erzogen. In diesem Fall wäre das aber exakt das falsche Signal, der größte Fehler. Das einzige was hilft, ist der totale Kontaktabbruch.

Der Stalker im Film wird von Vladimir Burlakov gespielt, ein enger Freund von Ihnen. Wie war es, mit ihm die Liebesszenen, aber auch die brutalen Szenen zu drehen?

Vladimir ist ein toller Kollege. Er zählt zu meinen besten Freunden und ich vertraue ihm voll. Egal, ob die physischen Gewalt-Szenen oder unsere Liebesszenen – es hilft schon, wenn man seinen Spielpartner gut kennt und ihm vertrauen kann. Am Set begegnen wir uns aber total professionell – als Kollegen und im Spiel in den Rollen. Man lernt sich so ein Stück weit neu kennen. Als Außenstehender stellt man sich das immer etwas anders vor. Aber es geht um festgelegte Drehabläufe, alles ist sehr technisch und es bedarf konkreter Absprachen zwischen Regie, Darsteller und Kamera.

Es gab immer wieder Gerüchte, dass Vladimir Burlakov und Sie ein Paar sind oder waren?

Das sind tatsächlich nur Gerüchte, das möchte ich hier endlich ein für alle Mal klarstellen. Vladimir und ich waren NIE ein Paar, dafür lege ich die Hand ins Feuer. Er zählt tatsächlich zu meinen besten Freunden, wir gehen gemeinsam auf Partys, aber wir waren nie zusammen. Und egal, ob man uns das nun glaubt oder nicht: Es gibt tatsächlich Freundschaften zwischen Mann und Frau...

Bei welchem Typ Mann würden Sie sofort Reißaus nehmen?

Ich würde stutzig werden, wenn bei einem neuen Mann alles sehr schnell, sehr glatt und sehr gut laufen würde. Das würde mich misstrauisch machen. Ich lasse es lieber langsam angehen. Wenn einer ein irres Tempo vorlegen würde, würde ich das eher kritisch sehen. Es gibt ja tatsächlich beim Stalking vier Stufen. Stufe eins kennen wir alle. Wenn man zum Beispiel in den sozialen Netzwerken nach Fotos von seinem Ex sucht. Das ist noch okay und harmlos. Bei Stufe vier sind wir dann bei den Psychopathen, die nur noch ein Ziel haben und die Frau zerstören wollen.

Sie haben für die Rolle Selbstverteidigung gelernt. Was haben Sie dabei für sich selbst gelernt?

Ich habe schon etwa eineinhalb Monate vor dem Dreh mit dem Training begonnen und drei, vier Mal die Woche mit einem Trainer geübt. Da ging es erst einmal nicht um reinen Kampfsport, um sich zu verteidigen, sondern um andere Dinge. Ich wurde geschult, einen Raum zu erfassen, frühzeitig brenzlige Situationen zu erkennen. Dann ging es darum, mit kleinsten Handgriffen eine möglichst große Wirkung zu erzielen. Das war toll. Ich bin schon nach dem ersten Training mit einer ganz anderen Körperhaltung rausgegangen. Ich lief viel aufrechter, selbstbewusster. In der U-Bahn war ich total entspannt. Ich hatte plötzlich das Gefühl: „Mir kann keiner etwas“. Ich habe mich tatsächlich viel stärker gefühlt. Ich kann nur jeder Frau empfehlen, Selbstverteidigung zu lernen. Ich habe davon sehr profitiert und viel dabei gelernt. Das ging weit über meine Rolle hinaus.

Die Schlussszene spielt im Märkischen Viertel, in der Anonymität der Berliner Großwohnsiedlung...

Ja, es ist klar, dass ihr in dieser Anonymität niemand helfen wird und sie sich nur auf sich selbst verlassen kann. Das Ende wird auf jeden Fall richtig spannend...

Glauben Sie, dass Sie aus Notwehr töten könnten?

Nein, ich weiß es nicht. Ich möchte aber niemals in die Situation kommen, das entscheiden zu müssen.

Stimmt es eigentlich, dass Sie Ihre persönlichen Dinge alle schon geregelt haben, wie z.B. eine Patientenverfügung, Testament?

Das habe ich. Ich bin ein aufgeräumter Mensch. Aber natürlich bin ich erst 33 Jahre alt und will noch etwas leben.

Mit Anfang 30 hören viele Frauen ihre biologische Uhr ticken. Setzt Sie das unter Druck?

Nein, es setzt mich überhaupt nicht unter Druck. Ich habe nicht so eine konkrete Lebensplanung im Kopf, lasse das auf mich zukommen. Ich finde Kinder toll, schließe auch nicht aus, dass ich eines Tages Mutter werden möchte, aber in meiner jetzigen Lebensphase ist das noch kein Thema für mich.

Sie haben das Jahr 2019 in Thailand begonnen. War das eine Art Mini-Auszeit für Sie?

Ja, ich habe im vergangenen Jahr extrem viel gearbeitet, vor allem auch im Sommer. Von dem Jahrhundertsommer habe ich daher so gut wie nichts mitbekommen. Deshalb habe ich das alte Jahr in Thailand abgeschlossen und das neue Jahr dort begonnen. Ich habe ein paar Freunde eingepackt und wir haben einfach nur die Sonne dort genossen. Das war toll.

Wohin führt Sie Ihre nächste Reise?

Ich werde bald nach Wien reisen für die nächsten Dreharbeiten. Es geht um die Verfilmung des Buches „Todesfrist“ von Andreas Gruber, einem österreichischen Schriftsteller. Es wird ein Thriller und geht um einen Serienmörder. Mehr verrate ich aber nicht...