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„Der Wixxer“ geht vielleicht bald in Serie

Oliver Kalkofes Klamauk-Filme laufen neu bei Netflix. Das könnte der Start für eine Serie sein.

Medienkritiker und Comedian Oliver Kalkofe wohnt seit über 15 Jahren in Berlin

Medienkritiker und Comedian Oliver Kalkofe wohnt seit über 15 Jahren in Berlin

Foto: Reto Klar

Berlin. Einen besonders schmerzhaften Fernsehmoment, den hatte er in diesem Jahr schon. Dabei ist der Medienkritiker und Comedian Oliver Kalkofe eigentlich abgehärtet. Schließlich nimmt er seit über 20 Jahren in seiner „Mattscheibe“ das Fernsehen aufs Korn. „Schwiegertochter gesucht“ und „Blaulicht Report“, „Das Sommerhaus der Stars“ oder „Germanys next Topmodel“: Kaum eine Sendung, die ihr Fett noch nicht von ihm mit gepfefferten Pointen und genauso viel Chuzpe wegbekommen hat. Dazu moderiert er seit sechs Jahren „SchleFaZ“ auf Tele 5, also die „Schlechtesten Filme aller Zeiten“. Miese Unterhaltung sollte er also gewöhnt sein.

Und trotzdem schüttelt er immer wieder den Kopf, wenn er den Fernseher einschaltet. So wie neulich bei der Echo-Verleihung: „Eine Jury, der alles egal war, die sich anbiedert an Rapper, die absolut nicht preiswürdig sind, nur um junge Menschen vor den Fernseher zu ziehen.“ Oder als er Unternehmer Carsten Maschmeyer und seine Sendung „Start Up!“ auf Sat.1 entdeckte. Ein Format, das neuen Firmen bei der Gründung helfen wollte. „Wie sich Maschmeyer da als cooler Menschenfreund und Start-up-Helfer präsentierte, da habe ich Magenschmerzen bekommen“, sagt der Wahlberliner und legt die Stirn in Falten.

Würde das Fernsehen besser, dann könnte er sich vielleicht wieder mehr um eigene Produktionen kümmern, statt die Fehler anderer zu entlarven. Um den nächsten Teil seiner „Wixxer“-Filme zum Beispiel. Die ersten beiden Edgar-Wallace-Parodien, „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“, die er vor über zehn Jahren geschrieben, gedreht und produziert hat, werden nun noch einmal beim Streamingdienst Netflix gezeigt. „Ich freue mich darauf sehr. Denn es ist auch eine tolle Gelegenheit, die Filme einer neuen Generation zu zeigen“, sagt der 52-Jährige. Die nämlich, die für die Filme früher zu jung waren und sich heute keine DVD mehr kaufen. Und wenn deren Appetit erst einmal angeregt ist, dann könnte man ja nachlegen. Seit Ende des letzten Films denkt Kalkofe schon darüber nach, eine weitere Geschichte über den „Wixxer“ zu filmen. Die Dreharbeiten mit Christiane Paul und Christian Tramitz hätten ihm so eine große Freude bereitet, sagt er, und auch die Fans hätten immer wieder gefragt, ob es nicht noch mal Neues aus dem „Wixxer“-Universum gäbe.

Ein Konzept für die Serie gibt es bereits

„Wir haben uns natürlich auch gefragt, wie man die Geschichten weitererzählen und modernisieren kann. Denn natürlich ist die Zeit weitergegangen“, so Kalkofe. Durch den Boom von Serien habe man nun die Möglichkeiten, Geschichten ausführlicher zu erzählen. Deswegen soll es dieses Mal kein Film, sondern eine sechsteilige Serie werden. Das Konzept hat er bereits geschrieben. Nachts, wie immer. Wenn alles ruhig um ihn herum ist, dann kann er besser eintauchen in diese Schwarz-Weiß-Welt. Die „Akte Wixx“ oder „Die Wixx-Akten“, das sind die Arbeitstitel, sollen ein Mix aus Neustart und Fortsetzung werden. Bis auf Bastian Pastewka wären alle von früher wieder mit an Bord, Oliver Welke und Christoph Maria Herbst beispielsweise. Dazu muss nur noch der richtige Partner gefunden werden.

Netflix – das ist seit „Dark“, der ersten deutschen Serie des Streamingportals, klar – könnte so ein Partner sein. Vielleicht mehr als es lineare Fernsehsender je sein könnten. „Im Fernsehen hat sich nicht viel getan. Man schaut da einem pompös gefilmten Stillstand zu“, sagt Kalkofe. Warum es noch immer so viel schlechtes Fernsehen gibt, das weiß er nicht. Klar, das sichert ihm seinen Job. Nur miserable Sendungen taugen als Vorlage für seine TV-Satire. Flögen die aus dem Programm, müsste Kalkofe nach neuem Material suchen. „Natürlich freue ich mich über jede bescheuerte Geschichte“, sagt er, „aber ich könnte Jahrzehnte mit dem arbeiten, was jetzt schon da ist. Ich würde mir eher wünschen, dass die Menschen vernünftiger werden und netter zueinander sind.“ Das hat er sich auch gewünscht, als die Werbeplakate für Tele 5 und die neue Staffel „SchleFaZ“ erschienen. Da ist Kalkofe zu sehen, wie er seinen Co-Moderator Peter Rütten küsst. Das harmlose Foto der beiden, eigentlich ein Zitat des berühmten sowjetischen Bruderkusses, hat homophobe Diskriminierungen und Hass im Internet entfesselt. „Mit dieser Wut und der Kritik haben wir überhaupt nicht gerechnet“, sagt er. Mit unreflektiertem Rumbrüllen könne man im Internet eben Erfolg haben. „Das wird immer erschreckender. Und das macht Angst.“

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