Zum Artikel „Spritpreise auf Rekordhoch“ vom 15.09.
Bei den vielen, vielen elementaren Fehlern, die sich Merz’ Vorgänger im Amt geleistet haben, traue ich im Nachhinein vor allem Helmut Kohl und Gerhard Schröder zu, dass sie wesentlich geschickter und verbraucherfreundlicher gehandelt hätten in dieser Spritpreiskrise. Auch wenn dies natürlich nicht ganz uneigennützig geschehen wäre, wären sie wohl fantasievoller gewesen, Hebel in Bewegung zu setzen, um den Souverän zu entlasten, und zwar nicht nur mal für zwei Monate, sondern dauerhaft. Der Preis ist momentan schließlich wesentlich höher als zu Zeiten der kurzen steuerlichen Entlastung im Sommer. Es wirkt absurd! Andererseits lässt sich auch beobachten, dass wohl bei sehr vielen noch genug Geld vorhanden sein muss, um durch die Gegend zu rasen wie eh und je. Es ist nicht zu erkennen, dass weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind. Im Gegenteil. Auch deshalb wird es den Ölmultis gar nicht einfallen, von sich aus etwas an den Preisen zu ändern. Benzin und Diesel werden wohl noch viel teurer werden in Zukunft. Im Übrigen auch ein Albtraum für alle, die mit Öl heizen und den Tank vor dem Winter noch vollkriegen müssen. Von den immer weiter steigenden Preisen im Supermarkt einmal ganz zu schweigen.
Ullrich Herzau, per Mail
Zum Artikel „Ein Tempolimit würde die Spaltung im Land noch einmal verstärken“ vom 14.09.
Interessant, dass ausgerechnet der kurze Tempolimit-Abstecher aus einem ansonsten breit angelegten Verkehrsinterview zur Überschrift wird. Tatsächlich wird auf Autobahnen ohne dauerhaftes Tempolimit längst deutlich langsamer gefahren, als es die Debatte vermuten lässt. Eine IW-Auswertung kam für entsprechende Abschnitte in Nordrhein-Westfalen 2024 auf durchschnittlich 113,5 km/h. Auch beim Verbrauch macht Geschwindigkeit einen erheblichen Unterschied. Natürlich kostet langsameres Fahren Zeit. Doch selbst im theoretischen Idealfall braucht man mit 140 statt 180 km/h für 400 Kilometer nur rund 38 Minuten länger. In der Realität dürfte der Unterschied meist kleiner sein, weil 180 km/h kaum über eine solche Strecke konstant gefahren werden können.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Noch weniger überzeugt mich das Argument, ein Tempolimit würde die Spaltung im Land verstärken. Die ADAC-Mitglieder sehen das offenbar mehrheitlich anders: 56 Prozent sprechen sich 2026 für ein generelles Tempolimit aus, nur 39 Prozent dagegen. Deshalb mein Vorschlag, um diese deutsche Endlosdiskussion zu beenden: Tempo 140. Damit könnte man weiterhin zügig fahren, zugleich gäbe es eine klare Obergrenze. Daran würden wir uns vermutlich schnell gewöhnen. Auch beim Sicherheitsgurt wurde einst über einen Eingriff in die persönliche Freiheit gestritten – heute ist er selbstverständlich.
Ricardo Hoffmann, per Mail
Zum Artikel „Die Pisa-Ergebnisse sind ein ernstes Signal“ vom 09.09.
Die schlechten PISA-Ergebnisse, insbesondere bei der Lesekompetenz, führen erneut zu den üblichen Forderungen: mehr Unterricht, mehr Förderstunden, mehr Deutsch. Doch wenn wir die Sprachkompetenz als Tor zu allen anderen Fächern begreifen, müssen wir auch fragen: Wo und wann sprechen Kinder eigentlich miteinander? Nicht nur im Klassenzimmer. Sprache entsteht vor allem dort, wo Kinder miteinander spielen, sich verabreden, streiten, lachen und gemeinsam Lösungen finden. Gerade auf dem Schulhof gibt es täglich unzählige echte Sprachanlässe. Bei Ballspielen werden Regeln erklärt, Mannschaften gebildet und Konflikte gelöst. In Schulgemeinschaften mit unterschiedlichen Sprachräumen wird Deutsch dabei ganz selbstverständlich zur Verständigungssprache.
Wenn wir über mangelnde Sprach- und Lesekompetenz bei PISA sprechen, dürfen wir diesen Lernort nicht ignorieren. Warum behandeln wir den Schulhof noch immer hauptsächlich als Pausenbrot- und Ort zum Austoben – statt ihn bewusst als didaktischen Sprach- und Lernraum zu gestalten? Berlin verfügt mit „Grün macht Schule“ seit 40 Jahren über die notwendige Erfahrung bei der Schulhofgestaltung. Dieses Wissen könnte in Zukunft stärker mit Sprachförderung verbunden werden. Deshalb sollte die Berliner Bildungspolitik handeln: Bei jeder Planung und klimafreundlichen Umgestaltung eines Schulhofs müssen Bewegung, soziale Interaktion und Sprachförderung verbindlich berücksichtigt werden. Die PISA-Ergebnisse zeigen, dass die bisherigen Lösungsansätze unzureichend durchdacht wurden. Die Antwort kann deshalb nicht mehr nur Deutschunterricht heißen. Mehr Deutsch in den Alltag der Kinder bringt ein dafür qualifizierter Schulhof: sich die deutsche Sprache spielerisch aneignen – vielleicht mit einem Pflaster auf dem Knie. Wer PISA ernst nimmt, muss auch den Schulhof als Teil der Lösung begreifen.
Stephan Riegger, per Mail
Hier lesen Sie mehr Leserbriefe an die Berliner Morgenpost
So erreichen Sie die Leserbriefredaktion
Berliner Morgenpost,
Redaktion, Brieffach 3110,
10874 Berlin
Telefon: 030-8872 77887
E-Mail:
leserbriefe@morgenpost.de
Internet:
www.morgenpost.de
Wir geben die Meinung unserer Leserinnen und Leser wieder, nicht die der Redaktion. Wegen der großen Zahl an Briefen, E-Mails und Kommentaren bei Facebook ist es uns leider nicht möglich, jede Meinungsäußerung zu veröffentlichen oder zu beantworten. Die Redaktion der Berliner Morgenpost behält sich vor, diese zu kürzen.




