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Whisky-Kabinett in Steglitz: Wie bei Sherlock Holmes

Das Kabinett von Markus Rosanowski in Steglitz vermittelt in zeitlosem Ambiente den kultivierten Charakter des Whisky.

Hat vor sechs Jahren sein Whisky-Kabinett in Steglitz eröffnet: Markus Rosanowski

Hat vor sechs Jahren sein Whisky-Kabinett in Steglitz eröffnet: Markus Rosanowski

Foto: joerg Krauthoefer

Ein Modegetränk war Whisky nie. Das Nationalgetränk der Schotten und Iren gilt als stilvoller Genuss. Etwas für den Gentleman. Allerdings ist der edle Tropfen auch eine Wissenschaft für sich. Wer bei all den Sorten aus unterschiedlichsten Ländern mit diversen Herstellungsverfahren und einer Aromenvielfalt von malzig-rauchig bis fruchtig-süß den Überblick behalten möchte, sollte sich an einen Fachmann wenden. Für Einsteiger empfiehlt sich das ohnehin.

Das Whisky-Kabinett in Steglitz etwa vermittelt mit seinem zeitlosen Ambiente auch gleich noch den kultivierten Charakter des Gersten-Destillats. Für Inhaber Markus Rosanowski war es wichtig, die richtige Atmosphäre zu schaffen, um Whisky zu kosten und natürlich darüber zu fachsimpeln, wie er bekennt: „Die Räume sollten dafür die Gemütlichkeit von Sherlock Holmes verkramtem Kaminzimmer ausstrahlen.“ Warme Grün-, Braun- und Rot-Töne von Wänden, Regalen und Vitrinen lassen die exquisiten Spirituosen in ihren Flaschen regelrecht funkeln. Altmodische Werbeschilder sorgen für einen dezent nostalgischen Touch. Schwer, sich hier nicht wohl zu fühlen.

Seit 2011 gibt es Rosanowskis Laden nun schon. Im Angebot sind neben 350 Whisky-Sorten noch gut 50 Rum- und 40 Gin-Sorten, verschiedene Edelbrände und manche lokale Spezialität wie der Berliner Kaffeelikör CO’PS. Der wird übrigens besonders gern von Polizisten und deren Angehörigen gekauft. Oder der Berliner Brandstifter. „Ein Gin, der gerade in den USA das absolute In-Getränk ist“, sagt Rosanowski.

Dass er mal ein eigenes Whisky-Geschäft haben würde, hätte sich der studierte Grafikdesigner nicht träumen lassen. Mehr als zehn Jahre lang hatte er ein eigenes Fotostudio und war als Disponent im Vertrieb der Berliner Morgenpost tätig. „Vor sechs Jahren habe ich beschlossen, etwas zu machen, das mir richtig Vergnügen bereitet. Da ich seit 1989 begeisterter Whisky-Fan bin, lag es nahe, sich in diesem Bereich selbstständig zu machen“, so der gebürtige Berliner.

Es geht um das Zelebrieren eines Geschmackserlebnisses

Liebe auf den ersten Blick war der Whisky allerdings nicht. „Anfang Zwanzig habe ich gern die Krimis von Dashiell Hammett und Raymond Chandler gelesen. Da gehörten die harten Drinks quasi zum guten Ton. Daher lag es für mich nahe, damit im realen Leben die Damenwelt zu beeindrucken. Ein Whisky sieht schließlich besser aus als ein Cocktail mit Schirmchen“, erzählt der 51-Jährige. Geschmeckt hat ihm das Getränk aber noch nicht so wirklich: „Es war zu stark.“ Dann kam ab Mitte der Achtziger zunehmend in Bars und Kneipen der Single Malt in Mode. Die meisten dieser Whiskys sind besonders hochwertig. Markus Rosanowski lernte das Destillat aus gemälzter Gerste schnell zu schätzen. „Es hat jedoch ewig gedauert, bis ich mir die erste Flasche für daheim gekauft habe“, sagt er.

Heute noch trifft er sich mit einem Freundeskreis von Whiskytrinkern einmal monatlich zur Verkostung. „Dabei geht es nicht um einen Rausch, sondern um das Zelebrieren des Geschmackserlebnisses. Im Single Malt sind die Aromen so dicht, dass man automatisch nicht zu viel trinkt. Dadurch ist es ein kontrollierter Genuss“, erklärt er.

Tastings bis zum Herbst ausgebucht

Lange Zeit hat er auch im Whisky-Kabinett sogenannte Tastings angeboten. Wegen starker Nachfrage sind die allerdings bis zum Herbst ausgebucht. Aber auch bei einer ausführlichen Beratung erfährt man viel über den großen Kosmos des Whiskys. Etwa, wo, wie und woraus er hergestellt wurde. Der Prozess ist nämlich für den Geschmack ebenso entscheidend wie die Wahl des Fasses für die Lagerung.

Schotten und Iren haben sich lange Zeit darum gestritten, wer sich als Erfinder des Whiskys, des „Wassers des Lebens“ feiern lassen darf, bevor sie sich auf ein Unentschieden einigten. Besonders wichtig für Sammler: Beim Whisky kommt es darauf an, wie lange er im Fass gereift ist, und nicht, wie alt die Flasche ist. Gleichwohl eine alte Flasche durchaus eine Rarität und damit eine stabile Wertanlage sein kann.

Die Preise gehen bis in den vierstelligen Bereich

Auch bei Markus Rosanowski findet man Whisky-Raritäten. „Mir geht es aber vor allem um die Geschmacksvielfalt und die Genießer. Bei mir bekommt jeder den passenden und in der gewünschten Preislage bestmöglichen Whisky. Egal, ob als Geschenk oder für den eigenen Genuss“, betont er. Der Preis für eine gute Flasche Single Malt beginnt bei 30 Euro. Für einen 32 Jahre lang gereiften Laphroaig muss man allerdings sehr viel tiefer in die Tasche greifen und eine vierstellige Summe zahlen. Das coole Image gibt es gratis dazu. Denn kaum ein Hochprozentiger war und ist bei so vielen prominenten Charakterköpfen beliebt wie der Whisky. Von Humphrey Bogart bis Winston Churchill haben die meisten auch noch kluge Sprüche darüber geklopft. Der witzigste stammt von Komiker-Legende W. C. Fields: „Trage immer eine kleine Flasche Whisky bei dir, für den Fall eines Schlangenbisses. Außerdem trage immer eine kleine Schlange bei dir.“

Whisky-Kabinett: Schöneberger Straße 12, Steglitz Tel. 71 55 19 46. Bis 31.1. Do. & Fr. 12-20, Sbd. 12-17.30 Uhr. Ab 1.2. Mo., Di., Do., Fr. 12-20, Sbd. 12-17:30 Uhr, www.whisky-kabinett.de