Fast 29.000 hungrige Mäuler, Schnäbel und Schnauzen warten jeden Tag im Berliner Zoo und im Tierpark auf Futter. Es ist eine logistische Herausforderung: Bis zu 65 Tonnen Fisch müssen jährlich beschafft werden, 50 Tonnen Fleisch, 900 Tonnen Heu und Stroh und 400 Tonnen Gemüse und Obst, so die aktuellen Zahlen aus Zoo und Tierpark. Allein ein Elefant frisst täglich etwa 200 Kilogramm Heu und Stroh, das größte Landsäugetier ist damit auch der größte Fresser. Dagegen fällt die Futtermenge der etwa fünf Gramm schweren Afrikanischen Zwergmaus kaum ins Gewicht.

Die Beschaffung der Mahlzeiten ist das eine, die tägliche Zubereitung, also das unermüdliche Schälen, Schneiden, Kochen, Dünsten, das andere. Doch einmal von den Tierpflegerinnen und Tierpflegern angerichtet, folgt das Event. Denn nicht nur die Tiere warten auf ihre Nahrung, die Fütterungen sind auch bei Besuchern und Fotografen beliebt. Wer mit der Kamera vor dem Gehege steht, braucht viel Zeit, Geduld und eine lange Brennweite zwischen 400 und 600 Millimetern, um festzuhalten, wie das rohe Stück Fleisch im Maul des Leoparden verschwindet oder der Fisch vom Seelöwen verschlungen wird.

Wer es nicht dem Zufall überlassen will, den Pandas, Elefanten und Giraffen beim großen Fressen zuzusehen, kommt zu einer kommentierten Fütterung. Die stehen jeden Tag in Zoo und Tierpark auf dem Programm und tagesaktuell auf ihren Webseiten. So findet zum Beispiel um 11 Uhr und 15 Uhr der Panda-Talk statt, um 11.30 Uhr die Elefantenfütterung sowie um 12.15 Uhr die Fütterung bei den Flusspferden. Am Nachmittag sind die Menschenaffen zu verschiedenen Zeiten dran, beim Seelöwentraining können Besucher um 14 Uhr dabei sein.

Im Tierpark beginnen die kommentierten Fütterungen am Vormittag um 11 Uhr bei den Eisbären und Pelikanen. 12.30 Uhr folgt der Giraffen-Talk und 14.30 Uhr der Pinguin-Talk. Um 17 Uhr gibt es Abendbrot bei den Roten Pandas. Die Zeiten und Details können variieren und sollten vorher beim Tierpark Berlin nachgeschaut werden.

Bei den kommentierten Fütterungen plaudern die Tierpfleger auch gern aus dem Backstage-Bereich ihrer Schützlinge. Wer ist immer aktiv oder tiefenentspannt, wer ist ein Vielfraß oder eine kleine Nervensäge? Besucher der Tier-Talks erfahren mehr, als was die Lieblingsmahlzeit ist. Sie erhalten Einblicke in das Verhalten der Tiere, in ihre natürlichen Bedürfnisse und individuellen Persönlichkeiten.

Highlight aller Zoo- und Tierparkbesuche sind die Geburtstagstafeln der Tiere. Gorilla-Dame Fatou ist in diesem Jahr 69 Jahre alt geworden, sie gilt als der älteste Gorilla der Welt. Ihren Geschenkkorb hatte die Seniorin schon von Weiten auf der Anlage sofort mit ihren trüben Augen erspäht.

Doch wo früher Weintrauben, Bananen und Äpfel auf sie warteten, lagen diesmal Karotten, Tomaten und Salat. Ihr Futterplan wurde umgestellt, Obst aufgrund des Zuckergehaltes, der bei alten Affen zu Übergewicht und Darmproblemen führt, vom Speiseplan gestrichen. Erkenntnisse der modernen Ernährungswissenschaft gelten nicht nur für Menschen, auch Tiere werden auf Diät gesetzt.








