BBC-Doku

Günther Jauch über „Unsere Erde 2“: „Der Film lässt staunen“

| Lesedauer: 7 Minuten
Annika Schönstädt
Günther Jauch (61) nimmt in einer neuen BBC-Dokumentation die Zuschauer mit auf eine Reise um die Welt

Günther Jauch (61) nimmt in einer neuen BBC-Dokumentation die Zuschauer mit auf eine Reise um die Welt

Foto: Reto Klar

Moderator Günther Jauch ist der Geschichtenerzähler in „Unsere Erde 2“. Die Dokumentation feiert am Mittwoch Premiere im Zoo Palast.

Er zählt zu den gefragtesten Moderatoren unserer Zeit, seine Quizshow „Wer wird Millionär?“ beschert RTL seit 1999 gute Quoten. Jetzt fungiert Günther Jauch als Erzähler in der Naturdokumentation „Unsere Erde 2“. Wir trafen den 61-Jährigen zum Interview über Umweltschutz, Vergleiche mit Robert Redford – und politische Ambitionen.

Sie werden in Umfragen regelmäßig unter die beliebtesten Deutschen gewählt, engagieren sich seit Jahren in Ihrer Wahlheimat Potsdam. Jetzt haben Sie bei einem Film mitgewirkt, der als Botschaft den Schutz unseres Planeten hat. Wären wir in den USA, wären Sie längst als Nachfolger von Frau Merkel im Gespräch.

Günther Jauch: Die Verfassungswirklichkeit ist in Deutschland aber eine ganz andere. Hier werden Kanzler nicht direkt vom Volk gewählt. Außerdem sollte man die Eignung des jeweiligen Kandidaten nicht aus den Augen verlieren. Oder anders gesagt: Ich halte mich für ein politisches Amt für eher weniger geeignet. Zum einen ist meine Kompromissfähigkeit begrenzt. Zum anderen erfordert eine politische Karriere in Deutschland fast immer eine Parteimitgliedschaft. Laut Grundgesetz sollen die Parteien eigentlich nur an der Willensbildung des Volkes mitwirken. Mittlerweile haben sie da aber einen ziemlichen Alleinvertretungsanspruch entwickelt. Überdies sehe ich im Moment nicht die Partei, in die ich passen würde.

Verstehen Sie trotzdem das Bedürfnis mancher Wähler nach einer Führungspersönlichkeit, die mehr Strahlkraft hat als die etablierten Politiker?

Ich sehe tatsächlich, dass es eine gewisse Sehnsucht gibt, sich mehr an Personen als an Parteien oder Programmen zu orientieren. Denken Sie zum Beispiel an Emmanuel Macron. So einer wäre auch in Deutschland nicht chancenlos. Vor einigen Jahren gab es für meine Begriffe mal einen, der auf dem Sprung war. Das war zu Guttenberg. Aber wir wissen alle, warum das nicht geklappt hat.

Finden Sie die Tendenz, dass Prominente als fähige Politiker gehandelt werden, absurd?

In den USA funktioniert das, weil Amerikaner ein Faible für neue Ideen haben. Dort tut man sich leichter, wenn man eingetretene Pfade verlässt. Da reicht der Pioniergeist bis in die Wahlkabine. Ich erinnere mich noch gut an das nahezu weltweite Kopfschütteln, als mit Ronald Reagan ein Schauspieler amerikanischer Präsident wurde. Übrigens nicht einer der schlechtesten. Bei den letzten Wahlen kann ich mich an keinen seriösen Journalisten oder Politikberater in Deutschland erinnern, der die Wahl von Donald Trump für möglich gehalten hätte. Inzwischen wird das Amt nach einer schmissigen Rede auch schon Oprah Winfrey angetragen. Sie scheint allerdings klug genug, ihre eigenen Grenzen zu kennen.

Wenn man sich so viel einsetzt wie Sie für den Erhalt oder Wiederaufbau historischer Gebäude oder für bedürftige Kinder und dabei viel Geld investiert, wächst dann nicht irgendwann der Wunsch, sich aktiver einzumischen? Ist man da nicht besonders verärgert über Dinge, die nicht funktionieren?

