Mit einem Festakt im Roten Rathaus hat Berlin am Freitag an das deutsch-türkische Anwerbeabkommen erinnert, das vor 65 Jahren unterzeichnet wurde. Dabei würdigten der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) die Leistungen der ersten Generation türkischer Einwanderer, die die Hauptstadt bis heute wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell prägen. Das teilten beide Politiker vorab gemeinsam mit.

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Gastarbeiter aus der Türkei prägen Berlin bis heute entscheidend mit

„Berlin ist die Stadt der Vielfalt, der Weltoffenheit und Internationalität“, erklärte Wegner. Das zeigten auch die vielen türkischen Menschen, die seit Jahrzehnten in der Stadt lebten und deren Entwicklung mitgestalteten. „Diejenigen, die vor 65 Jahren aus der Türkei als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter nach Deutschland kamen, haben das Deutschland von heute mit aufgebaut.“ 

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Kiziltepe erklärte, das deutsch-türkische Anwerbeabkommen sei eng mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden. „Mein Vater kam 1961 aus der Türkei nach Deutschland. Wie viele andere Menschen hat er hart gearbeitet, Entbehrungen auf sich genommen und seinen Kindern neue Wege eröffnet“, erklärte sie. „Menschen wie mein Vater haben Berlin mit aufgebaut und unsere Stadt zu dem gemacht, was sie heute ist.“ 

65 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen
Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin. Mit 250 Gästen werden die Lebenswege und Leistungen der ersten Einwanderergeneration gewürdigt.© Jens Kalaene/dpa | Jens Kalaene

Die Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus vielen Ländern verdiene nicht nur Dankbarkeit, sondern einen festen und sichtbaren Platz in der Erinnerungskultur, betonte die Senatorin. Deshalb setze sie sich für ein Migrationsmuseum in Berlin ein. „Denn die Geschichte der Einwanderung ist die Geschichte Berlins.“

Abkommen mit Türkei brachte fast 900.000 Gastarbeiter nach Deutschland

Die Bundesregierung hatte am 30. Oktober 1961 mit der Türkei eine Vereinbarung zur Entsendung von Arbeitnehmern geschlossen. Grund war der hohe Bedarf an Arbeitskräften der stark wachsenden deutschen Wirtschaft. Bis zum Ende des Abkommens zwölf Jahre später kamen fast 900.000 türkische Arbeitnehmer nach Deutschland. Das Abkommen wird als Grundlage für die rund drei Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln gesehen, die heute in Deutschland dauerhaft leben.

Auf Bundesebene war bereits am Dienstag vergangener Woche mit einem Festakt in Berlin an den Jahrestag des Abkommens erinnert worden. Unter anderem nahm Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teil. Er würdigte den Beitrag der türkischen Einwanderer. Sie hätten Deutschlands industrielle Substanz mit aufgebaut und dessen kulturelles Gesicht tiefgreifend mitgestaltet.

afp