Ausstellung in Berlin

Warum Fotograf Russell James sogar die Engel vertrauen

Russell James ist Hausfotograf bei Victoria’s Secret. Ein Gespräch über seine „Angels“-Ausstellung bei „Camera Work“ in Berlin, komplizierte Models und schöne Frauen, die nicht als Model arbeiten.

Foto: Camera Work

Er hatte schon Topmodels wie Gisele Bündchen, Naomi Campbell, Alessandra Ambrosio und Heidi Klum vor der Kamera. In der vergangenen Woche hat Fotograf Russell James gemeinsam mit Victoria’s Secret-Model Sara Sampaio in Berlin die Ausstellung „Angels“ eröffnet. Die Galerie „Camera Work“ an der Kantstraße zeigt noch bis Anfang Juni eine Auswahl der schönsten Akt- und Porträtaufnahmen der attraktivsten Models, mit denen der australische Fotograf seit dem Jahr 2000 zusammengearbeitet hat. Ein Gespräch über die Annehmlichkeiten seines Jobs, das perfekte Aktfoto und herausfordernde Models.

Berliner Morgenpost: Hassen Männer Sie für Ihren Job?

Russell James: Vielleicht tun sie das, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich glaube, viele Männer denken, dass es sehr viel leichter ist, als es aussieht. Natürlich ist es ein sehr schöner Job, aber es ist auch harte Arbeit. Ich habe sehr viele gute männliche Freunde, aber vielleicht hassen sie mich hinter meinem Rücken.

Und wie kommen die Frauen in Ihrem Leben damit zurecht?

Für meine jetzige Freundin war das niemals ein Problem, weil ich den Job schon immer hatte. Und sie kennt das Business. Meine Kinder halten mir oft Vorträge darüber, was angemessen ist, wenn andere Kinder zu Besuch kommen. Dann sagen sie: „Dad, darüber kannst du nicht sprechen und das darfst du nicht zeigen.“

Waren Sie schon häufig in Berlin?

Ich war schon in den 80er-Jahren sehr oft in Berlin, als die Mauer noch stand. Als die Mauer fiel, war ich gerade in Hamburg. Für Ausstellungen war ich schon drei Mal in Berlin. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für mich sind das Brandenburger Tor, weil es das Wahrzeichen Berlins ist, der Reichstag, weil ich das Gebäude so beeindruckend finde und das Holocaust Mahnmal. Dort war ich einmal nachts um eins und das war keine gute Idee. Meine Freundin Donna Karan sagte zu mir, Honey, lass uns einen Spaziergang machen. Und dort sind wir gelandet. Das war sehr verwirrend in der Dunkelheit.

Schauspieler sagen oft, freizügige Szenen vor der Kamera zu spielen sei überhaupt nicht sexy. Ist das bei Aktaufnahmen genau so?

Am Filmset sind oft sehr viele Leute und es ist sehr viel technisches Equipment aufgebaut. Ich versuche das bei meinen Shootings so viel wie möglich zu reduzieren. So kann man sich besser konzentrieren. Viele Leute denken, ich würde dann rumschreien: Yeah Baby, sei sexy. Aber tatsächlich unterhalten wir uns einfach. Und dann versuche ich, hinter der Kamera zu verschwinden und einfach meine Klappe zu halten. Solche Shootings haben viel mit Vertrauen zu tun.

Warum glauben Sie, fühlen sich so viele attraktive Frauen wohl damit, sich gerade von Ihnen unbekleidet fotografieren zu lassen?

Weil ich unangenehme Dinge aus ihrer Vergangenheit raus krame und sie dann damit erpresse. (Er lacht.) Aber ganz im Ernst: Ich fotografiere ja nicht nur schöne Frauen, sondern auch Landschaften, indigene Völker und Staatsoberhäupter. Auch bei der „Angels“-Sammlung habe ich mir nicht vorgenommen, ich mache jetzt eine Reihe mit Aktfotos von Models. Das hat sich einfach so ergeben. Der Akt hat eine sehr lange Tradition – seitdem Menschen angefangen haben zu zeichnen. Aber es ist auch eine der größten Herausforderungen, weil man das Vertrauensverhältnis zu seinem Model nicht fingieren kann.

Sie hatten Supermodels wie Gisele Bündchen und Tyra Banks vor der Kamera. Mit wem lässt es sich gut arbeiten und wer ist eher eine Herausforderung?

Wenn ich das beantworten würde, bekäme ich sehr viel Ärger. Eine Herausforderung bedeutet für mich nicht, dass jemand gemein oder bösartig ist, sondern, dass ich es nicht geschafft habe, eine Verbindung zu dem Model aufzubauen. So versuche ich es zu sehen. Der Druck, der auf diesen Mädchen lastet, ist verrückt. Manchmal kommen sie zu mir und sind vollkommen fertig, weil sie gerade vom Laufsteg kommen und danach noch bis in die Nacht eine Werbekampagne geschossen haben. Ich treffe sie dann am nächsten Morgen und frage: „Wie geht’s dir?“ Und dann kommt schon mal: „Es geht mir furchtbar.“ Deshalb wäre es unfair zu sagen, dass jemand eine Herausforderung ist. Natürlich kann Naomi Campbell schwierig sein. Irgendetwas ist an solchen Gerüchten immer dran.

Warum träumen Mädchen weltweit davon, ein Victoria’s-Secret-Engel zu werden?

In den 80er-Jahren war die höchste Auszeichnung für ein Model der Titel „Supermodel“. Das war die Cindy-Linda-Naomi-Ära. Im Laufe der Zeit hat sich das verändert. Heute wollen Mädchen keine Supermodels mehr sein, sondern Victoria’s-Secret-Models.

Welche Frau fehlt Ihnen noch in ihrem Portfolio?

Ich finde, Jennifer Lawrence ist eine der schönsten Frauen unserer Zeit. Aber ich sehe jeden Tage Menschen, die ich gerne fotografieren würde.

Ist die schönste Frau, die Sie kennen, ein Model oder jemand aus Ihrem persönlichen Umfeld?

Glauben Sie es oder nicht, es gibt eine Frau Namens Olive Knight, eine Aborigine. Vor Jahren hat sie zusammen mit Hugh Jackman am Broadway gespielt. Und ich habe sie fotografiert. Ihr Gesicht haut mich um. Sie ist weder jung, noch ein Model, sie ist einfach fantastisch.

Haben Sie zuletzt noch einen Tipp für normale Frauen, die vielleicht ihren Mann mit Aktfotos überraschen wollen, aber sich ein Russell-James-Shooting nicht leisten können?

Heutzutage ist die Technik dafür eigentlich für jedermann verfügbar. Am besten, man schnappt sich die beste Freundin, der man vertraut. Das ist angenehmer für die Frau und ihren Mann, wenn er die Fotos sieht. Stichwort: „Oh, schönes Bild, aber wer hat das geschossen?“ Es gibt sehr einfache Tricks für schönes Licht. Und am wichtigsten: Seien Sie Sie selbst.