Synchronsprecher

Wie Ilja Richter von „Hakuna Matata“ verfolgt wird

Ilja Richter synchronisiert seit 20 Jahren das Erdmännchen Timon aus „Der König der Löwen“. Das führt zu amüsanten Situationen.

Schauspieler Ilia Richter spricht das Erdmännchen Timon

Schauspieler Ilia Richter spricht das Erdmännchen Timon

Foto: Reto Klar

1994 erschien Disneys Zeichentrickfilm „Der König der Löwen“. Viele heute Erwachsene erinnern sich noch immer lebhaft an das Lied „Hakuna Matata“ – und an die Stimme von Ilja Richter. Der sprach auch in allen Fortsetzungen und Ablegern das Erdmännchen Timon. Mit der Serie „Die Garde der Löwen“ (Pilotfilm am 25. März um 12 Uhr bei Disney Junior) wird die Geschichte nun weitererzählt. Ein Gespräch mit dem 63-jährigen Berliner über den Wiedererkennungswert seiner Stimme und seine Popularität bei Kindern.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie die Rolle als Timon ursprünglich bekommen?

Ilja Richter: 1993 gab es auf dem Gelände des Synchronstudios in Friedenau, in dem ich heute wieder Timon spreche, ein großes Casting von Disney. Ich wurde vorgeschlagen und nahm teil, sprach ein paar Takes und sang „Hakuna Matata“. Ich habe das wirklich total gern gemacht. Und in der Regiebox lachten alle und freuten sich. Auch der Chef des Disneyweltvertriebes, Blake Todd, hörte zu. Er stand auf und sagte auf Englisch: „Sie haben den Job.“ Ich stieg an diesem sonnigen Tag in einen Bus Richtung Kudamm – selbst fahre ich nicht Auto – und erzählte meiner Mutter von einem der ersten Handys aus, was mir passiert war.

Macht es denn bis heute Spaß?

Ich spreche die Figur immer wieder mit großem Vergnügen. Und ich treffe auch nette Kollegen wieder, wie kürzlich zum Beispiel Thomas Fritsch, der Scar spricht, den Onkel des Löwen Simba. Die Rolle des Timon mag ich natürlich gerne, vor allem, weil sie nun schon Generationen von Zuschauern begleitet. Menschen, die heute in ihren 30ern sind, haben den ersten „König der Löwen“-Film als Kind gesehen. In gewisser Weise begleitet mich Timon also schon seit 1994. Auch wenn ich viele andere Aufgaben übernehme – immer wieder biegt diese Figur um die Ecke. Es gab drei Spielfilme, dann folgten ungefähr 50 TV-Episoden „Timon und Pumbaa“. Es gab diverse Computerspiele und außerdem kleine pädagogische Filmchen, in denen Kindern bestimmte Verhaltensregeln mithilfe der „König der Löwen“-Figuren nähergebracht wurden. Zwischenzeitlich gab es auch eine Eisrevue, wo Timons Stimme natürlich gebraucht wurde.

Wie spricht denn ein Erdmännchen?

Wie ein Erdmännchen spricht, weiß wohl nur einer zu beantworten, und das ist Walt Disney – und der kann ja nichts mehr sagen. Ich denke, durch die Medien haben Kinder heute eine genaue Vorstellung davon, wie Tiere sprechen, und es soll vorkommen, dass sie in den Zoo gehen und das dann auch erwarten. Das ist wie eine Verschiebung der Wahrnehmung.

Wie oft haben Sie in den vergangenen 20 Jahren „Hakuna Matata“ gesungen?

Mit Filmen und Serie bestimmt ein paar Tausend Mal. Als Spruch hat sich das bei vielen Menschen aus den zwei Generationen, die „König der Löwen“ kennen, eingebürgert. Manchmal erkennen Kinder meine Stimme. Oder zum Beispiel im Supermarkt eine Verkäuferin, die fragte: „Ihre Stimme kenne ich doch?“ Oder bei der Arbeit. Einmal spielte ich in einer Krimifolge fürs Fernsehen einen Zirkusdirektor unter Mordverdacht. Beim Dreh sollte ich im Zirkuszelt eine Ansage vor Kindern machen. Doch die engagierten Kinder, etwa sechs oder sieben Jahre alt, erkannten meine Stimme, wurden ganz aufgeregt, riefen „Hakuna Matata“, und der Regisseur musste abbrechen. Sie konnten nicht fassen, dass Timons Stimme zu ihnen sprach, und wollten nicht weitermachen, bevor ich nicht „Hakuna Matata“ gesungen hatte, was ich natürlich tat.

Werden Sie gerne an der Stimme erkannt?

Ich nenne es meine unsichtbare Karriere. Es ist eine ganz besonders schöne Form von Prominenz, die aber irgendwie gar nichts mit meinem eigenen Namen zu tun hat. Es hat eher etwas mit dem kindlichen Vergnügen zu tun, einmal unsichtbar zu sein, und überhaupt nichts mit meinem normalen Berufsleben. Da spiele ich auf Theaterbühnen oder hier und da mal in einem Film. Aber in den Kinderzimmern bin ich als eine vertraute Stimme schon lange zu Gast – singend oder sprechend.

Gucken Sie sich Ihre synchronisierten Filme selber an?

Nein, prinzipiell nicht. Es gibt Schauspieler, die in der Vergangenheit leben, weil sie den Zug in die Gegenwart verpasst haben. Da mag das vorkommen. Aber als mein Sohn Kolja, der mittlerweile 14 Jahre alt ist, vier oder fünf war, habe ich tatsächlich mit ihm „König der Löwen“ angeguckt. Das hat mir natürlich Spaß gemacht. Ich hab’ ihm erzählt, dass Timon meine Stimme hat.

Wie sind Sie damit umgegangen, dass er Sie in der Öffentlichkeit wahrnimmt?

Als Koljas Mutter und ich zusammen waren, und auch danach, habe ich versucht, alles, was mit mir zu tun hat, nicht zum Thema zu machen. Meine frühere Showkarriere, unter anderem bei „Disco“, hat er erst wahrgenommen, als ich für Sony die DVD-Box „40 Jahre ‚Disco‘“ zusammengestellt habe. Da war er ungefähr acht und hat ein bisschen mitgeguckt. Als er vier war, ging er einmal mit seiner Mutter in ein Münchener Kaufhaus und sah und hörte auf einem Bildschirm das einäugige, grüne Monster Glotzkowski aus der „Monster AG“, das ich auch gesprochen habe. Drumherum standen Leute, die ebenfalls zuschauten. Er zeigte auf Glotzkowski und sagte: „Guck mal, Mama, da ist Papa.“ Sie können sich vorstellen, wie irritiert die Menschen drumherum geguckt haben. So ist es mir erzählt worden.

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