Interview

Schauspieler Maxim Mehmet: „Es ist der tollste Job der Welt“

Schauspieler Maxim Mehmet hat seinen Namen von der Krim und Familie in der Türkei. Ein Gespräch über Politik und seinen neuen Film.

Maxim Mehmet ist nach mehreren Jahren in Berlin nach Wien gezogen

Maxim Mehmet ist nach mehreren Jahren in Berlin nach Wien gezogen

Foto: Getty Images / German Select/Getty Images

Als Träumer Philipp in der Komödie „Männerherzen“ wurde Maxim Mehmet 2009 bekannt. Sein Handwerk hat der 41-Jährige an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam gelernt. Der gebürtige Kasseler zog damals nach Schöneberg und wohnt mittlerweile in Wien. Seitdem wirkte er beim Leipziger „Tatort“ mit und bekam 2015 für den ARD-Film „Männertreu“ den Grimme-Preis. In dieser Woche ist er im ZDF-Zweiteiler „Gotthard“ (19. und 21. Dezember, 20.15 Uhr) zu sehen, 2017 in der Kino-Romanze „Schatz, nimm du sie!“.

Bei Ihrem Nachnamen erwartet man nicht unbedingt einen blonden Mann.

Maxim Mehmet: Der Nachname stammt von meinem Großvater väterlicherseits, der war Krimtatar. Die Tataren und die Türken sind verwandte Stämme und Sprachen. Unmittelbar nach dem Krieg ist er von der Krim weg und bei Kassel gestrandet.

Und wie lebt es sich mit so einem untypischen Nachnamen?

Es macht mich erst einmal stolz. Ich finde es gut, dass es ein außergewöhnlicher Nachname ist, aber natürlich erzählt man die Geschichte nicht nur einmal. Zur Krim habe ich leider wenig Bezug, aber wir haben familiäre Verbindungen in die Türkei, und ich war da als Kind oft, daher habe ich vor ein paar Jahren angefangen Türkisch zu lernen.

Die türkische Kultur ist Ihnen also sehr vertraut?

Schon. Und da ich sie sehr mag, stimmen mich die Entwicklungen der letzten Zeit umso trauriger. Noch vor einigen Jahren sah es so aus, als würde sich die Türkei öffnen, gegenüber etwa den Kurden, und es gab Gespräche und Dialoge. Doch inzwischen gibt es leider wieder eine harte Linie. Dass das Bild der türkischen Kultur insgesamt darunter leidet, ist sehr bedauerlich.

Das heißt, Sie machen nun keinen Urlaub mehr in der Türkei?

Doch. Gerade jetzt ist es wichtig, die Verbindung zu halten, Brücken zu bauen, wo so viele eingerissen werden. Schließlich gibt es dort sehr viele Menschen, die nicht mit den Plänen und Machenschaften ihrer Regierung einverstanden sind. Außerdem ist das Land nach wie vor wunderschön.

Sie sind von Berlin nach Wien gezogen. Vermissen Sie Ihre alte Heimat?

Ich vermisse meine Familie und Freunde, aber die Stadt selbst vermisse ich nicht, nein. Dazu war ich zu lange hier und habe mir immer gewünscht, einmal auszuziehen, um das Leben andernorts zu erfahren.

Sie haben „Goethe“ als Hörspiel eingesprochen. Wie ist es, Goethe zu sein?

Dem bekanntesten deutschen Dichter seine Stimme zu verleihen, ist schon toll. Aber Goethe kommt moderner daher, seine Kutsche hat etwa ein Navi. In Italien lernen sie nun anhand dieses Hörspiels und eines Comics Deutsch. Das macht mich ein bisschen stolz.

Was hat Sie an der Rolle im ZDF-Zweiteiler „Gotthard“ gereizt?

Es geht um den Bau des Tunnels, der 1873 startete. Unter schlimmsten Bedingungen haben die Menschen dort gearbeitet. Damals hat sich die Arbeiterbewegung formiert, die Anfänge der Gewerkschaft. Dieser zeitgeschichtliche Bezug hat mich sehr fasziniert.

Bei Köln wurde dafür ein Tunnel nachgebaut. Wie kann man sich das vorstellen?

Es war wie ein Zeitreise. Bei den Dreharbeiten wurden sogar echte Öllampen benutzt. Da hat man gemerkt, unter welchen Bedingungen damals gearbeitet wurde. Wenn man sich am Ende des Tages geschnäuzt hat, war das Taschentuch schwarz vor Ruß. Da konnte ich erahnen, was es bedeutet hat, diesen Tunnel zu bauen.

Nächstes Jahr läuft Ihr Film „Schatz, nimm du sie!“ in den Kinos an. Sie spielen neben Carolin Kebekus die Hauptrolle. Wie klappte die Zusammenarbeit?

Wir haben uns super verstanden. Es war ihr erster Kinofilm, und das hat man ihr nicht angemerkt. Ich war total beeindruckt, wie schnell sie ihren Text gelernt hat. Ich brauche ihn mindestens einen Tag vorher, um frei damit umgehen zu können, sie liest das Skript morgens in der Maske.

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Zwei Hauptrollen hintereinander, ist das Ihr Durchbruch?

Der liegt gefühlt schon hinter mir. „Männerherzen“ ist der Film, auf den ich immer noch angesprochen werde. Danach habe ich gedacht: Geil, jetzt geht’s los. Doch dann kam erst mal wenig. Deshalb freue ich mich umso mehr über die beiden Rollen.

Konnten Sie mit dem Stillstand umgehen?

Ich habe es über die Jahre gelernt, doch es war nicht einfach. Denn das nagt schon schnell am Selbstwert. Das nicht zuzulassen und ein anderes Fundament zu finden, auf dem man sicher ruht, muss man erst lernen. Aber wenn es läuft, ist es der tollste Job der Welt, weil man für Arbeit bezahlt wird, die sich nicht wie Arbeit anfühlt.

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