Berlin-Halle

Diese Ideen präsentieren Start-ups auf der Grünen Woche

In der Berlin-Halle präsentieren vor allem Start-ups ihre Food-Ideen. Dabei geht es auch um technische Innovationen.

Andreas Romanowski hat 2017 mit zwei Geschäftspartnern das Unternehmen Kukki gegründet.

Andreas Romanowski hat 2017 mit zwei Geschäftspartnern das Unternehmen Kukki gegründet.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin. Bevor Cihan Ozangil seine Firma gegründet hat, ist er nach Ägypten und Indien gereist. Jetzt steht er auf der Grünen Woche in der Berlin-Halle 21b und preist sein Produkt an. „Der Saft hat was drauf“, sagt er zu einer interessierten Berlinerin. „Der Saft stärkt Haut, Haare und Zähne, ist diabetikerfreundlich und hilft beim Abnehmen“, so Ozangil weiter. Klingt ja nach reiner Gesundheit, erwidert die Frau. Das Getränk, das der junge Mann auf der weltgrößten Agrarmesse derart bewirbt, ist Zuckerrohrsaft.

Die Flüssigkeit an sich ist dabei keine Neuentdeckung, wird unter anderem in Ägypten und Indien bereits seit Jahrhunderten getrunken. Ozangil will den süßen Saft vielmehr als Lifestyle-Produkt vermarkten. Deswegen sagt er: „Unser Konzept ist weltweit einmalig und ermöglicht Kunden, den Zuckerrohr überall frisch pressen zu können.“

Das Geschäftsmodell seines Unternehmens Supercane funktioniert so: Das Berliner Start-up vertreibt neben dem Zuckerrohr auch eine eigens entwickelte Pressmaschine. Die Technik vermietet die Firma an Gastronomen oder Fitnessstudios. Berlinweit gibt es den Drink bereits bei 25 Partnern, aber auch in Hamburg, Frankfurt am Main und München hat Supercane bereits Kunden. Geht mal was kaputt, sorgt Supercane umgehend für die Reparatur des Geräts, verspricht Ozangil.

Wie das Eis in die Cocktailflasche kommt

Der 38 Jahre alte Gründer ist einer von 35 Ausstellern auf der Berliner Präsentationsfläche. Vor allem Start-ups zeigen hier ihre Food-Ideen. Im Vordergrund steht dabei der gute Geschmack. Doch einige Jungunternehmen versuchen, sich auch durch innovative technische Lösungen von den Konkurrenten abzusetzen.

Andreas Romanowski steht vor einer Tiefkühltruhe, holt eine bunte Flasche heraus und sagt dann: „Wir haben 3000 Patente weltweit.“ Romanowski hat 2017 mit zwei Geschäftspartnern das Unternehmen Kukki gegründet. Das Start-up aus Zehlendorf verkauft trinkfertige Cocktails in Glasflaschen, was zunächst nicht besonders außergewöhnlich klingt. Doch den Kukki-Machern ist es gelungen, nicht nur Alkohol, Säfte und Früchte in die Flaschen zu füllen, sondern auch Eiswürfel.

Die Produktion funktioniert freilich nicht ohne Spezialwissen. Technik und Verfahren hat sich Kukki deswegen schützen lassen – weltweit für alle großen Industrienationen, so der Gründer. „Wir schießen das Eis in die Flaschen rein“, sagt Romanowski. Weil das Eis bereits gefroren verarbeitet und dann mit den übrigen Zutaten erneut gefrostet wird, platzen die Flaschen in der Kältekammer nicht. Kunden des Unternehmens kaufen neben den Produkten auch ein Auftaugerät. „Toaster“, sagt Gründer Romanowski zu dem kleinen Kasten, der bei der Grünen Woche auf der Standtheke steht. „30 Sekunden und der Cocktail ist trinkfertig“, erklärt er. Nie zuvor sei es für Gastronomen einfacher gewesen, Gästen ein gutes Mixgetränk anzubieten. „Du kannst einen Affen hinter den Tresen stellen und der macht dir einen guten Drink“, sagt Romanowski.

Die Geschäfte für das Start-up liefen auch ohne den Messe-Auftritt bereits sehr gut. Mehr als eine Million Flaschen sind bereits verkauft worden. Die Hotelkette Ibis hat die Kaltgetränke fest im Sortiment, auch bei den Kaufland-Supermärkten sind die Flaschen erhältlich. Romanowski ist aber auf der Suche nach weiteren Abnehmern.

Ähnliches hat auch Carsten Albrecht vor. Der Chef des Start-ups Berlin Beef Balls mit Sitz in Kreuzberg ist allerdings handfester unterwegs: Bei Albrecht, 39 Jahre alt, geht es um Fleischbällchen. Gewissermaßen wie bei Muttern. Allerdings haben die Berliner Buletten den gewissen Extra-Kick. Acht verschiedene Beef-Ball-Sorten sind mittlerweile auf dem Markt. Neben italienisch-pikant gibt es unter anderem auch eine indische, griechische oder thailändische Variante. 20.000 Stück stellt Albrecht jeden Monat in seiner Manufaktur her, acht Mitarbeiter hat das Start-up mittlerweile.

Schon länger verkauft der Berliner Buletten-Pionier seine Kreationen in der bekannten Markthalle Neun, Kunden können die Fleischklopse zudem als Catering buchen, auch einige Restaurants haben die Hackbällchen bereits im Programm. Um die Produkte besser verschicken zu können, friert Carsten Albrecht die Frikadellen ein.

Derzeit versucht er, weitere Gastronomen für den neuen Beef-Geschmack zu begeistern. Perspektivisch könnten die Produkte auch im Supermarkt landen, sagt der Beef-Ball-Gründer. Die Grüne Woche als Werbefläche: Für die Jungunternehmen ist das vor allem deshalb aussichtsreich, weil auch viele Einkäufer der Handelsketten in den Hallen unterwegs sind.

Bier-Start-up füllt Kreationen erstmals in Flaschen

Timo Thoennißen sucht auf der Messe vor allem Bars und Restaurants, die sein Bier künftig auf der Karte anbieten wollen. Der 32-Jährige hatte eigentlich geplant, eine Karriere als Finanzberater einzuschlagen, doch die Liebe zum Bier ließ ihn nie los. Thoennißen gründete im November 2015 Straßenbräu und öffnete ein Lokal in der Nähe vom Ostkreuz. Das Konzept: Bar und Brauerei befinden sich in einem Gebäude, zwischen Fässern und Gärtanks probieren Gäste die neuesten Kreationen. Thoennißen setzt auf saisonale und regionale Zutaten, zwei- bis dreimal in der Woche wird gebraut, jeweils zwischen 300 und 500 Liter pro Biersorte. Doch der Gründer plant eine kleine Revolution. Im März will er erstmals im größeren Stil Flaschen abfüllen. 20.000 Stück sollen es in diesem Jahr werden.

Berlinweit will Timo Thoennißen seine Getränke dann den Gastronomen anbieten. Der Bierexperte kommt übrigens mit besten Empfehlungen: Sein erstes Flaschenbier hatte Thoennißen gemeinsam mit seinem Braumeister für ein Hotel an der Landsberger Allee mit angeschlossenem Sternerestaurant entwickelt.

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