ZDF-Serie

Sascha Hehn und das Geheimnis des „Traumschiff“-Kapitäns

Seit einem Jahr steht der Schauspieler auf der Brücke des „Traumschiffs“ – und macht vieles anders als sein Vorgänger. Eine Modernisierung, die laut Hehn auch „Wetten, dass...?“ gut getan hätte.

Foto: ZDF/Dirk Bartling / ZDF / Dirk Bartling

Seine Karriere auf dem „Traumschiff“ begann Sascha Hehn 1981 als Chefsteward Victor Burger, bevor er Anfang diesen Jahres zum Kapitän befördert wurde. Traditionell am ersten Weihnachtsfeiertag und an Neujahr sticht er dieses Mal mit seiner Crew Richtung Mauritius und Kanada in See. Im Interview verrät der 60-Jährige, warum die ZDF-Reihe zeitlosen Charme besitzt und was sie damit vielen Formaten im deutschen Fernsehen voraus hat.

Berliner Morgenpost: Mit „Wetten, dass ..?“ ist kurz vor Weihnachten eines der großen Traditionsformate im deutschen Fernsehen zu Ende gegangen. Müssen wir uns um das „Traumschiff“ auch Sorgen machen?

Sascha Hehn: Bisher noch nicht. Wir haben das Schiff ja schon ein paar Mal gewechselt. Ich denke, wir würden auch wieder ein neues finden, wenn es sein muss. Natürlich kann ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht selbst so einen Kahn kaufen. Das wäre am einfachsten, um die nächsten zehn Jahre Ruhe zu haben.

Das Konzept der Sendung wird sich nicht irgendwann überlebt haben?

Nein, das ist unverwundbar, weil es immer wieder an die Zeit angepasst wurde. Und das kann man an jede Zeit anpassen. Was man mit vielen Shows auch könnte, aber das wurde versäumt. Aber dazu braucht man auch Leute, die die entsprechende Power haben. Ich denke, wenn ein begabter Mann wie Stefan Raab von den Öffentlich-Rechtlichen engagiert wird, um den Eurovision Song Contest zu modernisieren, dann ist das eigentlich eine Kapitulation. Die haben doch selber hoch bezahlte Redakteure dort sitzen, die das aber offensichtlich nicht können. Da stimmt doch etwas nicht. Wenn Sie jetzt „Wetten, dass?“ als Beispiel nehmen wollen, dann finde ich, dass der Moderator eine Hauptverantwortung trägt. Der Moderator muss bestimmen dürfen, in welche Richtung eine Show geht. Wenn das nicht gegeben ist, sollte man den Vertrag nicht unterschreiben. Dass sich die Sendung über so viele Jahre gehalten hat, zeigt ja, dass das Format nicht schlecht war. Aber man hätte es eben an die Zeit anpassen müssen.

Hatten Sie den Anspruch, etwas anders zu machen, als Sie Kapitän des „Traumschiffes“ geworden sind?

Natürlich nicht alles, aber gewisse Sachen doch. Ich bin nicht der alte, weise Kapitän, der langsam über das Deck schreitet und ab und zu einbezogen wird. Mein Kapitän ist intensiv und immer dabei. Der langt auch mal hin, wenn’s sein muss. Der darf auch den Schalk im Nacken haben, der muss nicht der Saubermann vom Dienst sein. Das habe ich vorher mit den Autoren so besprochen.

Wie war denn Ihr erstes Jahr als „Traumschiff“-Kapitän, haben Sie sich gut eingelebt?

Bisher war es alles positiv. Wenn ich die neue Folge „Mauritius“ sehe, dann sind wir zwar immer noch nicht „Stirb langsam“. Trotzdem gibt es eine Piratengeschichte, die ich sehr interessant finde. Und das, obwohl wir nicht mal eine Wasserpistole haben. Also ich bin stolz. Ich finde auch, die Folge ist sehr schön fotografiert. Und das ist das, was die Leute sehen wollen. Einmal kein Mord und Totschlag, sondern ein bisschen Ablenkung und beruhigt ins Bett gehen und mit einem Lächeln auf dem Gesicht einschlafen.

Das ist das Geheimnis des „Traumschiffs“?

Ich finde, gerade Weihnachten und Silvester sind doch Zeiten, in denen Gefühle und Besinnlichkeit eine ganz große Rolle spielen. Deshalb haben wir immer einen gutes Ausgang. Das ist wichtig.

Was ist denn für Sie an Weihnachten unverzichtbar?

Früher als Kinder hatten wir immer einen Weihnachtsbaum für die Bescherung. Heute geht es mir wirklich um die Besinnung. Mit einem kleinen Essen. Wenn wir Fisch essen wollen, dann fang ich vorher einen. Dann sitzt man zusammen und macht eine Kerze an. Das reicht vollkommen.

Und was sind Sie selber für ein Fernseh-Typ? Lieber „Tatort“ und Krimi oder lieber Rosamunde Pilcher und heile Welt?

Ich habe in meinem Leben so viele schlechte „Tatorte“ gesehen, dass sich meine Begeisterung da in Grenzen hält. Ganz selten gibt es herausragende „Tatorte“ – die Rückkehr zu dem, was man früher Fernsehspiel nannte.

Kritikern meckern oft in Hinblick auf US-Serien, in Deutschland würde überhaupt kein gutes Fernsehen gemacht. Wie sehen Sie das?

Natürlich frage ich mich oft, warum eigentlich jeder Schweden-Krimi spannender als ein „Tatort“ ist. Vielleicht liegt das an der Landschaft. Oder einfach daran, dass die Drehbücher besser sind. Im Fernsehen braucht man erstens ein gutes Buch, zweitens ein gutes Buch und drittens ein wirklich gutes Buch. Das muss man dann auch noch umsetzen können. Das ist alles nicht so einfach. Und wir erwarten immer von allem das Optimale. Aber das geht eben nicht immer.

Dann liegt es also auch an der deutschen Mecker-Mentalität?

So ist es. Über Satellit gibt es heute über 3000 Fernsehprogramme. Wie soll man das befriedigend füllen?

Sie waren auch schon als Arzt in der „Schwarzwaldklinik“ und als „Frauenarzt Dr. Markus Merthin“ im Fernsehen zu bewundern. Liegen Ihnen Rollen, die ein gewisses Vertrauen ausstrahlen?

Wenn Sie jemandem in Weiß begegnen, haben Sie ganz natürlich Ehrfurcht. Ob das nun ein Kittel ist oder jemand drei Sterne auf der Schulter hat. Die Rolle des Schauspielers ist es, die Figur mit seiner Gestaltung auch glaubwürdig zu machen.

Haben Sie privat schon mal eine Kreuzfahrt gemacht?

Ich war in diesem Jahr einmal auf der Aida und wir sind nach Mallorca rausgefahren. Das hat mir sehr gut gefallen, weil es sehr entspannt war. Ich habe dort auch den Kapitän kennengelernt und er hat mir gezeigt, wie das Schiff fast komplett automatisch gesteuert wird, ohne dass er einen einzigen Hebel bewegen muss.

Was war der schönste Ort, den Sie jemals mit dem „Traumschiff“ besucht haben?

Ach, da gab es so viele schöne Orte. Wir waren früher so verwöhnt, dass, wenn es keinen Wasserfall gab, wir erst gar nicht an Land gegangen sind. Das ist typisch Mensch. Man ist irgendwann einfach gesättigt. Das kommt ganz automatisch.