Sie kennen diese nervigen Momente beim Benzintanken: Man hat es eilig, aber ausgerechnet jetzt will der Kunde vor einem zur Tankquittung noch eine Wurst. Warm. Und einen Kaffee. Der nächste Kunde zahlt umständlich in bar. Die übernächste hat ihre Zapfsäulennummer vergessen. Menno! In Momenten wie diesen wünschte ich mir seit Jahrzehnten die Abschaffung der Tankstelle. Einmal mehr, seit Tankstellen zu überteuerten Imbissen und Supermarktsurrogaten wurden. Und die Spritpreise ins Unermessliche stiegen.

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So gesehen war ich froh, dass meine jüngste Reise mit einem E-Auto stattfand. Klar, man würde häufiger stoppen, um Strom zu laden. Aber man würde es nicht an Tankstellen erledigen müssen. Denn E-Ladesäulen gibt es an den seltsamsten Orten der Welt. Vor Supermärkten, auf einsamen Parkplätzen, in Parkhäusern, am Straßenrand. Vor dem Start errechnet man via Navi oder Bordsystem, wo man am günstigsten und schnellsten das Auto lädt. Die deprimierende Welt der Tankstellen lässt sich prima vermeiden.
Frohgemut schmierte ich also Stullen, füllte Filterkaffee in Thermosbecher und berechnete dabei die dreistellige Summe, die wir sparen würden, indem wir keinen überteuerten Kaffee und schlaffe Brötchen an der Autobahn kaufen würden. Für Entzugserscheinungen packte ich Tuc-Cracker ein, ein typisches, sinnloses Tankstellenlebensmittel.
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Erste Tankpause: Fahrer tauschen Tipps an der Ladesäule
Nach gut zwei Stunden stand der erste Ladevorgang an. Die Säule stand in einem gesichtslosen Gewerbegebiet einer Kleinstadt. Kaum waren wir ausgestiegen und versuchten, das Kleingedruckte der Ladesäule zu entziffern, stand ein älterer Herr neben uns. „Kann ich helfen?“ Eine Frage, die bei Menschen mit Berlinerfahrung Misstrauen auslöst. In der Regel geht es dann entweder um Kleingeld oder man wird in eine nervige Diskussion verwickelt.
Nicht so hier. Der Mann, stellte sich heraus, stand mit seinem E-Wohnmobil in der Parkbucht nebenan. Er hatte gerade selbst Strom getankt, erzählte er, und wartete nun auf seine Frau. Weil selbst ein „Schnelladevorgang“ gern mal eine halbe Stunde dauert, war die Frau „kurz“ in den nahen Supermarkt gegangen und bisher nicht wiedergekommen. Wer solche Verzögerungen vermeiden wolle, solle lieber auf einsamen Parkplätzen Strom tanken, empfahl der Herr lachend. Es folgte ein Austausch über die Fahrzeuge (Ladekapazität, Reichweite, PS). Dann wünschte man sich eine gute Weiterreise.
Ich erinnerte mich an meine erste Begegnung mit Menschen beim Stromtanken, die ebenso freundlich verlaufen war. Es war an einer Autobahnraststätte. Wir hatten eher zufällig mit dem Diesel neben den Ladesäulen geparkt – und einem Mann neugierig dabei zugeschaut, wie er seinen E-Mercedes auflud. Erstaunlich bereitwillig erklärte er uns, wie das funktionierte. Wo das Ladekabel im Auto lag, wie lange es dauerte, wie man per App bezahlte, wie weit er mit seinem Strom kam. Das Auto war neu und der Mann glücklich.
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Offenbar hat das übliche Auto-Angebertum das elektrische Fahren bisher nicht erreicht
Ähnlich verliefen alle unsere Tankstopps. An einem Parkplatz an der Ostsee rätselten wir mit anderen Stromfahrern über ein Kombiticket aus Kurkarten, Parkgebühr und Stromtarif. War das günstiger, als alles einzeln zu kaufen? An einem anderen Parkplatz klärten uns Mitparkende über versteckte Kosten beim Stromladen auf. Im Gegensatz zum Kraftstoffkauf sind Stromtarife deutlich schwerer zu verstehen, manchmal gar nicht.
Die freundliche Kontaktaufnahme unter E-Autofahrern verwunderte mich nur anfangs. Offenbar hat das übliche Auto-Angebertum das elektrische Fahren bisher nicht erreicht. Tesla-Fahrer vielleicht ausgenommen, aber die tanken ja eh lieber an ihren eigenen „Superchargern“. Zum anderen fehlt beim Stromtanken sämtliche Ablenkung. Es muss ja nicht gleich das nervige Überangebot an Überflüssigem sein wie an Tankstellen – von „Sonntagsbrötchen“ rund um die Uhr bis zu Eintöpfen und Tiefkühlpizza als „Reisebedarf“, von dem niemand weiß, wie man sich diese Dinge im Pkw zubereitet.
Aber diese geschenkte, ebenso inhaltslose wie werbefreie Zeitlücke beim Stromladen in unserer ansonsten durchgetakteten und durchoptimierten Welt – kann es so etwas wirklich geben? Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand auch daraus ein Geschäft machen wird.
Die Kolumne „Stadtflucht“: Hier schreibt Morgenpost-Redakteurin Uta Keseling über die Merkwürdigkeiten des Alltags in Berlin und manchmal auch auf dem Land.







