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Warum Peter Maffay jetzt Nachtschichten schiebt

Musiker Peter Maffay spricht im Interview über die Herausforderungen der späten Vaterschaft, Tabaluga und Harmonie.

Sänger Peter Maffay wurde in Rumänien geboren und kam im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Heute lebt er hauptsächlich auf Mallorca.

Sänger Peter Maffay wurde in Rumänien geboren und kam im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Heute lebt er hauptsächlich auf Mallorca.

Foto: Getty Images / Getty Images Entertainment/Getty Images

Peter Maffay hat derzeit gleich doppelt Vaterfreuden zu verzeichnen. Die eine machte bereits Schlagzeilen: Mit seiner 31-jährigen Lebensgefährtin Hendrikje Balsmeyer bekam der 69-Jährige Anfang November Tochter Anouk. Aus einer früheren Beziehung hat der Musiker bereits den 15-jährigen Sohn Yaris. Außerdem kommt sein „Ziehkind“ Tabaluga am 6. Dezember auf die Leinwand. Der kleine grüne Drache sucht nun auch in der dritten Dimension nach seinem Feuer. Eine Supermarktkette verloste dazu eine exklusive Kinovorführung des Films. Fernab von den roten Teppichen der Berliner Innenstadt reiste Maffay trotzt Babystress persönlich an, um den Preis in Mahlsdorf zu übergeben und für sein soziales Engagement zu werben.

In den letzten 35 Jahren haben Sie den Tabaluga-Song „Nessaja“ mit vielen verschiedenen Künstlern gesungen. Unter anderem mit Ahmad Jawed & Shabana, da bekam er den Zusatz „Faryad“. Was bedeutet Ihnen diese Kooperation – und warum hat genau dieser Song die Zeiten überstanden?

Peter Maffay: Das waren afghanische Freunde von mir. Die Aussagen von Tabaluga sind über alle Grenzen hinweg gültig. Sie werden von jedem verstanden, egal welche Hautfarbe und Religion man hat oder aus welcher gesellschaftlichen Ecke man kommt. Deshalb können viele Interpreten etwas damit anfangen, und das ehrt mich sehr. Der Song steht für das ganze Thema Tabaluga. Er signifiziert die Haltung, um die es geht: Die Tabaluga-Erzählungen sollen Werte an nachkommende Generationen vermitteln und für Diskussionsstoff sorgen. Es geht immer darum, sich ein gewisses Maß an Kindlichkeit zu bewahren. Man soll nicht kindisch sein, das ist doof. Im Zentrum steht das Spielerische, das Fantasievolle – Dinge, die im Leben oft zu kurz kommen.

Mittlerweile sind Sie für Ihr wohltätiges Engagement ebenso bekannt wie für Ihre Musik. Wie hat sich Ihr Verständnis von Moral und Anstand über die Jahre verändert?

Überhaupt nicht. Mein Gefühl von Anstand ist zum Glück vom Anfang bis zur Gegenwart gleich geblieben. Ich benehme mich zwar auch manchmal daneben. Wenn ich mit meinen Jungs unterwegs bin, lassen wir es ordentlich krachen und sind da nicht zimperlich. Aber an meinem moralischen Kompass hat das nichts geändert, der hat etwas mit Respekt und gleicher Augenhöhe zu tun. Das sind Dinge, die kein Verfallsdatum haben. Genau wie Liebe – oder Hunger.

Sie sind in Rumänien aufgewachsen, kamen mit 14 Jahren nach Deutschland. Wenn Sie Ihre eigene Kindheit anschauen und die Ihrer Kinder, welche Unterschiede sind Ihnen am deutlichsten bewusst?

Da müsste man sie selber fragen, wie sie ihre Kindheit empfinden oder empfunden haben. Ich kann das nur aus meiner Sicht interpretieren. Wenn ich meinen Sohn beobachte, dann finde ich: So viel hat sich nicht verändert. Er verhält sich nicht anders, als ich mich verhalten habe. Wenn wir diskutieren, dann geht es um dieselben Themen, die mich damals beschäftigt haben. Zum Beispiel Sport, Musik und Mädels.

Auch Maximilan Schell gründete spät im Leben noch einmal eine neue Familie. Er sagte: „Die Liebe ist die schönste Sache, mit der man die Angst vor dem Sterben, die in uns allen wohnt, zumindest phasenweise vergessen machen kann.“ Können Sie sich damit identifizieren?

Es muss ja nicht gleich Sterben sein. Das Älterwerden reicht ja schon. Aber im Grunde genommen hat er recht: Wenn so ein kleines Wesen da ist, gibt es einen Neuanfang. Man dreht die Uhr auch für sich selber noch mal zurück. Und ich schiebe jetzt noch mal Nachtschichten.

Die Feiertage stehen vor der Tür, welche Weihnachtswünsche haben Sie in diesem Jahr?

Harmonie. Klingt einfach – brauchen wir aber am meisten. Es gibt so viele Konflikte auf der Welt, so viele Menschen ohne Essen oder einen Platz zum Schlafen. Ohne Zukunftsperspektiven für die Schwächeren in der Gesellschaft gibt es keine Harmonie. Und ich denke an den Frieden, der überall gefährdet ist, unter anderem auch, weil das soziale Gefälle immer größer wird. Nicht nur innerhalb unserer Gesellschaft, sondern weltweit. Auch das kann man sich in einem stillen Moment an Weihnachten mal vor Augen führen.

Da wir gerade in einem Supermarkt sind: Wie sieht Ihr typischer Einkauf aus? Kaufen Sie neuerdings auch Windeln ein?

Ich gehe gerne einkaufen. Dann habe ich eine große Tasche dabei und hake meinen Zettel ab. Windeln kaufe ich neuerdings auch, aber bei Edeka greife ich eher zu Lebensmitteln. Mich verbindet mit Edeka eine Kooperation zugunsten unserer Stiftung, die sozial benachteiligten, vernachlässigten und traumatisierten Kindern Ferien in intakter Umgebung ermöglicht. Dabei spielt auch die gesunde Ernährung der Kinder eine Rolle.

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