Bildband vorgestellt

Helmut Berger erinnert sich in Berlin an bessere Zeiten

Nach seinem bizarren Auftritt bei Markus Lanz hat Helmut Berger in Berlin seinen Fotoband „Ein Leben in Bildern“ vorgestellt.

Foto: Oliver Lang / dapd

Er war einmal ganz oben. Galt als Ikone des europäischen Kinos und als schönster Mann der Welt. Jetzt Helmut Berger ernsthaft mit dem Gedanken, ins RTL-“Dschungelcamp“ einzuziehen und sorgte zudem am Mittwoch mit einem bizarren Auftritt in der Talkshow von Markus Lanz für negative Schlagzeilen.

Der 68-Jährige wirkte angetrunken und abwesend, nur ein Schatten seiner selbst. Am Donnerstag trat Helmut Berger im Hotel Regent an der Charlottenstraße vor die Presse. Er wollte seinen Bildband „Helmut Berger - Ein Leben in Bildern“ bewerben. Auch hier präsentierte er sich fahrig, trank auf der Bühne ein Bier, während er, kaum verständlich und mit viel Verzögerung, über bessere Zeiten referierte.

Als Berger mit einer Stunde Verspätung schließlich kommt, ist er gut gelaunt und entschuldigt sich zunächst für die Verspätung. „Das ist nicht meine Art“, nuschelt er leise.

„Visconti war alles“

Für den Anlass seiner Anwesenheit, den Fotoband, der sein Leben beginnend mit seiner Kindheit über die Zeit an der Seite des italienischen Regisseurs Luchino Visconti bis in die 1990er Jahre illustriert, scheint Berger zunächst wenig Interesse aufzubringen. Verleger Oliver Schwarzkopf hat Mühe, die Aufmerksamkeit des 68-Jährigen auf die an die Wand projizierten Bilder zu lenken, die den Schauspieler als das junge und schöne Sexsymbol zeigen, als das er einst galt.

„Das interessiert doch niemanden“ und „Es wird mir langweilig“, fällt er seinem Verleger wiederholt ins Wort. Schließlich erzählt er aber doch die Geschichten zu den Fotos, die er gemeinsam mit Schwarzkopf in viereinhalb Jahre währender Arbeit zu dem opulenten Band zusammengestellt hat. Er berichtet über seine Zeit mit Visconti dem er als junger Mann begegnete und mit dessen Film „Die Verdammten“ ihm Ende der 1960er Jahre der Durchbruch als Schauspieler gelang. „Visconti war mein Meister, Vaterersatz, er war alles. Alles, was ich heute darstelle, verdanke ich nur Visconti“, sagt der Österreicher über seinen einstigen Lebenspartner, der 1976 starb und nach dessen Tod Berger abstürzte und dem Alkohol verfiel.

Von Romy Schneider, mit der er 1972 unter Regie Viscontis „Ludwig II.“ drehte, schwärmt er, sie sei „wie meine Schwester“ gewesen. Über Elisabeth Taylor, 1973 seine Filmpartnerin in „Die Rivalin“ sagt er: „Wir waren Komplizen. Wir haben Richard Burton verarscht, was der nicht gemerkt hat.“

Es ist eine Art Schnelldurchlauf durch ein bewegtes Leben voller Höhen und Tiefen, dass Berger aus der österreichischen Provinz in die Welt des Kinos und schließlich des Jet Set führte. Seine Karriere als Filmstar währte nur kurz. Nach Viscontis Tod machte nur noch selten Schlagzeilen durch schauspielerische Leistungen, Berichte in der Regenbogenpresse über Abstürze und zahllose Affären mit Männern und Frauen dominierten.

Rückblick ohne Wehmut

Wehmut beim Anblick der Fotos, die ihn als die Schönheit zeigten, als die er einst berühmt wurde, empfindet er laut eigener Aussage nicht. „Ich bin weiser geworden. Suche Freunde vorsichtiger aus, verschwende meine Zeit nicht mehr für Dolce Vita.“

Auf den Wirbel, den er am Abend zuvor mit seinem Auftritt bei „Markus Lanz“ ausgelöst hatte, reagiert Berger gelassen. „Da war ich gut drauf“, sagt er. In der Sendung hatte er gegen Popsängerin Jasmin Wagner, besser bekannt als Blümchen, geätzt und sich unter anderem über ihren früheren Künstlernamen mokiert. „Ich liebte das Blümchen“, spöttelt Berger. Auf die Frage, weshalb er dem Komiker Jörg Knör in der Sendung bei einer Rangelei in den Schritt gelangt hatte, sagt er lediglich: „Das ist mein üblicher Griff.“ Er wolle nun einmal gerne wissen, was er in der Hand habe.

Heute müsse er von knapp 450 Euro Rente leben, „solche Filme wie Gérard Depardieu möchte ich trotzdem nicht drehen“.

Offen lässt der Schauspieler aber weiterhin die Frage, ob er im kommenden Januar ins RTL-„Dschungelcamp“ zieht. Bei „Markus Lanz“ hatte er dieses Gerücht durch einige Andeutungen noch angeheizt. „Das hängt vom Geld ab“, sagt Berger. Er scheint keineswegs abgeneigt zu sein, diesen Schritt zu tun, der einen weiteren Tiefpunkt seiner einst schillernden Karriere darstellen würde. „Dann werde ich Dschungelstar, statt Weltstar.“

(„Helmut Berger – Ein Leben in Bildern“, herausgegeben von Paola-Ludovika Coriando, erschienen am 1. November bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 200 Seiten, 628 Abbildungen, handsignierte erste Auflage, 99,00 Euro.)