Interview

Christoph Maria Herbst nennt sich „Vorzeige-Schwiegersohn“

Nach dem Abschied von Stromberg hat der Schauspieler eine neue Rolle als Psychotherapeut. Ein Gespräch über Psyche, Hotels und das Familienleben.

Christoph Maria Herbst in neuer Rolle

Christoph Maria Herbst in neuer Rolle

Foto: Getty Images / Getty Images Entertainment/Getty Images

Vor zwei Jahren verabschiedete sich Christoph Maria Herbst von seiner Rolle als Stromberg. Er wolle wieder einmal zeigen, dass er mehr ist als nur das Büroekel der Capitol-Versicherung, sagte er damals. In der ARD-Reihe „Hotel Heidelberg“ scheint der 50-Jährige nun das perfekte Gegenmodell gefunden zu haben. Am Freitag (20.15 Uhr) ist er zum dritten Mal als schüchterner Psychotherapeut Ingolf Muthesius zu sehen, der unter den Querelen im familiengeführten Hotel seiner Frau leidet. Ein Gespräch über die Vorteile, der Jüngste in der eigenen Familie zu sein, gruselige Begegnungen im Hotel und die ultimative Liebeserklärung an seinen Schwiegervater.

In der Reihe „Hotel Heidelberg“ heiratet Ihre Rolle in einen familiengeführten Hotelbetrieb ein. Wie viel Zeit Ihres Lebens verbringen Sie in Hotels?

Christoph Maria Herbst: Da ich beruflich viel unterwegs bin, bestimmt die Hälfte oder zwei Drittel.

Was macht für Sie ein gutes Hotel aus?

Ruhe und Sauberkeit. Solche Kategorien wie Sterneklassifizierungen sind mir überhaupt nicht wichtig. Da ich meist nach Dreharbeiten, also nach 12- bis 15-Stunden-Tagen, ins Hotel komme, brauche ich dann vor allem einen Ort, an dem ich mich zurückziehen kann und nicht von Baustellenlärm geplagt werde. Und eine Dusche wäre auch noch ganz schön.

Sie haben 2010 einen satirischen Roman über die Reise auf einem Kreuzfahrtschiff veröffentlicht. Wäre das auch über Ihre Erlebnisse in Hotels denkbar?

Auf jeden Fall. Ich sammle schon eine Weile Geschichten. Ich denke da an ein allgemeines Reisetagebuch mit einem Kapitel über Hotels, aber nicht im Beleidigte-Leberwurst-Stil.

Sie spielen jetzt einen Psychotherapeuten, der sich in seine Patientin verliebt. Haben Sie sich schon mal in einer eigentlich unpassenden Situation verliebt?

Therapeut und Patientin ist natürlich erst einmal komisch, aber eigentlich ist doch heute alles erlaubt. Ich war allerdings noch nie in so einer Situation.

Sie sind der Jüngste von drei Geschwistern. Da hatten Sie bei der Berufswahl wahrscheinlich ein bisschen mehr Narrenfreiheit als Ihre Schwestern.

Ich hatte mit meinen Eltern den Deal, dass ich nach dem Abitur erst mal etwas Sicheres mache. Das hätte ich natürlich nicht machen müssen, ich war damals ja schon über 18. Aber zugunsten eines liebevollen Miteinanders habe ich mich darauf eingelassen. Meinen Wechsel in die brotlose Kunst haben meine Eltern dann trotzdem mit Unbehagen verfolgt. Sie sind mir dann trotzdem zu meinen ersten Auftritten auf winzigen Bühnen hinterhergereist. Meine älteste Schwester musste da noch ganz anders mit dem Schwert durch den Dschungel. Ich konnte ganz gemütlich auf dem geschlagenen Pfad hinterherjuckeln.

Was bedeutete das Aufwachsen in Ihrem Fall?

Meine Eltern gehören der Kriegsgeneration an. Und man weiß ja mittlerweile, dass die erlebten und nicht verarbeiteten Traumata an die Kindergeneration weitergegeben werden. Meine Eltern haben darüber nicht gesprochen, weil sie uns eine sorglose Kindheit bescheren wollten, aber sie haben es eben erlebt.

Das klingt aber doch, als hätten Sie sich schon intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt.

Ich muss sagen, dass mir viele dieser Gedanken gerade erst kommen, wo wir darüber sprechen. Ich stamme ja auch aus einem katholischen Beamtenhaushalt. Da könnte man sich auch fragen: Warum ist gerade der Schauspieler geworden? Muss er immer in andere Rollen schlüpfen, weil er in seiner eigenen Haut nicht zurechtkommt? Ich bevorzuge allerdings den Gedanken, dass ich einfach Spaß daran habe.

Wie sieht es mit dem Verhältnis zu Ihren Schwiegereltern aus?

Ich glaube, dass ich ein echter Vorzeige-Schwiegersohn bin. Jedenfalls wird mir das so gespiegelt. Ich habe gerade durchgesetzt, dass ich in der Rolle des Herrn Ärmel, den ich in der Verfilmung von „Jim Knopf“ spiele, die Frisur meines Schwiegervaters bekomme. Das ist doch der größtmögliche Liebesbeweis. Ich trage also einen sehr seitlichen Seitenscheitel mit über die Glatze gekämmten Haarsträhnen, die bei jedem Windstoß die Stirn hinunterhängen. Wir nennen es die Sardellenfrisur.