Ifa 2010

Warum die Funkausstellung eine ganz besondere war

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Johannes Wiedemann

Ifa-Chef Christian Göke spricht mit Morgenpost Online darüber, warum die Ifa die erfolgreichste Elektronikmesse der Welt ist, was sie für Berlin bedeutet, und warum der Auftritt von Google-Chef Eric Schmidt historisch bedeutsam war.

Die 50. Internationale Funkausstellung (Ifa) auf dem Berliner Messegelände ist am Mittwochabend zu Ende gegangen. Christian Göke, seit 2000 Geschäftsführer der Messe Berlin, spricht im Interview mit Morgenpost Online darüber, warum die Ifa die erfolgreichste Elektronikmesse der Welt ist, was sie für Berlin bedeutet, und warum der Auftritt von Google-Chef Eric Schmidt historisch bedeutsam war.

Morgenpost Online: Herr Göke, die diesjährige Ifa war die größte überhaupt. Sind Sie zufrieden?

Christian Göke: Wir hatten 22 Prozent mehr Aussteller, das ist ziemlich beachtlich. Man darf aber auch nicht vergessen: Schon 2009 waren wir die einzige Consumer-Electronics-Messe in der Welt, deren Ausstellerzahl nicht drastisch eingebrochen ist. Das war die gesunde Basis, auf der wir aufgebaut haben. Die Ausstellerzahlen sind aber gar nicht das entscheidende Erfolgskriterium, sondern die Zahl der vermieteten Quadratmeter – da haben wir um 11 Prozent zugelegt. Und das ist wirklich außergewöhnlich: Das Berliner Messegelände war ausgebucht, wir mussten sogar temporäre Hallen aufbauen. Das hat es in der Ifa-Geschichte noch nie gegeben.

Morgenpost Online: Womit erklären Sie sich diesen Erfolg?

Christian Göke: Zuerst damit, dass wir uns intensiv auf den internationalen Fachhandel konzentrieren. Ebenfalls geholfen hat, dass wir die Ifa seit 2006 wieder jährlich veranstalten. Und natürlich, dass wir uns vor einigen Jahren entschlossen haben, auch „Weiße Ware“, also Elektrohausgeräte, auf der Ifa zu präsentieren. Diese drei Faktoren haben maßgeblich dazu beigetragen, dass der Trend deutlich nach oben zeigt. Daneben ist aber auch eine Myriade kleiner Dinge wichtig, wie die Beziehungspflege zur Elektronikbranche, und dass wir auf die Bedürfnisse eines jeden Ausstellers eingehen. Wir hatten auf der Ifa 2010 mehr als 1400 Aussteller und jeder wollte so behandelt werden wie der König der Messe. Die Aussteller wissen, dass sie sich auf uns verlassen können. Und deshalb sind wir unangefochten die Nummer eins in der Welt.

Morgenpost Online: Warum ist die Ifa für Berlin wichtig?

Christian Göke: Die Ifa ist nach der Fußball-WM, den Olympischen Spielen und dem Superbowl wahrscheinlich die Veranstaltung, über die die Medien am stärksten berichten. Da Berichterstattung über Messen in der Regel positiv ist, ist dieser Aspekt unglaublich wichtig für Berlin. Zum Beispiel wurde bei der Rede vom Google-Chef Eric Schmidt gezeigt, wie man das Pergamonmuseum findet – und das ging um die ganze Welt. Neben diesem Prestige-Gewinn zählen natürlich auch die finanziellen Effekte: Hotelübernachtungen, Restaurantbesuche, TaxIfahrten und so weiter.

Morgenpost Online: Wie viele Besucher sind 2010 zur Ifa gekommen?

Christian Göke: Dieses Jahr sind 235.000 Besucher gekommen, also noch einmal 5000 mehr als im Jahr 2009. Davon waren 125.000 Fachbesucher. Wir versuchen immer, ungefähr ein Gleichgewicht zwischen Fachhändlern und Verbrauchern zu halten – beide Gruppen sind immens wichtig für den Erfolg der Ifa. Die Fachhändler können hier nicht nur neue Geräte testen, sondern sehen auch gleich, wie die Nutzer auf diese reagieren, ob sie sie bedienen können, ob sie davon fasziniert sind. Die Ifa ist also ein unglaublich guter Testmarkt für alle Seiten.

Morgenpost Online: Wie groß war das Auftragsvolumen bei der Ifa 2010?

Christian Göke: Das kann man zwar nicht genau sagen, aber einen ungefähren Wert gibt es: Dieses Jahr haben die Elektronikhändler Waren im Wert von geschätzt 3,5 Milliarden Euro bei den Ausstellern geordert.

Morgenpost Online: 3D- und internetfähige Fernseher waren der Haupttrend der Ifa 2010. Was steht für Sie sonst noch hervor?

Christian Göke: Bei seiner „International Keynote“-Rede hat Google-Chef Eric Schmidt etwas gezeigt, was fast unfassbar ist: ein Handy, das simultan Sprachen übersetzen kann. Ich kann also demnächst nach China reisen und in mein Telefon sagen: ‚Guten Tag, gibt es diese Schuhe in Größe 41?’ Und das Gerät wird das sofort auf Chinesisch übersetzen und aussprechen. Dann kann der Verkäufer direkt in das Gerät hineinsprechen und es übersetzt mir: ‚Ja, aber ich habe sie nur in den Farben Schwarz und Braun.’ Der Auftritt des Google-Chefs auf der Ifa war so bedeutsam wie der von Albert Einstein vor 80 Jahren. Diesen alten Menschheitstraum, fremde Sprachen über ein Gerät sprechen und verstehen zu können, haben wir dieses Jahr zum ersten Mal erlebt. Das ist wirklich historisch.

Morgenpost Online: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat während seines Ifa-Rundgangs gewarnt, dass technische Veränderungen nicht nur positive Seiten haben. Wie geht die Ifa mit dem Thema Datenschutz um?

Christian Göke: Die Herausforderungen werden schwieriger, das Thema ist gerade wegen Googles Street View hochaktuell. Aber die Ifa ist nicht nur das, was sich in den Ausstellungshallen abspielt. Abseits davon sind wir auch ein Kompetenzzentrum: Bei Kolloquien, Seminaren und den „Keynotes“ setzen sich angesehene Experten kritisch mit solchen Themen auseinander.