Goldene Bild der Frau

Wie sich Esther Ridder für die Aidswaisen einsetzt

Für ihren Einsatz für Kinder in Sambia wird Esther Ridder mit der „Goldenen Bild der Frau“ ausgezeichnet.

„Raise a Smile“ heißt der von Esther Ridder gegründete Verein

„Raise a Smile“ heißt der von Esther Ridder gegründete Verein

Foto: BILD der FRAU / Ulrike Schacht / x

Sie hätte in Sambia einfach nur Urlaub machen können. Sich den Kafue-Nationalpark mit seinen Antilopen und Flusspferden ansehen können oder die Victoria-Wasserfälle. Doch das genügte Esther Ridder nicht. Sie wollte sehen, wie die Menschen in dem Land im südlichen Afrika leben.

2006 war Esther Ridder zum ersten Mal in Sambia, sie besuchte eine Freundin, die bei einem Hilfsprojekt mitmachte. Zwei Jahre später reiste sie mit ihrem Freund noch einmal hin. Zurück in Berlin, beschlossen sie, den Menschen in Sambia zu helfen. Und dafür nicht nur zu spenden – sondern sich selbst zu engagieren.

Für ihren Einsatz wird sie jetzt mit der „Goldenen Bild der Frau“ ausgezeichnet. Den Preis verleiht die Zeitschrift „Bild der Frau“, die wie die Berliner Morgenpost zur Funke Mediengruppe gehört, an Frauen, die sich mit ihrem Projekt oder Verein um andere Menschen kümmern. Bei der von Kai Pflaume moderierten Verleihung werden am Donnerstag, 13. Oktober, im Hamburger Stage Theater neben der Berlinerin Esther Ridder vier weitere Frauen geehrt. Unter www.goldenebildderfrau.de können Leser abstimmen, welche von ihnen den Leserpreis und damit zusätzlich 30.000 Euro für ihr Projekt bekommt.

„Es gibt so viele Kinder, die gern lernen wollen“

Jede der fünf Preisträgerinnen bekommt 10.000 Euro. Geld, mit dem Esther Ridder in Sambia viel erreichen kann: mehr Schulplätze für Kinder, neues Unterrichtsmaterial, besser ausgestattete Schulen. Das Thema Bildung haben Esther Ridder und ihr Freund Gray in den Mittelpunkt gestellt, als sie 2009 begannen, sich für die Menschen in Sambia einzusetzen: Sie wollten etwas gegen das Ungleichgewicht tun, erzählt die heute 35-Jährige: „Es gibt hier so viele Kinder, die gern lernen wollen, aber die Möglichkeit dazu nicht haben.“ „Hier“, sagt sie. Denn seit 2013 leben die beiden in Sambia.

Ihr Verein heißt „Raise a Smile“ (Lass ein Lächeln entstehen). Zum Beispiel bei den 30 Kindern und Jugend­lichen, deren Schulgebühren der Verein bezahlt. Grundschulen seien zumindest offiziell umsonst, die tatsächlichen Gebühren niedrig, erklärt die Vereinsgründerin. Sekundarschulen aber kosteten etwa 300 Euro pro Jahr: „Deshalb fallen mehr als 90 Prozent der Schüler nach der Grundschule raus.“

Die weiterführenden Schulen lägen oft weit entfernt vom Heimatort, die Kinder müssten ein Internat besuchen. Der Verein übernimmt die Kosten. Und gibt den geförderten Kindern damit eine Zukunft: Die ersten drei haben die Schule inzwischen abgeschlossen. Ein Studium kann Esther Ridders kleiner Verein ihnen nicht finanzieren: „Aber auch für eine Ausbildung braucht man den Schulabschluss.“

Jedes fünfte Kind unter 15 Jahren ist Vollwaise

Sambia gehört zu den Ländern mit den höchsten Aidsrate. Fast jedes fünfte Kind unter 15 Jahren ist Vollwaise. Für sie ist es ohne Hilfe meist unmöglich, den Schulbesuch zu bezahlen. Aber Esther und Gray wollten es nicht beim Schulgebühren-Projekt belassen: Mit ihrem Alphabetisierungsprogramm unterstützen sie Lehrer in ländlichen Schulen, helfen ihnen beispielsweise dabei, Unterrichtsmaterial selbst herzustellen: „Es ist toll, was man mit etwas Tonpapier, einem Edding und Klebeband machen kann“, sagt Esther Ridder.

Um dort zu sein, wo ihre Hilfe am dringendsten benötigt wird, sind Gray und sie in Sambia aufs Land gezogen. „Der Strom fällt häufig aus, warmes Wasser haben wir gar nicht“, erzählt Esther Ridder. Und wenn das Auto kaputt- geht, müssten sie es selbst reparieren.

Ihr Psychologie- und sein Bauingenieurstudium helfen dann nur begrenzt. Die beiden haben gelernt zu improvisieren, „wir haben einen langen Atem“. In ihrem alten Leben in Deutschland war Esther Ridder Leistungssportlerin, sie gehörte zur Judo-Nationalmannschaft. Beim Sport habe sie gelernt, sich durchzubeißen.

Vor allem aber hätten sie „noch so viele Ideen“. Weil sie ein kleines Team und selbst im Land seien, wüssten sie genau, was wo fehlt: „Die Schulen brauchen zum Beispiel dringend richtige Toiletten“, sagt sie. Der Preis bedeutet deshalb vor allem Hoffnung: weil sie mit dem Preisgeld so vielen Kindern helfen können. Und vielleicht noch mehr Spender für ihre Projekte gewinnen.

Mehr Informationen und Spendenkonto unter www.raise-a-smile.org

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