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Vladimir Burlakov - ein Berliner mit russischer Seele

Vladimir Burlakov ist für zwielichtige Rollen bekannt. Jetzt hat der Schauspieler eine romantische Komödie gedreht.

Vladimir Burlakov lebt seit fünf Jahren in Wedding

Vladimir Burlakov lebt seit fünf Jahren in Wedding

Foto: Amin Akhtar

Vladimir Burlakov hat ein Seriositätsproblem. Schuld sind seine Oberarme. Deren Ausmaß zeichnet sich selbst unter einem Pullover deutlich ab. In Wedding, dort wo der 29-Jährige seit fünf Jahren wohnt, fällt er damit womöglich nicht weiter auf. Beim Casting schon. Für Rollen mit besonders viel Tiefgang werde er aufgrund seiner physischen Erscheinung häufig nicht besetzt, sagt der Schauspieler. Dabei sei er durchaus bereit, sich für einen Job zu verändern. Auch bei seinem nächsten Projekt, eine deutsch-italienische Koproduktion und laut Burlakov die beste Rolle seines Lebens, habe man ihn gebeten, es mit dem Sport vor den Dreharbeiten etwas ruhiger angehen zu lassen. Das Problem sieht der Wahlberliner in der deutschen Besetzungspolitik: Einmal in einer Schublade, werde man ein bestimmtes Image nur schwer wieder los. Und so bekommt der gebürtige Moskauer im besten Fall den zwielichtigen Gangster, im schlechtesten Fall den russischen Stricher angeboten, während er vom Theater oder einer Zusammenarbeit mit Maren Ade träumt.

Deutscher Fernsehpreis für „Im Angesicht des Verbrechens“

Dabei gibt sich Vladimir Burlakov seit Beginn seiner Karriere die größte Mühe, sein Profil als Charakterdarsteller zu schärfen. Während seines Schauspielstudiums an der Otto Falckenberg Schule trainierte er sich seinen russischen Akzent ab. Gleich für seine erste Rolle in Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“ erhielt er den Deutschen Fernsehpreis, ein Jahr später wurde er für „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“ mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Der ganz große Durchbruch, den Burlakov nicht an Popularität, sondern an der Möglichkeit, sich seine Rollen aussuchen zu können festmacht, lässt seither noch auf sich warten.

Dass er in seinem Beruf wenig planen kann, musste Vladimir Burlakov erst lernen. „Ich hatte schon Monate, in denen ich gar nichts gemacht habe. Ich habe das anfangs persönlich genommen“, sagt er. Heute verzichtet er sogar auf Rollen, wenn sie für ihn keine Weiterentwicklung bedeuten: „Wenn ich Drehbücher bekomme, in denen ich einen Russen mit Akzent spielen soll, die nicht weltbewegend sind, dann sage ich das ab. Das ist mir egal, ob das ein ‚Tatort‘ ist.“ Und auch beim Casting macht er sich nicht mehr so viel Druck. Er versuche einfach, jedes Mal sein Bestes zu geben, sagt er. Für Burlakov bedeutet das, sich bis zu zehn Tage lang vorzubereiten und sich mit Literatur wie Susan Batsons Standardwerk „Truth: Wahrhaftigkeit im Schauspiel“ weiterzubilden. Einmal am Set kennt Burlakov den historischen Kontext der Geschichte oder den psychologischen Unterbau seiner Figur dank eingehender Hintergrundlektüre. Über Kollegen, die im Zweifelsfall nicht einmal ihren Text können, ärgert er sich. „Sich als Schauspieler mehr vorzubereiten, als nur das Drehbuch zu lesen, finde ich schon angebracht“, sagt er.

Seit fünf Jahren ist Berlin seine Heimat

Als Nächstes ist Vladimir Burlakov in der romantischen Komödie „Verliebt in Amsterdam“ (ARD, 28. April, 20.15 Uhr) zu sehen. Er spielt einen jungen Anwalt aus Kassel, der angesichts seines nahenden 30. Geburtstages fernab seines Elternhauses endlich die große Karriere starten möchte. Doch natürlich kommt ihm die Liebe dazwischen. Der Bruch mit seinem Rollenschema sei ganz unbewusst geschehen, sagt der Schauspieler. Ihm habe einfach das Drehbuch gefallen – und, wenn er ehrlich ist, auch die Möglichkeit, einen Monat lang in der niederländischen Hauptstadt zu arbeiten. In Amsterdam habe er sich augenblicklich wohlgefühlt. So wie in Berlin, wo er 2010 für „Im Angesicht des Verbrechens“ vor der Kamera stand. Zwei Jahre später beschloss er spontan, in seiner deutschen Heimatstadt München die Koffer zu packen. „Ich kann in Berlin viel besser atmen als in München“, sagt er. „Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich die ersten neun Jahre meines Lebens in Moskau aufgewachsen bin und die Großstadt brauche.“

Ein Umzug kommt für Vladimir Burlakov also derzeit nicht infrage, am wenigsten in das Land seiner Geburt. Im Alter von 16 Jahren ist er zum letzten Mal dort gewesen. „Ich wüsste gar nicht, was ich heute in Moskau machen sollte“, sagt er. Schließlich sei er ein deutscher Schauspieler, „und ich bin Fan eines Rechtsstaates“. Seine Wurzeln könne er aber dennoch nicht verleugnen, das merke er nicht nur an den Rollenangeboten. Anders als das Drehbuch zu „Verliebt in Amsterdam“, das voll von Nationalitätenklischees ist, spricht Burlakov in diesem Zusammenhang aber lieber von Mentalität. So werde er im Streit schnell laut, neige ansonsten zur Melancholie, und warum ein Paar im Restaurant getrennt bezahlt, könne er bis heute nicht verstehen.

Keine Angst vor dem 30. Geburtstag

Genau wie seine aktuelle Figur wird Vladimir Burlakov in diesem Sommer 30 Jahre alt. Druck im Privat- oder Berufsleben verspürt er deshalb nicht – ganz im Gegenteil. „Das Wissen, das man in den zehn Jahren zwischen 20 und 30 ansammelt, finde ich ganz toll“, sagt er. „Der Satz ‚Ich spreche aus Erfahrung‘ wird mit jedem Jahr wahrer.“ Als männlicher Schauspieler würden die Rollen außerdem mit der Zeit anspruchsvoller. Die vergangenen Jahre sei er in einem schwierigen Zwischenalter gefangen gewesen. Deshalb freue er sich schon, bald Mitte 30 zu sein. Bis dahin wartet er ab, liest Freud – und geht zum Sport.

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