Eine gewisse Ungeduld ist natürlich da, aber das geht anderen Bürgern auch so. Dass Politik ein mühsames Geschäft ist, hat wahrscheinlich jeder inzwischen verstanden. Außerdem sind einfache Lösungen nicht automatisch immer die richtigen.

Gönnen Sie sich den Luxus, sich politisch nicht mehr mit allem auskennen zu müssen, seit Sie Ihre Talkshow nicht mehr moderieren?

An meinem grundsätzlichen Interesse an Politik hat sich nichts verändert. Aber es hat auch Vorteile, wenn man sich nicht die ganze Woche auf ein Thema oder ganz spezielle Gäste konzen­trieren muss.

Wie sieht es mit Ihrem Interesse für Umwelt- und Artenschutz aus?

Damit beschäftige ich mich schon. Aber nach so einem Film stellt man sich natürlich schon die Frage, wie viel man als zwar braver, aber eben doch nur einfache Mülltrenner zum Erhalt der Natur beiträgt. Über die Jahre ist meine persönliche Ökobilanz sicher eher ins Minus geraten. Und wenn es kalt ist oder regnet, sitze ich auch lieber im Auto als auf dem Fahrrad.

Hat der Film in dieser Hinsicht etwas bei Ihnen verändert?

Ein klassisches Saulus-Paulus-Erlebnis war damit nicht verbunden. Aber ich denke schon, dass jeder mit der festen Überzeugung aus dem Film geht, dass die Natur ein Wunder ist und sich auf faszinierende Weise immer in der Ba­lance hält. Dieses Gleichgewicht der Kräfte stört im Grunde nur einer – und das ist eben der Mensch. Diese Erkenntnis gewinnt man, obwohl in dem Film praktisch kein einziger Mensch zu sehen ist.

Neben dem Mülltrennen, wie schaffen Sie es sonst, Umweltschutz in Ihren Alltag zu integrieren?

Ich sehe beispielsweise zu, dass ich nicht mit aggressiven Putzmitteln unterwegs bin. Aber dass ich Tag und Nacht als Peta-Demonstrant oder mit dem Greenpeace-Banner auf dem Fahrradgepäckträger unterwegs wäre, kann ich von mir nicht behaupten.

Spielt Umweltschutz bei Ihrem gemeinnützigen Engagement eine Rolle?

Nicht klassisch, aber mit meinem Weingut habe ich ja eine kleine Landwirtschaft, wo wir uns den Betrieb von der Organisation Fair and Green für Nachhaltigkeit zertifizieren lassen. Das wird jährlich ziemlich umfangreich kontrolliert und darauf geachtet, dass man sich ökologisch immer weiter entwickelt.

Der Sprecher im Original ist Robert Redford. Haben Sie zugesagt, weil Sie gerne einmal mit ihm verglichen werden wollten?

Nein (lacht). Aber als ich noch ein wenig schwankte und erfuhr, dass Robert Redford mit an Bord ist, hat mich das schon sehr gefreut. Wobei ich zugeben muss: Rein stimmlich schlägt er mich. Und wahrscheinlich auch sonst in fast jeder Beziehung.

Sind Sie denn ein guter Geschichtenerzähler?

Ja, ich kann ganz gut vorlesen. Wenn ein Märchenbuch gerade mal verlegt ist, könnte ich Kindern auch selbst erfundene Geschichten erzählen. Gerne auch als Wunschkonzert: Sucht euch drei Tiere aus, und daraus machen wir dann eine spannende Geschichte.

Hoffentlich besteht da nicht die Gefahr, dass Kinobesucher einschlafen, wenn Sie auf den Märchenonkelmodus umschalten.

Da besteht keine Gefahr. Denn dafür passiert im Film zu viel. Die Leguane, die, frisch geschlüpft, versuchen, den gefräßigen Nattern zu entkommen – diese Verfolgungsjagd hat für mich absolute James-Bond-Qualität. Oder haben Sie schon einmal den Machtkampf von zwei Giraffenbullen erlebt? Dieser Film lässt Sie vom ersten bis zum letzten Moment staunen, und Sie werden das Kino fasziniert verlassen.

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