Messe

Wie die IFA in Berlin unter Corona-Bedingungen abläuft

Die IFA in Berlin trotzt der Coronavirus-Pandemie. Doch sie findet in diesem Jahr nur im Kleinformat mit Fachpublikum statt.

Die IFA findet wegen der Corona-Pandemie nicht als Massenevent statt.

Die IFA findet wegen der Corona-Pandemie nicht als Massenevent statt.

Foto: Christoph Dernbach / dpa

Berlin. Die Berliner Technikmesse IFA ist am Donnerstag als verkleinerte "Special Edition" in einem streng begrenzten Rahmen gestartet. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Technik-Schau auf drei Tage verkürzt. An der IFA können nur akkreditierte Medienvertreter, Händler und Hersteller teilnehmen. Nach dem ausgeklügelten Hygienekonzept dürfen an den drei Messetagen ab Donnerstag maximal 750 Menschen zur gleichen Zeit in jeden der drei Veranstaltungsbereiche kommen. Große Ampeln signalisieren den Besuchern, ob sie eine Halle oder den Citycube betreten dürfen oder noch warten müssen.

Neben einer Bühne für Pressekonferenzen und Präsentationen gibt es zwei weitere Bereiche auf dem Messegelände unter dem Funkturm: Die Innovationsplattformen "IFA Next" und "IFA Shift Mobility" finden in einem Vortragsformat statt. Aussteller und Einkäufer treffen sich in diesem Jahr in einem separaten Bereich, um Geschäfte abzuwickeln.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet.

Messe-Stammgast Samsung zeigte seine Neuerungen allerdings nicht auf der IFA, sondern vorab in einem eigenen Digitalformat, das im Internet übertragen wurde. Zu den Produkten, die das Weihnachtsgeschäft ankurbeln sollen, gehört der neuartige TV-Projektor "The Premiere", der eine Videoübertragung in hoher 4K-Auflösung ermöglicht und mit einem Surround-Soundsystem ausgestattet ist. Samsung möchte mit seinen TV-Geräten die Kunden aber auch aus dem Wohnzimmer ins Freie locken. Auf dem Event "Life Unstoppable" wurde der Fernseher "The Terrace" vorgestellt, der eigens für den Einsatz im Garten oder auf der Terrasse entwickelt wurde.

Wie Samsung verzichten in diesem Jahr auch Firmen wie Sony, Philips, Lenovo, Amazon und Sennheiser auf einen IFA-Stand. Andere IFA-Stammgäste wie Miele, Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) oder Qualcomm verzichten auf einen Stand, veranstalten aber immerhin Pressekonferenzen. Insgesamt sind nur rund 100 Aussteller vor Ort.

IFA in Berlin: Branche kann ganz zufrieden sein

Eigentlich kann die Branche der Heim-Elektronik in diesem Jahr ganz zufrieden sein. Obwohl klassische Produkte der Unterhaltungselektronik wie Fernsehgeräte sich nicht besonders gut verkaufen, konnte die Branche insgesamt die Umsatz-Rückgänge der Vorjahre stoppen. Mit einem Umsatz-Plus im ersten Halbjahr von über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr wurde der Trend sogar umgekehrt, auch weil Laptops, Monitore und andere Geräte für das Homeoffice reißenden Absatz fanden.

In jedem anderen Jahr hätten Hersteller, Händler und technikbegeisterte Verbraucher die Innovationen der Branche auf der Technik-Messe IFA gefeiert. Doch 2020 ist nicht wie jedes andere Jahr. Wegen der Corona-Pandemie wurden rund um den Globus Technik-Messen wie der Mobile World Congress in Barcelona oder die Ceatec, die wichtigste Elektronikmesse Japans, abgesagt oder komplett ins Internet verlagert.

Die Vorsichtsmaßnahmen gegen eine Verbreitung des Coronavirus bestimmen nun auch den Teil der Messe Berlin, der für die IFA-Aktivitäten geöffnet wird.

IFA-Veranstalter wollen Flagge zeigen

Für die IFA-Veranstalter geht es unter den schwierigen Rahmenbedingungen vor allem darum, Flagge zu zeigen und auf eine Besserung der Verhältnisse im kommenden Jahr zu hoffen. Während die Veranstalter der großen Elektronikmesse CES in Las Vegas schon ihre Pläne begraben haben, im Januar 2021 hunderttausende Besucher in Las Vegas begrüßen zu können, bleibt den Berlinern nächstes Jahr mehr Zeit. Bis zum September 2021 könnte tatsächlich ein wirksamer Impfstoff gegen den Covid-19-Erreger vorhanden sein.

Aber selbst wenn die globalen gesundheitlichen Verhältnisse sich bis dahin wieder normalisiert haben und die Corona-Pandemie wirksam eingegrenzt werden konnte, bleiben für die Messemacher bange Fragen: Wollen sich Hersteller, Händler und Käufer von Unterhaltungselektronik tatsächlich auf einem riesigen Messeplatz wie der IFA von Angesicht zu Angesicht treffen? Oder reicht eine digitale Bühne aus, um Innovationen der Branche zu verkünden und Geschäfte einzufädeln? Oder ereilt die IFA das Schicksal der CeBIT, die zuletzt 2018 Computernerds und Geschäftsleute nach Hannover lockte und dann eingestellt wurde.

Michael Müller zeigt sich zuversichtlich

Zumindest der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), zeigt sich zuversichtlich, dass die IFA nicht das Schicksal der CeBIT ereilt: „Die IFA 2020 wird ein wichtiger Meilenstein sein, um Berlin aus dieser Pandemie zurück zur Normalität und zurück zum Wirtschaftswachstum zu bringen.“

Wie sich die veränderte IFA in der Bilanz der Berlin Messe niederschlagen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Im aktuellen Format ist sie immerhin kein Totalausfall, wie viele andere Messen in Deutschland. Die Corona-Zwangspause dürfte die deutsche Messebranche nach eigenen Schätzungen mindestens ein Viertel ihres Jahresumsatzes kosten. Mehr als eine Milliarde Euro des Umsatzes, der sonst inklusive des Auslandsgeschäfts bei vier Milliarden Euro liege, werde 2020 fehlen, sagte Harald Kötter, Sprecher des Verbandes der deutschen Messewirtschaft (AUMA).