Musik

Anprobe mit den Michaels

Nadja Michael tritt am Sonntag beim „Classic Open Air“ auf. Dafür hat Michael Michalsky ihr Kleid entworfen

Nadja Michael wird auf der Freitreppe des  Konzerthauses am Gendarmenmarkt auftreten – in einem zitronensorbetfarbenen Seidenkleid bon Michael Michalsky.

Nadja Michael wird auf der Freitreppe des Konzerthauses am Gendarmenmarkt auftreten – in einem zitronensorbetfarbenen Seidenkleid bon Michael Michalsky.

Foto: Getty Images / Getty Images Entertainment/Getty Images

Nadja Michael dreht sich im Kreis und lacht. Das zitronensorbetfarbene Seidenkleid tanzt um sie herum. „Perfekt“, sagt sie. Ihre Augen leuchten, sie lacht in Richtung Michael Michalsky. Der Designer steht mit ihr und zwei Näherinnen im Showroom am Potsdamer Platz und inspiziert Michael im luftigen Couture-Kleid. Es gibt noch ein Problem mit dem Reißverschluss, ansonsten ist er zufrieden.

Am Sonntag wird die international erfolgreiche Opernsängerin Michael beim „Classic Open Air“ auf der Freitreppe des Konzerthauses auftreten. Ein Heimspiel für die Wahlberlinerin. Zu diesem besonderen Anlass, es ist ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr, möchte Nadja Michael nichts dem Zufall überlassen.

Das Kleid kostet 8000 Euro, drei Monate dauerte die Anfertigung

Michael Michalsky hat ihr für den Auftritt eine Robe aus italienischer Seide designt. Lage um Lage von Näherinnen in Berlin von Hand gefertigt, genauso wie die weißen Blüten an der Korsage. Drei Monate dauerte die Anfertigung, drei Anproben sind für das 8000 Euro teure Kleid normalerweise nötig. „Aber nicht bei Nadja“, sagt Michael Michalsky. „Sie hat eine Modellfigur.“ Da habe man nicht viel ändern müssen, so der Designer.

Ansonsten können sich Kleider für eine Opernsängern schwierig gestalten. „Ich hasse jeglichen Druck auf dem Bauchnabel“, sagt die 47-Jährige. Also müsste das hautenge Korsagekleid doch eigentlich ein Alptraum aus Seide für sie sein? Sie schüttelt den Kopf. „Michael ist eben ein Genie“, sagt sie lachend. Wie er es technisch geschafft hat, dass sich ihr Brustkorb in dem engen Mieder doch noch ausreichend bewegen kann, interessiert sie nicht. Nur das Resultat zähle. Und sie fühle sich wohl in dem Kleid. Außerdem ähnelt die ehemalige Leistungsschwimmerin aus Leipzig mit ihren kurzen platinblonden Haaren und den breiten Schultern in dem blassgelben Traum Fürstin Charlène von Monaco.

Für ein Open-Air-Konzert braucht es einen echten Hingucker

Einen echten Hingucker wolle und müsse sie auch bieten, sagt Michael. „Bei einem Open Air sehen einen die Tausend Zuschauer kaum“, sagt sie. Da brauche es Farben und Stoffe, die sich bewegen, damit man gesehen werde. Deshalb trägt der Profi, der erst im Juni mit Anna Netrebko in St. Petersburg den „Lohengrin“ gesungen hat, gern Entwürfe des Berliner Haute-Couture-Schneiders Michalsky. „Ich habe ein rotes Kleid von ihm. Sehr dramatisch, sehr bühnenwirksam“, sagt Nadja Michael.

Nach der Anprobe steht sie im Showroom vor einem schwarzen Jump­suit mit Schleppe und Blütenstickerein. „Soll ich dir den reservieren?“, fragt Michalsky. Nadja Michael nickt, genauso wie beim Blazer mit Lederärmeln und Schößchen. „Ich liebe Mode“, sagt sie. Viel zum Einkaufen komme sie nicht, dazu „hetze ich seit 18 Jahren zu sehr um die Welt“, so Michael. Michael Michalsky verfolgt sie schon seit seinen Anfängen, 2010 trat die Sängerin bei seiner „StyleNite“ im Tempodrom auf. „Ich habe großen Respekt und Bewunderung für ihn“, sagt Nadja Michael.

„Sie würde auch in Jogginghosen gut aussehen“

Für ihren Auftritt am Sonntag hat sie sich zudem exzentrische „Wedges“ mit Spitzen, Schnürungen und mit zehn Zentimeter hohem Absatz ausgesucht. „Ich brauche keine Bodenhaftung“, erklärt sie – und lacht. Michael Michalsky grinst. Er kennt den extrovertierten Geschmack seiner Kundin genau. „Sie ist kein graues Mäuschen, sie kann das tragen“, sagt der Juror von „Germany’s Next Topmodel“. „Sie würde auch in einer Jogginghose gut aussehen.“

Was er an ihr besonders schätze? „Sie ist eine ungewöhnliche Frau“, sagt Michael Michalsky. „Warmherzig, inspirierend und ein Familienmensch.“ Außerdem sei Nadja Michael auch sehr erfolgreich in ihrem Beruf – und noch mehr unterwegs als er selbst.

Sie bewegt sich zwischen Moskau, New York, San Francisco – und Berlin-Westend

Neben Sankt Petersburg kommt Nadja Michael gerade von Auftritten aus Moskau und New York. Und nach dem „Classic Open Air“ soll es weiter nach San Francisco gehen. Sie singt in den größten Opernhäusern der Welt – inzwischen auch Stücke von Richard Wagner bis Richard Strauss. Und in Berlin? Lebt sie als Mutter von zwei Töchtern in Westend.

Auf das „Classic Open Air“ freut sich Nadja Michael noch aus einem weiteren Grund. „Ich kann mit der U-Bahn zu den Proben fahren“, erklärt sie und lacht. Außerdem singe sie an dem Abend „Gershwin, Bernstein & Friends“. „Das ist wie Luftholen zwischen den ganzen tragischen Heldinnen“, sagt Nadja Michael, „da sterbe ich entweder oder töte sogar selbst.“

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