Interview

Sawatzki und Ziegler: "Mal wieder was zusammen machen"

Andrea Sawatzki und Regina Ziegler im Interview über ihre gemeinsamen Projekte und ihre lange Freundschaft.

Ladys in Red auf roter Couch: Andrea Sawatzki und Regina Ziegler im Büro von Ziegler Film Massimo Rodari

Ladys in Red auf roter Couch: Andrea Sawatzki und Regina Ziegler im Büro von Ziegler Film Massimo Rodari

Foto: Massimo Rodari

Zum Termin im Büro von Ziegler Film am Lietzensee begrüßen sich Schauspielerin und Buchautorin Andrea Sawatzki und Filmproduzentin Regina Ziegler herzlich. Beide Frauen sind nicht nur Nachbarinnen und Freundinnen, sondern arbeiten auch zusammen. In ihrem neuen gemeinsamen Film "Von Erholung war nie die Rede" (25. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) geht es um Familienurlaub und die damit verbundenen großen und kleinen Katastrophen. Wie schon bei dem Vorgänger "Tief durchatmen, die Familie kommt" rund um ein chaotisches Weihnachtsfest lieferte Andrea Sawatzki dafür die Buchvorlage und spielt auch die Hauptrolle. Ein Gespräch über Pannenurlaube, Perfektion und ihr Problem, ein privates Treffen zu vereinbaren.

Berliner Morgenpost: Sie beide sind Freundinnen, Nachbarinnen und arbeiten zusammen. Was war zuerst da?

Regina Ziegler: Wir haben vor vielen Jahren zusammen einen Film gemacht, "Champagner und Kamillentee", aber danach haben wir uns ein bisschen aus den Augen verloren.

Andrea Sawatzki: Das ist jetzt bestimmt schon 20 Jahre her ...

Ziegler: Aber du siehst, ich weiß den Titel immer noch. Und wir haben uns immer mal getroffen und gesagt: "Wir müssen mal wieder was zusammen machen." Andrea hat dann angefangen, Romane zu schreiben, und ich habe als Nachbarin gesagt: "Ich möchte das als Erste lesen dürfen." Beim ersten Teil "Tief durchatmen, die Familie kommt" hat mir Andrea ihr Manuskript um die Familie Bundschuh abends in den Briefkasten gesteckt. Das habe ich sehr geschätzt. Ich habe es in der Nacht durchgelesen und ihr am nächsten Morgen gesagt: "Das möchte ich machen, das müssen wir hinkriegen." Und so fing das dann an.

Was schätzen Sie aneinander?

Sawatzki: Reginas Wärme. Man ist immer willkommen, und es ist immer schön, bekocht zu werden und schöne Gespräche über das Leben zu führen. Unsere Liebe zu Hunden verbindet uns auch sehr.

Sind Sie schon einmal zusammen im Urlaub gewesen?

Sawatzki: Das war geplant für den letzten Winter. Es sollte eine Kreuzfahrt sein, auf der wir gelesen haben, die war dann aber leider restlos ausgebucht.

Ziegler: Ja, das hat leider nicht geklappt. Wir haben aber schon viel gemeinsam unternommen, und Andrea und Christian (Berkel) haben sich auch sehr um Wolf, meinen Mann gekümmert, als es ihm sehr schlecht ging. Aber einen Urlaub kriegen wir schon noch mal hin.

Zuerst einmal wollten Sie ja sowieso einen Termin für ein Treffen finden ...

Ziegler: Ja, (zu Andrea Sawatzki gewandt) also ich habe jetzt mit Christian den nächsten Sonntag ins Auge gefasst.

Sawatzki: Da bin ich aber nicht da, weil da eine Lesung ist.

Ziegler: Danach bin ich in Los Angeles ...

Sawatzki: Und ich dann in Köln ...

Kommen wir zu Ihrem neuen gemeinsamen Film "Von Erholung war nie die Rede". Haben Sie selbst schon einmal so einen Horrorurlaub mit der Familie erlebt?

Sawatzki: Mit der Familie nicht, mit der war es immer wunderschön. Aber ich erinnere mich an eine Finnlandreise vor mehr als 35 Jahren mit meinem damaligen Freund. Es war ein sehr milder Winter, es regnete die ganze Zeit. Wir hatten einen Bungalow mit Doppelbett und nackter Glühbirne. Wir wollten spazieren gehen, aber man hat uns vor den Braunbären gewarnt. Es wurde um zehn hell und um drei wieder dunkel. Und dann saßen wir unter unserer Glühbirne und sind ziemlich schnell wieder abgereist – es war echt frustrierend.

Ziegler: Ich habe immer nur Urlaube erlebt, wo alles reibungslos geklappt hat. Von daher hat mich das Buch von An­drea so fasziniert. Endlich mal so richtig ein Erlebnis, wo du mitgehst und nachvollziehst, wenn so eine Familie aufeinanderprallt. Deswegen hoffe ich, dass es noch viele Begegnungen mit den Bundschuhs geben wird.

Gibt es schon Ideen für eine Fortsetzung, Frau Sawatzki?

Sawatzki: Ich habe natürlich schon Ideen, aber ich schreibe gerade an einem Mystery-Thriller und muss mich ein bisschen ranhalten. Erst dann kann ich mich wieder um die Bundschuhs kümmern.

Wirken Sie auch am Drehbuch mit?

Sawatzki: Nein, für mich war von vornherein klar, dass ich mich völlig raushalte. Man sollte auch das Vertrauen haben, den Stoff abzugeben.

Ziegler: Das wäre für mich als Produzentin sonst auch ein Problem. Ich habe sehr viele Literaturverfilmungen realisiert und immer wieder die Diskussion mit den Buchautoren, dass sie loslassen müssen. Das ist wie mit den Kids – irgendwann gehen sie mal aus dem Haus, und dann kann man auch nicht immer noch den Finger draufkrallen.

Gibt es Parallelen zwischen Ihrem Leben und dem Ihrer Protagonistin Gundula?

Sawatzki: Es gibt natürlich Parallelen, dass sie in meinem Alter ist und auch Kinder hat. Allerdings ist Gundula schon lange nicht mehr berufstätig. Den Spagat muss sie schon mal nicht bestehen. Sie hat aber das, was viele Frauen so umtreibt und was ich von mir selbst auch kenne. Dass sie als Mutter und Hausfrau perfekt sein müssen – und dann vielleicht auch noch im Berufsleben perfekt. Ich kenne das sehr gut von mir, und wenn meine Männer sagen: "Komm, lass uns das doch machen", habe ich Sorge, dass sie es auch richtig machen. Gundula ist schon eine Chaotin – das ist sie auf jeden Fall mehr als ich. Aber diese Sehnsucht nach der perfekten, heilen Welt, die hat sie schon von mir.

Wie liefen denn die Dreharbeiten? Die Besetzung ist ja nahezu die gleiche wie beim Erstling.

Ziegler: Christine Schorn musste aus Krankheitsgründen umbesetzt werden. Da standen wir vor einer schwierigen Situation fünf Tage vor Drehbeginn und haben uns gefreut, dass Thekla Carola Wied die Rolle der Mutter übernommen hat. Aber ansonsten ist die Besetzung gleich geblieben.

Sawatzki: Wir Schauspieler hatten auch alle großen Spaß. Und für mich ist es schön, dass die Figuren jetzt so zum Leben erwacht sind.

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