Fotokunst

Peter Lindbergh: „Ein bisschen Glück verstreuen“

Ein Gespräch mit dem Star-Fotografen Peter Lindbergh über Statussymbole, Häftlinge und das Meditieren.

Er ist der Superstar unter den Modefotografen: Peter Lindbergh hatte schon Stars wie Cindy Crawford, Kate Moss, Julianne Moore, Kate Winslet und Nicole Kidman vor der Linse.

Er ist der Superstar unter den Modefotografen: Peter Lindbergh hatte schon Stars wie Cindy Crawford, Kate Moss, Julianne Moore, Kate Winslet und Nicole Kidman vor der Linse.

Foto: foto: Gisela Schober / Getty Images

Seit Jahrzehnten fotografiert Peter Lindbergh die schönsten Frauen der Welt. Der Meister im Interview.

Berliner Morgenpost: In ihrem Film gibt es eine Szene, in der Naomi Campbell absolut nicht in den Pool will. Sie überzeugen sie, ins Wasser zu steigen. Warum machen Superstars, vor der Kamera, was Sie wollen?

Peter Lindbergh: Ich mag sie so gerne, dass sie sich nicht dagegen wehren können. Nein, ernsthaft, man muss Geduld haben und wissen, dass man es schaffen wird. Das versuche ich auch meinem ältesten Sohn zu erklären.

Er managt unser Studio und sagt manchmal Dinge, die ich mich nie trauen würde. Ich sage dann: Jetzt hast du einen Feind mehr. Wenn man auf den anderen eingeht, dauert es zwar etwas länger, aber man behält einen Freund.

Wie war es, die berühmtesten Supermodels zu fotografieren?

Ich konnte mit den Frauen nichts anfangen. In Paris konnten wir unschuldig vor uns hin stricken, avantgardistische Sachen machen. In Amerika behängten sich die Frauen mit Statussymbolen, um zu sagen: Schaut her, ich bin wichtig. Das finde ich heute noch furchtbar.

Sie mögen keine Statussymbole?

„Ich muss gehen, mein Chauffeur wartet. Ich kann nicht anfangen, mein Windhund ist noch nicht da.“ Das war nicht meine Welt. Da wollte ich nicht hin.

Trotzdem sind Sie einer der berühmtesten und erfolgreichsten Modefotografen geworden.

Ich habe viele Chancen bekommen. Zum Beispiel hat die amerikanische Vogue mir die Möglichkeit gegeben, dass ich Frauen fotografiere, die ich mag. Ich habe Frauen in weißen Hemden fotografiert. Sie waren nicht begeistert. Einige Monate später hat Anna Wintour sie gesehen und veröffentlicht.

Während Ihrer Karriere haben Sie viel Geld verdient. Was machen Sie damit?

Geld auf der Bank gibt falsche Sicherheit, ist nur eine Zahl. Vor 25 Jahren habe ich für die Harper’s Bazaar in Amerika gearbeitet und wahnsinnig viel Geld verdient. Davon habe ich ein Haus auf Ibiza gebaut. Heute ist es fünfmal so viel wert und meine ganze Familie trifft sich regelmäßig dort.

In der Serie „Testament“ haben sie zum Tode verurteilte Häftlinge porträtiert. Nach was haben Sie gesucht?

Der Grund ist etwas pathetisch. Ich habe angefangen zu recherchieren und dabei gemerkt: Täter sind auch Opfer. Zum Beispiel sollte ein Mädchen hingerichtet werden, dass vier Jahre lang von ihrem Vater und Großvater missbraucht wurde. Als Erwachsene war sie mit einem Mann zusammen und hat mit ihm seine Frau umgebracht. Solche Lebensläufe gibt es viele.

Was macht für Sie als Modefotograf ein gutes Foto aus?

Bei einem guten Foto kommt das, was ich vermitteln will, an. Viele Modefotografen denken wenig darüber nach, was sie genau machen. Das habe ich bei Workshops gemerkt.

Was wollen die Fotografen von Ihnen lernen?

Sie wollen wissen, wie man mit seinen Fotos Menschen bewegt. Man bewegt Menschen aber nicht dadurch, dass man sich umschaut, was die anderen machen und es nachmacht. Man muss seine eigene Kreativität erreichen.

Durch Meditation?

Meditation und Kreativität gehört für mich zusammen. Man kann sofort in den Fotos eines Fotografens sehen, ob er Zugang zu sich selbst hat. Ich habe mich durch Meditation immer besser kennen gelernt. Bis ich irgendwann einen Zugang zu meiner Kreativität gefunden habe.

Wann haben Sie sich gedacht: Jetzt weiß ich was ich mache?

Früher habe ich versucht genau das zu machen, was sich die Kunden vorstellen. Vor einigen Jahren habe ich gemerkt, dass sie mir so viel Geld bezahlen, weil sie hören wollen: Das ist langweilig, schau, ich habe eine bessere Idee.

Zurück zum Film. Es geht viel um Ihre Kindheit in den 40er und 50er Jahren und wie sich diese Erlebnisse in Ihrem Werk finden lassen. Sind Sie mit dem Film komplett einverstanden?

Mit den meisten Dingen bin ich einverstanden. Mit einigen auch nicht. Zum Beispiel sagt meine Exfrau, dass ich immer gewinnen wollte. Das Gegenteil ist richtig. Ich habe versucht meinen Kindern beizubringen, dass es besser ist, Zweiter oder Dritter zu werden. Dann freuen sich Zwei und man kann ein bisschen Glück verstreut. BM

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