„Die Diplomatin“

Was Natalia Wörner von Frank-Walter Steinmeier lernte

Für die ARD spielt Natalia Wörner eine Krisen-Spezialistin. Am Montag war Premiere in Berlin - ohne Heiko Maas.

Natalia Wörner / Schauspielerin

Natalia Wörner / Schauspielerin

Foto: Reto Klar

Natalia Wörner trägt Perücke. Zumindest im Film. Am Montagabend feierte die Schauspielerin in der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden mit zahlreichen Gästen die Premiere von „Die Diplomatin – Das Botschafts­attentat“, in der sie die Hauptrolle spielt. Er läuft am Sonnabend, 30. April (20.15 Uhr) in der ARD. Der zweite Teil, „Die Diplomatin – Entführung in Manila“ wird zur gleichen Sendezeit am 7. Mai ausgestrahlt.

Zur Premiere am Montag kamen als Gäste auch die Schauspielerinnen Mina Tander, Ursula Karven und Sonja Gerhardt sowie ihr Kollege Hans-Jochen Wagner, der an der Seite von Natalia Wörner in dem Film mitspielt. Auch Produzent Nico Hoffmann besuchte die Veranstaltung. Bundesjustizminister Heiko Maas war nicht dabei. Die Beziehung zwischen Natalia Wörner und ihm war vergangene Woche öffentlich geworden. Fragen dazu wollte Wörner am Montag nicht mehr beantworten. Dazu sei alles gesagt, ließ sie vorab durch ihr Management mitteilen.

Obwohl der Film unter anderem in Südspanien gedreht wurde und die künstliche Haarpracht bei Wärme für viele sicher nicht angenehm wäre, fand Natalia Wörner die Perücke überhaupt nicht schlimm. „Im Gegenteil, lange Haare können bei Hitze viel unangenehmer sein“, sagte die 48-Jährige. „Die kurzen Haare fand ich sehr passend für die Rolle. Es wirkt alltagstauglicher. Die Diplomatin Karla Lorenz hat einfach nicht die Zeit, sich großartig um ihre Haare zu kümmern.“

Die Filme sind der Beginn einer Reihe, deren Folgen einmal im Jahr gesendet werden sollen. Für die Recherche traf sich die Schauspielerin mit echten Diplomatinnen und ließ sich von ihnen aus ihrem Berufsleben erzählen. Außerdem fuhr sie für fünf Tage mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier als Teil seiner Kulturdelegation nach Korea und Indonesien. Das Auswärtige Amt hatte sie eingeladen, als es von den geplanten Dreharbeiten erfuhr. Wörner bekam auf der Reise viele Einblicke in die diplomatische Arbeit. „Es war beeindruckend zu erleben, wie Verhandlungen auf diplomatischer Ebene verlaufen und was alles an kleinen Schritten unternommen wird, um nachher Großes zu bewirken.“

Ihre Figur Karla Lorenz ist im Dienste des Auswärtigen Amtes unterwegs, häufig für Krisenintervention. Als die deutsche Botschaft in Tunis von schwerbewaffneten Terroristen angegriffen wird, muss sie eine gefährliche Bewährungsprobe bestehen. Nicht nur ihr Assistent (Jannik Schümann) befindet sich in großer Gefahr. Die Lage spitzt sich zu, die Angreifer drohen, den Botschafter (Hans-Jochen Wagner) zu töten. Lorenz versucht auch auf unkonventionelle Weise und auf eigene Faust eine Lösung zu finden.

Eine Rolle, die Natalia Wörner sehr gereizt hat. „Es war spannend, eine Figur zu erzählen und zu zeichnen, die über lange Strecken eine große Belastbarkeit hat“, sagte Natalia Wörner. „Sie ist eine Top-Analytikerin, eine Troubleshooterin, ist öfter auf sich alleine gestellt und gerät immer wieder in Situationen, in denen sie alleine entscheiden muss.“ Das mache sie dann nach ihren eigenen, tiefen, moralischen Kriterien. „Und die sind oft nicht kompatibel mit dem Rest der Leute um sie herum.“ Dass gerade solche Dinge eine Geschichte spannend machen, ist der Schauspielerin klar. Hans-Jochen Wagner ist sich vor allem der Aktualität des Themas bewusst. „Wir haben einige Szenen in Tempelhof gedreht“, sagte er. „In unserer Nähe war ja ein Flüchtlingslager – mit Menschen, von denen manche auch Terror erlebt haben. Wenn dann unsere Kollegen als Terroristen verkleidet zum Catering gingen, habe ich gehofft, dass die Flüchtlinge sie nicht sehen.“

Auch ihre Biografie fließt am Rande in die Geschichte mit ein. Karla Lorenz hat einmal einen Botschafterposten verloren. „Sie hat einer Frau und deren Kindern im Ausland auf eigene Faust geholfen, wohl wissend, dass es Ärger geben würde. Das finde ich einen schönen Einstieg für die Einführung einer Reihenfigur, da man merkt, dass es ihr nicht um sich selbst geht, sondern um die Sache – ein Hauptmotor für die Figur.“

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