„Borchardt“

Wo Jack Nicholson und Barack Obama in Berlin speisen

| Lesedauer: 4 Minuten
Laura Fölmer

Foto: jka bsc / picture alliance / dpa

Vor 20 Jahren eröffnete Roland Mary das Promi-Restaurant „Borchardt“ an der Französischen Straße. Mit seinem Buch erlaubt er nun einen seltenen Blick hinter die Kulissen.

Manchmal sei es der Himmel, dann auch wieder die Hölle auf Erden – ein Ort, an dem hinter den Kulissen ein Guerilla-Krieg tobt, ein Spiegel der Gesellschaft.

Roland Mary findet viele Worte, um sein Restaurant zu beschreiben. Das Restaurant, das in Deutschland gerne als der Promi-Hotspot schlechthin angesehen und von Tom Cruise liebevoll „The Schnitzel-Place“ genannt wird.

Egal, ob Hollywood-Stars oder deutsche TV-Sternchen, nationale und internationale Politiker, wichtige Geschäftsleute oder Künstler: Sie alle kämpfen regelmäßig um einen der rund 170 begehrten Plätze in dem Laden an der Französischen Straße in Berlin-Mitte, in dem helle Marmorsäulen, mit rotem Samt bezogene Sitzbänke, schneeweiße, gestärkte Tischdecken und gedämpftes Licht eine Atmosphäre bereiten, die Stammgäste dazu verleitet, das „Borchardt“ als ihr „Wohnzimmer“ zu betiteln – besonders weil bei Roland Mary sehr viel Wert auf Diskretion gelegt wird.

Mit seinem Buch „Gefahrenzone – Geschichten aus dem Bauch eines Restaurants“ lüftet er nun jedoch gemeinsam mit dem Journalisten Rainer Schmidt ein wenig den Schleier der Diskretion und lässt einen Blick hinter die Fassade des „Borchardt“ zu.

Hinter der Fassade tobt ein Guerilla-Krieg

Der gebürtige Saarländer blickt zurück auf eine schon 20-jährige Erfolgsgeschichte des Restaurants nahe des Gendarmenmarkts. „In der Gastronomie zu arbeiten, das ist nichts für normale Menschen“, gibt der Betreiber zu. „Denn egal, wie edel die Kulisse auch sein mag, keine weiße Tischdecke und kein gestärktes Kellnerhemd kann darüber hinwegtäuschen: Hinter der Fassade eines jeden Restaurants tobt ein kleiner Guerilla-Krieg“, heißt es im ersten Kapitel. Jeder gegen jeden.

All das bekommen die Gäste – regelmäßige Besucher sind beispielsweise internationale Schauspieler wie Cate Blanchet und Robert Redford, sowie deutsche Prominenz wie Thomas Gottschalk, Iris Berben, Vicky Leandros und Jenny Elvers – nur selten mit.

Ausführlich schreibt Mary über den Besuch des heutigen US-Präsident Barack Obama, der mit seiner großen Entourage an Security-Agenten und Begleitpersonal das komplette „Borchardt“-Konzept kurzzeitig über den Haufen warf – und ein Steak „medium rare“ bestellte.

Hollywood-Legende Jack Nicholson, der an fünf Tagen in Folge gekommen war, fühlte sich so wohl, dass er an seinem letzten Abend nach einem Gang zur Toilette durch den Gastraum tänzelte, „so beschwingt, so mitreißend, dass ihm innerhalb kürzester Zeit alle zuschauten und einige sogar begeistert ,Bravo’ riefen“, berichten die beiden Autoren Mary und Schmidt.

Mario Barth in Shorts wurde abgewiesen

Auch Tom Cruise sei während der Dreharbeiten zu „Walküre“ regelmäßig im „Borchardt“ gewesen. Comedian Mario Barth ist einmal aus versehen, so beichtet der Autor, von einem übereifrigen Barkeeper wegen eines Freizeitoutfits inklusive kurzer Hose an der Tür abgewiesen worden. Und auch die Macken einiger Prominenter lassen die Verfasser des Buches nicht ganz unerwähnt: Obwohl man im „Borchardt“ ganz bewusst auf Kerzen verzichtet, wollte ein „bekannter Münchner Regisseur“ eine Zeit lang „ernsthaft durchsetzen, dass jedes Mal, wenn er kommt, eine Kerze auf dem Tisch brennt“, amüsiert sich Mary im Buch.

Der Wunsch wurde von der Restaurant-Leitung komplett verweigert, auch als der besagte Mann sich selbst eine Kerze mit ins Restaurant brachte. Die Folge: Eine Zeit lang sei der Regisseur nicht mehr zum Essen gekommen, irgendwann dann doch wieder. Die Kerze ist nun kein Thema mehr.

Mary ist stolz, Sonderwünsche seiner Gäste strikt abzulehnen, weil sie „in krasser Form dem demokratischen Modell, nach dem ein gutes Restaurant organisiert sein sollte“, widersprächen. Eine Ausnahme gab es: Der mittlerweile verstorbene Filmproduzent Bernd Eichinger habe immer den gleichen Tisch bekommen. Sonst lautet das Motto: Gast ist Gast, egal ob bekannt oder nicht.

Das Promi-Etikett, das „fest auf der Borchardt-Tür klebt“, sei dem 61-Jährigen deshalb gar nicht so lieb. Dies würde Gäste anziehen, „die wegen dieser Schublade erwarten, dass Prominente und sie selbst besonders behandelt werden“. Sein Fazit: „Diese Erwartungshaltung führt nach Eitelhausen und damit in die furchtbarste Langeweile. Solche Besucher braucht man nicht.“

Entdecken Sie Top-Adressen in Ihrer Umgebung: Restaurants in Berlin-Mitte

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos