Für viele ist das keine theoretische Frage. Es geht um die Existenz, um Selbstständigkeit und die Frage, wie der Alltag neu sortiert werden kann. Eine gesundheitliche Einschränkung bedeutet dabei zwar nicht das Ende des Berufslebens – aber sie verlangt einen Richtungswechsel.
Bei den eigenen Stärken anfangen – nicht beim Paragrafendschungel
Wer zum ersten Mal mit beruflicher Rehabilitation zu tun hat, stößt schnell auf viele Begriffe: Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, Kostenträger, Reha-Assessment, Qualifizierung, Umschulung.
Das kann ziemlich unübersichtlich werden.
Deshalb hilft es, die Sache zunächst andersherum anzugehen. Nicht: „Welche Umschulung kann ich machen?“, sondern: „Was kann ich unter meinen aktuellen Bedingungen noch gut leisten – und wo möchte ich beruflich hin?“
Dabei spielen mehrere Fragen eine Rolle:
- Welche Tätigkeiten sind gesundheitlich noch möglich?
- Welche Erfahrungen und Kenntnisse bringe ich aus meinem bisherigen Berufsleben mit?
- Was interessiert mich – und was passt tatsächlich zu meinen Fähigkeiten?
- Brauche ich eine kurze Qualifizierung oder kommt eine längere Umschulung infrage?
- Welche Unterstützung beim Wiedereinstieg in das Arbeitsleben beziehungsweise der beruflichen Neuorientierung gibt es?
- Und welcher Leistungsträger ist für den individuellen Fall zuständig?
Gerade der letzte Punkt ist für Betroffene oft schwer einzuschätzen. Ob und welche Leistungen möglich sind, hängt von der persönlichen Situation ab. Deshalb lohnt es sich, Fragen frühzeitig zu klären, statt sich allein durch Formulare und Informationen zu arbeiten.
Eine Neuorientierung heißt nicht, bei null anzufangen
Wer jahrelang im Job war, bringt weit mehr mit als einen Lebenslauf: Fachwissen, Erfahrung im Umgang mit Kunden oder Kollegen, Organisationstalent, technisches Verständnis oder die Fähigkeit, auch in stressigen Situationen den Überblick zu behalten. Vielleicht lassen sich einige dieser Kompetenzen in einem anderen Beruf einsetzen – nur unter anderen körperlichen oder psychischen Anforderungen.
Wer beispielsweise jahrelang körperlich gearbeitet hat, kann möglicherweise seine praktische Erfahrung weiterhin nutzen, aber in einer kaufmännischen, organisatorischen oder beratenden Funktion. Wer bisher im Büro tätig war, aber mit der bisherigen Arbeitsbelastung nicht mehr zurechtkommt, kann sich möglicherweise in ein anderes Tätigkeitsfeld entwickeln.
Wo genau der Weg hinführen kann, lässt sich im Rahmen der beruflichen Rehabilitation mit Angeboten zur Orientierung und Erprobung gemeinsam herausfinden.
Beim Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg bieten unter anderem Reha-Assessment-Maßnahmen die Möglichkeit, die eigenen beruflichen Möglichkeiten genauer zu betrachten und neue Perspektiven zu entwickeln.
Drei Fragen, die man vor einer Umschulung klären sollte
- Was ist gesundheitlich realistisch?
Eine neue Ausbildung bringt wenig, wenn die damit verbundene Tätigkeit langfristig wieder zu einer Überforderung führt. Deshalb sollte die gesundheitliche Situation bei der beruflichen Planung von Anfang an mitgedacht werden. - Was kann ich schon – und was muss ich neu lernen?
Nicht jede berufliche Neuorientierung bedeutet einen kompletten Neustart. Vorhandene Kenntnisse können eine wichtige Grundlage sein. Manchmal reicht eine Qualifizierung, manchmal ist eine Umschulung der bessere Weg. - Wer unterstützt mich dabei?
Die berufliche Rehabilitation ist kein Bereich, in dem man alle Entscheidungen allein treffen muss. Je nach persönlicher Situation können unterschiedliche Leistungsträger und Unterstützungsangebote eine Rolle spielen. Eine Beratung bringt Ordnung in das Gedankenkarussell.
Der erste Schritt darf klein sein
Viele Menschen warten lange, bevor sie sich mit dem Thema beschäftigen. Nicht unbedingt, weil sie nichts verändern wollen. Sondern weil die erste Frage schon so groß erscheint: „Was soll ich denn jetzt machen?“
Darauf muss man nicht sofort eine Antwort haben.
Eine erste Beratung kann auch einfach dazu dienen, die eigene Situation zu schildern und herauszufinden, welche Möglichkeiten es grundsätzlich gibt. Ohne gleich eine Umschulung beantragen oder sich für einen neuen Beruf entscheiden zu müssen.
Genau dafür gibt es beim Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg die Offene Sprechstunde zur Teilhabe am Arbeitsleben. Sie richtet sich an Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen beruflich vor einem Neuanfang stehen oder Fragen zur beruflichen Rehabilitation und zu möglichen Leistungen haben. Die Beratung ist persönlich, vertraulich und völlig unkompliziert – ohne vorherige Anmeldung.

Die Offene Sprechstunde wird regelmäßig an den Standorten Berlin-Charlottenburg, Mühlenbeck und Potsdam angeboten. Aktuell findet sie in Mühlenbeck dienstags von 10 bis 12 Uhr, in Berlin-Charlottenburg montags von 13 bis 15 Uhr und in Potsdam jeden ersten und dritten Montag im Monat von 10 bis 12 Uhr statt.
Wer gesundheitlich vor einem beruflichen Neuanfang steht, muss diesen Weg nicht allein gehen. Oft beginnt die Lösung mit einem ersten Gespräch.
Info & Kontakt
Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg e. V.
Epiphanienweg 1
14059 Berlin
Telefon: 030/30399-399
E-Mail: info@bfw-berlin-brandenburg.de
www.bfw-berlin-brandenburg.de


