Filmdreh

Das Joshua-Profil - In den Fängen der Datenkrake

In der Friedrichshainer Karl-Marx-Buchhandlung wird Sebastian Fitzeks Thriller „Das Joshua-Profil“ gedreht. Ein Besuch am Set.

Die Schauspieler Armin Rohde, Torben Liebrecht, Franziska Weisz, der Schriftsteller Sebastian Fitzek, und die Schauspielerin Lina Hüesker (v.l.) am Set

Die Schauspieler Armin Rohde, Torben Liebrecht, Franziska Weisz, der Schriftsteller Sebastian Fitzek, und die Schauspielerin Lina Hüesker (v.l.) am Set

Foto: Gregor Fischer / dpa

Es ist wieder Leben in die Karl-Marx-Buchhandlung in Friedrichshain eingekehrt: Die alten Holzregale sind mit Büchern gefüllt, ein Plakat kündigt eine Lesung an. Dass ein großer Scheinwerfer vor der Fensterfront steht, stört die Passanten nicht, die ganz spontan bei der Buchvorstellung dabei sein wollen.

Sie werden allerdings höflich wieder hinausgebeten, denn hier wird heute eine Szene für den RTL-Fernsehfilm "Das Joshua-Profil" nach dem Roman von Sebastian Fitzek gedreht. Torben Liebrecht spielt in der Verfilmung den erfolglosen Schriftsteller Max Rhode, dessen Leben aus den Fugen gerät, als eine moderne Software vorhersagt, dass er ein schweres Verbrechen begehen werde. Ihm zur Seite stehen beim Settermin Franziska Weisz als Ehefrau, Lina Hüesker als Tochter und Armin Rohde als Anwalt, mit dessen Hilfe Rhode die Verschwörung aufdecken kann. Außerdem dabei sind unter anderen Regisseur und Oscarpreisträger Jochen Alexander Freydank sowie Drehbuchautor Jan Braren und nicht zuletzt Sebastian Fitzek: Der Thrillerautor feiert hier und heute sein Schauspieldebüt mit einem Cameo-Auftritt als Buchhändler. Es sei eine Sprechrolle, das habe ihn schon etwas nervös gemacht, sagt er kurz vor dem Dreh, er habe aber "eigentlich einen ganz guten Verdrängungsmechanismus" und hoffe, dass ihn das Niveau der Beteiligten hochzieht.

Fingerübung wird zum Roman

Max Rhode ist nicht nur der Name des Protagonisten, sondern auch ein Pseudonym Fitzeks, unter dem er den Roman "Blutschule" schrieb. Um dessen Präsentation geht es beim heutigen Dreh in der Buchhandlung. Beim Schreiben des "Joshua-Profils" wollte sich Fitzek in die Rolle seines Protagonisten hineinversetzen. "Das klingt etwas esoterisch, aber spätestens nach den ersten 80 Seiten verselbstständigen sich die Figuren", sagt er. Was eigentlich nur eine kurze Fingerübung sein sollte, wurde dann zu einem eigenen Roman: "Das Buch im Buch ist dann tatsächlich Existenz geworden."

Er hätte beim Drehbuch theoretisch viel Mitspracherecht gehabt, sagt Fitzek. Er findet aber, dass das eine ganz eigene Kunst sei: "Nur weil man einen Roman geschrieben hat, heißt das nicht, dass man automatisch ein guter Drehbuchautor ist." Armin Rohde pflichtet ihm bei: "Als Schauspieler merkst du sofort, wenn deine Figur Sätze zu sagen hat, die im Roman zwar funktionieren, aber ein Element der Außenbetrachtung sind." Sätze, die der Zuschauer oder der Kritiker sagen muss, aber nicht die Figur. "Dann höre ich mich an wie ein Fernsehschauspieler – und nichts ist schlimmer", sagt er grinsend und erntet großes Gelächter von Cast und Crew.

Vorhersage von Verbrechen auf Basis großer Datensätze

Im "Joshua-Profil" geht es um Pre-Crime, also die Vorhersage von Verbrechen auf Basis großer Datensätze. Bekannt wurde der Begriff durch Steven Spielbergs Film "Minority Report" aus dem Jahr 2002 mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Was wäre, wenn so etwas Realität wird? Liebrecht findet den Gedanken zuerst einmal wahnsinnig verlockend, dem gegenüber stünde aber das Gut der persönlichen Freiheit: "Die Frage ist, wie lebenswert ist eine Gesellschaft, in der ich nicht mehr frei denken kann, weil mein Denken schon Konsequenzen hat?" Braren findet es gruselig, dass man sich so langsam an die technischen Möglichkeiten gewöhnt, dass es immer normaler wird, dass diese für die Strafverfolgung ausgeschöpft werden.

"Pre-Crime wird in einem ganz einfachen Szenario dafür benutzt zu erkennen, wo Verbrechen vermehrt stattfinden, weil dort jetzt ein Fußballspiel ist und die Leute sich Bier reinschütten. Aber das wird immer komplexer durch die ausufernden Möglichkeiten." Fitzek ergänzt: "Das ist das eine, aber auch wie bereitwillig wir alle mittlerweile unsere Daten, uns selber zugänglich und kommerzialisierbar machen. Das liegt jedoch im Verantwortungsbereich jedes Einzelnen. Da sind dann auch die Eltern gefragt, ihren Kindern eine Medienkompetenz beizubringen."

Es gäbe große Angst vor staatlichen Mechanismen, wenn es um das Thema Überwachung im öffentlichen Raum geht, aber die größten Datensammler seien private Unternehmer, die sich weiträumigen Einblicken entziehen. "Wenn Schindluder mit den Daten im öffentlichen Bereich getrieben wird, kommt das vielleicht noch eher ans Licht, aber die Datenkraken, die wir alle haben, die wissen schon sehr genau, was wir machen, weil wir ihnen unsere Daten gegeben haben."

Gedreht wird noch bis Mitte September. Ein Ausstrahlungstermin steht noch nicht fest.

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