Was bedeutet es eigentlich, Bildung zu leben? Vielleicht beginnt die Antwort dort, wo der Unterricht über das Klassenzimmer hinausgeht. Wenn Jugendliche aus Berlin gemeinsam mit Gleichaltrigen aus Schweden, Dänemark, Polen, Bosnien oder Italien an einem Projekt arbeiten. Wenn aus einem Thema wie Migration persönliche Gespräche werden. Oder wenn eine Partnerschaft zwischen Berlin und einer französischen Stadt nicht nur auf dem Papier besteht, sondern von Schulen durch gegenseitige Besuche und gemeinsame Erlebnisse mit Leben gefüllt wird. Am Campus Wilhelmstadtschulen gehört das zum Bildungsalltag. Dort eröffnen internationale Begegnungen und EU-Projekte Schülern die Möglichkeit, andere Länder, Menschen sowie Perspektiven kennenzulernen und dabei selbst aktiv zu werden.
Europa wird zum Lernort
Ein Beispiel dafür ist das EU-Projekt „Moving Europe“. Gemeinsam mit Jugendlichen, Lehrkräften und Museumsexperten aus mehreren europäischen Ländern beschäftigen sich Schüler des Campus Wilhelmstadtschulen mit dem Thema Migration. Sie führen Interviews, recherchieren, schreiben ihre eigenen Geschichten auf und überlegen, wie Museen gesellschaftliche Themen aus unterschiedlichen Perspektiven vermitteln können. Dabei entstehen unter anderem interaktive Karten und eine Podcast-Serie.

Solch eine transnationale Zusammenarbeit bedeutet dabei nicht nur, Gäste aus anderen Ländern zu empfangen. Die Schüler des Campus reisen auch selbst zu ihren Projektpartnern. Im Rahmen von „Moving Europe“ stehen beispielsweise Besuche in Genua, Stockholm und Sarajevo auf dem Programm. Aus dem EU-Projekt wird so eine persönliche Erfahrung: neue Orte kennenlernen, andere Lebensgeschichten hören und feststellen, dass manche Fragen in der ehemaligen „Mauerstadt“ Berlin genauso relevant sind wie in anderen Teilen Europas.
Dass der Kontinent am Campus nicht nur ein Thema für einzelne Projekte ist, zeigt auch das Erasmus+-Siegel, das an der Eingangstür der Schule zu sehen ist. Es steht für die europäische Zusammenarbeit und die schulische Beteiligung an entsprechenden Projekten.

Lernen über Fächer- und Ländergrenzen hinweg
Auch bei ArtSTEM, einem weiteren Erasmus+-Projekt, steht der Austausch über Grenzen hinweg im Mittelpunkt. Hier werden über Ländergrenzen hinweg naturwissenschaftliche und technische Themen mit Kunst und Kreativität verbunden. Schüler können ausprobieren, experimentieren und eigene Ideen entwickeln – und dabei erfahren, dass unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten sich ergänzen können.
Eine weitere Facette der transnationalen Zusammenarbeit zeigt sich in der deutsch-französischen Partnerschaft mit Asnières-sur-Seine, der französischen Partnerstadt des Bezirks Spandau. Zum 8. Mai, dem Tag, der an das Ende des Zweiten Weltkriegs und den europäischen Friedensweg erinnert, gab der Chor Notre-Dame-du-Perpétuel-Secours aus Asnières-sur-Seine auf dem Campus ein Gastkonzert. Musik, Gespräche und persönliche Begegnungen brachten Schüler, Familien und Gäste zusammen. Anschließend reiste eine Gruppe der Wilhelmstadtschulen nach Asnières-sur-Seine, lernte die Stadt kennen und traf Menschen vor Ort. Die Partnerschaft wird durch regelmäßige Schüleraustausche auf beiden Seiten weitergeführt. So wird aus europäischer Zusammenarbeit etwas sehr Konkretes: Begegnungen, Freundschaften und Erfahrungen, die über den eigentlichen Schulbesuch hinausgehen.

Wenn Schule gesellschaftliche Fragen praktisch erlebbar macht
Die internationalen Projekte sind Teil eines Bildungsverständnisses, bei dem Schüler nicht nur Wissen aufnehmen, sondern sich selbst einbringen und eigene Perspektiven entwickeln sollen. Das zeigt sich auch bei anderen Projekten des Campus. Bei der Juniorwahl konnten beispielsweise Jugendliche der Jahrgangsstufen 10 bis 13 einen Wahlvorgang praktisch erleben. Von der Stimmabgabe bis zur Auszählung durch einen Politik-Grundkurs wurden demokratische Prozesse nicht nur besprochen, sondern selbst durchgeführt.
Neben dem Erasmus+-Siegel tragen die Wilhelmstadtschulen unter anderem die Auszeichnungen „MINT-freundliche Schule“, „Digitale Schule“, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und „WERTvolle Schule“. Zweimal wurden sie außerdem mit dem Jugend-forscht-Schulpreis ausgezeichnet.
Die verschiedenen Projekte und Auszeichnungen stehen dabei für unterschiedliche Bereiche. Gemeinsam erzählen sie aber eine Geschichte: Bildung soll mehr sein als die Vermittlung von Lehrplaninhalten. Schüler sollen entdecken, ausprobieren, hinterfragen, mit anderen zusammenarbeiten und ihren eigenen Blick auf die Welt entwickeln können.

„Wir leben Bildung“ vor Ort erleben
Wie dieser Anspruch im Schulalltag aussieht, lässt sich am besten vor Ort erleben. Gelegenheit dazu gibt es beim Tag der offenen Tür am 7. November 2026 von 10 bis 15 Uhr. Dann öffnen die Wilhelmstadt Grundschule, die Wilhelmstadt Oberschule und das Wilhelmstadt Gymnasium für alle Interessierten ihre Türen. Geplant sind unter anderem Campus-Führungen im 30-Minuten-Takt, Gespräche mit Lehrkräften, Schülern und Schulleitern sowie Einblicke in Unterrichtsräume und Unterrichtsmaterialien. Bei verschiedenen Mitmachangeboten können Besucher selbst aktiv werden.
Auch außerhalb des regulären Unterrichts gibt es an diesem Tag einiges zu entdecken: Das regelmäßige Schüler-Schachturnier findet statt, außerdem starten die AGs „I Robot“ und „Selbstständiges Experimentieren“. Beide Angebote laufen anschließend über mehrere Monate wöchentlich weiter.
Wer sich also selbst ein Bild davon machen möchte, was hinter dem Motto „Wir leben Bildung“ steckt, ist beim Tag der offenen Tür willkommen. Denn manchmal lässt sich am besten vor Ort erleben, was Schule leisten kann, wenn Lernen nicht an der Klassenzimmertür oder an Landesgrenzen endet.
Info & Kontakt
Campus Wilhelmstadtschulen
Wilhelmstraße 28-30
13593 Berlin
www.wilhelmstadtschulen.de


