Das Konto von Marco H. füllt sich schnell, als er im Herbst 2023 einer Reihe von Interessierten die Berliner Wohnung zeigt. Jede Woche gehen mehrfach vierstellige Beträge bei ihm ein. Erstmiete, Kaution, dazu ein Abschlag für die Küche. In der Regel sind es 3400 Euro, die ihm die Mietinteressenten überweisen. In nicht einmal zwei Monaten hat er mehr als 123.000 Euro zusammen. Doch die Wohnung bekommt niemand.
Deswegen wird Marco H. jetzt in 39 Fällen Betrug vorgeworfen. Am Dienstag begann der Prozess gegen den 51-Jährigen am Amtsgericht Tiergarten, zu dem in den kommenden fünf Wochen zahlreiche Zeugen geladen sind. Laut Anklage soll H. sich vor den Betroffenen als eine andere Person ausgegeben und einen gefälschten Personalausweis präsentiert haben.
Weitere Betrugsvorwürfe: Die Masche mit zurückgezogenen Eigenheim-Verkäufen
Doch das ist nicht das Einzige, was ihm vorgeworfen wird. Ein Jahr soll sich H. laut Anklage noch deutlich höhere Beträge mit zurückgezogenen Verkäufen eines Einfamilienhauses in Schöneiche erschlichen haben. So soll er mit Kaufinteressenten in vier Fällen zu unterschiedlichen Notaren gegangen sein, um ihnen ein Eigenheim zu übertragen. Allerdings offiziell zu einem stark vergünstigten Preis. Statt der fälligen 310.000 Euro zahlten die Käuferinnen und Käufer notariell beglaubigt teils nur 160.000 Euro. Weitere 150.000 gaben sie ihm dazu in bar.
Es dauerte daraufhin nur wenige Stunden, bis H. vom Kauf zurücktrat. Die 150.000 Euro in bar sahen die Käuferinnen und Käufer danach nie wieder. Mit vier Eigenheim-Deals kamen so rund 490.000 Euro zusammen, von denen die Geschädigten bis heute nichts zurückbekommen haben.
Das sei alles so passiert, räumte H. gleich zum Prozessauftakt ein. Nur die Schuld, die sieht der Familienvater nicht bei sich. So habe er gedacht, das eingezahlte Geld für Miete, Kaution und Küche sei aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit einem Partner zu Mobil-Häusern überwiesen worden. Was für eine Vereinbarung bestanden habe und wer davon profitieren sollte, konnte H. jedoch nicht erklären. Auch wieso H. überhaupt Schlüssel zur Wohnung hatte, für die er keinen Mietvertrag besaß, blieb am Dienstag nebulös.

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Die Sache mit dem Einfamilienhaus stellte H. als Folge des Konflikts mit seinem Kooperationspartner dar. Dieser habe ihn erpressen wollen, um an das zuvor an ihn überwiesene Geld aus dem Mieterbetrug zu kommen. Ein Mann, dem er einen tschetschenischen Akzent nachsagt, habe ihm seine Waffe gezeigt und gedroht, seiner Tochter etwas anzutun. Die Anweisungen habe er über ein von ihm ausgehändigtes Smartphone erhalten. Auch den Kauf des Einfamilienhauses, mit dem später Kaufinteressierte betrogen wurden, habe er nur auf Anweisung umgesetzt. Allerdings blieben zum Prozessauftakt auch in dieser Sache viele Fragen offen. Weil es dem Angeklagten offensichtlich schwerfiel, seine Position klarzumachen, wurde der Prozess kurzzeitig unterbrochen.
Am Donnerstag soll das Verfahren fortgesetzt werden. Es folgen weitere sieben Termine. Letzter angesetzter Prozesstag ist der 26. November 2026.
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