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Keanu Reeves: „Ich möchte gerne in Berlin drehen“

Keanu Reeves hat in Berlin seinen neuen Film „John Wick: Kapitel 2“ vorgestellt. Ein Gespräch über Motorräder, Berlin und Trump.

Keanu Reeves im Berliner „Hotel de Rome“

Keanu Reeves im Berliner „Hotel de Rome“

Foto: Reto Klar

Nicht wirklich von dieser Welt, so wirkt er in den „Matrix“-Filmen. Doch heute gibt er sich lässig, hebt die rechte Hand zum Gruß, als er den Ballsaal des „Hotel de Rome“ betritt, die andere in der Hosentasche seines perfekt sitzenden Anzugs. Seine Haare fallen ihm ins Gesicht, während er Platz nimmt. Keanu Reeves hatte am Montagnachmittag gemeinsam mit Regisseur Chad Stahelski zur Pressekonferenz geladen, um die Fortsetzung des Actionthrillers „John Wick“ vorzustellen.

„Wir wären heute nicht hier, wenn der erste Teil nicht so gut beim Publikum angekommen wäre“, beginnt der Hauptdarsteller. „Es sollte brutaler, cooler und mit viel Humor sein“, fügt Stahelski an. Und so gestaltet sich auch die Pressekonferenz. Während Moderator Steven Gätjen unerwünschte Fragen abblockt, lacht Keanu Reeves über sie hinweg und Chad Stahelski lehnt sich entspannt zurück. Beispielsweise als Reeves gefragt wird, ob er Action-Filme drehe, um Frauen zu beeindrucken. „Ich habe keine Ahnung, wie ich diese Frage beantworten soll. Jedenfalls haben alle meine Freundinnen die Rolle des John Wick sehr gemocht“, so der 52-Jährige. Zur Zeit sei er aber Single.

Verfolgungsjagden, Schießereien und Gun-Fu-Gefechte

Der ehemalige Auftragskiller John Wick wird im zweiten Teil erneut gezwungen, aus dem Ruhestand zurückzukehren. Einer seiner ehemaligen Partner will die Kontrolle über eine Vereinigung von Attentätern übernehmen. Durch einen Blutschwur daran gebunden ihm zu helfen, reist Wick nach Rom, wo er mit den gefährlichsten Killer der Welt konfrontiert wird. Dementsprechend gibt es in der Fortsetzung zahlreiche Verfolgungsjagden, Schießereien und Gun-Fu-Gefechte – eine Mischung aus Nahkampf, erweitert mit Feuerwaffen – zu sehen, die der Kanadier größtenteils selbst gespielt hat.

Er habe nicht viele Schrammen davongetragen, so Reeves. Wieder in die Rolle zu schlüpfen habe ihm Spaß gemacht. „Ich habe alles gegeben, was ich konnte“, sagt er. „Ich hatte das Gefühl, dass ich eine riesige Verantwortung trage. Denn dieser Gentleman, Chad Stahelski, hat eine grenzenlose Fantasie. Also bin ich die Grenze. Es kann nur so gut werden wie ich bin.“

Während Reeves das erzählt, wirkt er höflich und bemüht. Das bestätigt auch Stahelski. Zehn Wochen lang habe der Schauspieler drei- bis viermal pro Woche trainiert und jedes Mal zwischen 1000 und 1500 Schuss abgefeuert, führt der Regisseur aus. „Als wir ihn dann so weit hatten, dass er präzise mit echtem Feuer umgehen konnte, steckten wir ihn ins Fitnessstudio, ließen ihn mit Waffennachbildungen arbeiten und arbeiteten die Choreographie aus.“ Zur Frage, ob die Gewalt auf der Leinwand auch Gewalt im wahren Leben auslösen könnte, meint Reeves: „Wenn du ein gesunder Mensch bist: nein.“

„In Amerika passieren verrückte Dinge“

Als Kenau Reeves gefragt wird, was die aktuelle politische Situation in den USA für ihn bedeutet, will der Moderator intervenieren. Die Begründung: Sie gehöre nicht zum Film. Doch auch dabei bleibt Reeves entspannt und höflich. Er wolle die Frage beantworten, sie sei ja aus gutem Grund gestellt worden: „Verrückte Dinge passieren da momentan.“ Viele Leute würden den Handlungen des neuen Präsidenten nicht zustimmen, und er hoffe, dass sich alles positiv entwickele. „Ich beantworte diese Frage nicht sehr gut“, sagt er und lacht. „Vielleicht sollten wir wieder über Themen reden, mit denen ich mich besser auskenne.“

Keanu Reeves wurde in Beirut geboren. Nach einer Zeit in Australien zog seine Familie nach New York, wo der Vater die Familie verließ. Es folgte wieder ein Umzug, diesmal nach Toronto, Kanada, wo er nach vier Schulwechseln wegen mangelhafter Disziplin schließlich Schauspielunterricht an der High School for the Performing Arts nahm. Seit 2003 lebt er in West Hollywood, Kalifornien. Dort liebt er es, mit seinem Motorrad an den Küsten entlang zu fahren, „allerdings nicht mehr so schnell wie früher“. Eine junge Frau habe ihm in München mal das Motorradfahren gezeigt. Er komme nicht mehr auf ihren Namen, aber: „Falls Sie da draußen sind: Danke!“

Erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass Reeves demnächst mit der Berliner Produzentin Gabriela Bacher zusammenarbeiten wird. Reeves übernimmt die Hauptrolle in dem Romantik-Thiller „Siberia“ und spielt einen amerikanischen Diamanten-Händler, der nach Russland reist, um sich dort mit einem Kollegen zu treffen. „Ich würde so gerne mal in Berlin drehen“, so Reeves. Er spreche zwar kein Deutsch, aber immerhin Russisch.