Gelb, Rot, Blau und Grün prägen das Bild der Waldsiedlung Zehlendorf. Zwischen den Kiefern sorgen die farbigen Fassaden für einen außergewöhnlichen Anblick, der vor hundert Jahren revolutionär war. Am 26. Juli 2026 hat die UNESCO die Siedlung offiziell in die Welterbeliste aufgenommen. Als siebte Siedlung der „Siedlungen der Berliner Moderne“ steht sie damit nun unter besonderem Schutz. Fünf der sieben Siedlungen gehören zum Wohnungsunternehmen Vonovia. Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Waldsiedlung kommt die Auszeichnung spät, aber nicht überraschend.

In der Ladenstraße der Waldsiedlung betreibt Marvin Schwarz gemeinsam mit seinem Vater Toms Kaffeerösterei. Sie ist ein Glücksfall für die Kaffeeliebhaber im Quartier und ein Beispiel dafür, was die Ladenstraße für das tägliche Leben im Viertel bedeutet. „2014 wollte mein Vater mit einem umgebauten Lastenfahrrad durch Berlin fahren und Kaffee verkaufen. Das ist an der Berliner Bürokratie gescheitert. Ein Bekannter riet ihm dann, eine eigene Rösterei zu gründen, und dann haben wir die Lokalität in der Ladenstraße gefunden“, so Schwarz.

100 Jahre Papageiensiedlung

Gebaut wurde die Waldsiedlung zwischen 1926 und 1932. Das Leitbild für das Team um den legendären Architekten Bruno Taut war so einfach wie revolutionär: Licht, Luft und Sonne. Jede Wohnung bekam ein eigenes Bad und einen Balkon. Die bunten Fassaden brachten dem Quartier im Wald den Spitznamen „Papageiensiedlung“ ein – kein dekorativer Zufall, sondern ein bewusstes Gestaltungselement: Gezielt ausgewählte Farben sollten die Lebensqualität der Menschen steigern, die hier wohnen.

Heute ist die Waldsiedlung Zehlendorf ein lebendiges Viertel mit gutem Zusammenhalt. „Wir haben donnerstags immer einen schönen Markt, oft mit musikalischer Begleitung. Das fehlt ja in den meisten kleinen Städten mittlerweile, dass es noch einen ordentlichen Wochenmarkt und kulturelle Angebote gibt“, sagt Marvin Schwarz. Die Siedlung nennt er liebevoll eine „kleine grüne Lunge von Berlin“ – ein Gefühl, das viele Bewohnerinnen und Bewohner teilen, die hier leben. Knapp 4.000 Menschen wohnen in den rund 800 Einfamilienhäusern und gut 1.100 Wohnungen. Rund 780 dieser Wohnungen gehören Vonovia. Das Unternehmen ist damit fester Teil der Siedlung: zuständig für Instandhaltung, Reparaturen und den Erhalt der Gebäude – vor Ort, nicht aus der Ferne.

Kaffeeröster Marvin Schwarz
Marvin Schwarz führt die Rösterei in der Ladenstraße zusammen mit seinem Vater.© Vonovia | Markus Braumann

Denkmalschutz und Alltag unter einem Dach

Die Waldsiedlung steht bereits seit vielen Jahren unter Denkmalschutz. Die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste würdigt nun zusätzlich ihre besondere Bedeutung als „herausragendes Zeugnis des modernen Siedlungsbaus“. Das bringt auch besondere denkmalpflegerische Anforderungen für Instandhaltung, Renovierung und Modernisierung mit sich. Wie eng Handwerk und Kiez in der Waldsiedlung miteinander verflochten sind, beobachtet Marvin Schwarz täglich: „Gerade sind Handwerkerinnen dabei, die alten Holzfenster im Dachgeschoss aufzuarbeiten. Sie kommen bei uns auf einen Kaffee vorbei und erzählen, mit wie viel Liebe sie an diesen alten Fenstern arbeiten. Diese Fenster haben eine eigene Geschichte, die es zu erhalten gilt.“

Ladenstraße Waldsiedlung Zehlendorf
Die Ladenstraße ist das Herz des Quartiers, die Kaffeerösterei ein beliebter Treffpunkt im Kiez.© Vonovia | Markus Braumann

Was das Welterbe für die Mieterinnen und Mieter bedeutet

Der Welterbe-Titel macht aus der Waldsiedlung keinen anderen Ort: Die Häuser bleiben dieselben, die Atmosphäre ist die gleiche und dieselben Wege führen weiterhin zwischen den Bäumen hindurch. Hinter den farbigen Fassaden spielt sich der Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner genauso ab wie bisher. Die Auszeichnung lenkt jedoch den Blick noch einmal neu auf diesen besonderen Ort: Was hier vor 100 Jahren als visionäre Idee vom Neuen Bauen und modernen Wohnen entstand, ist heute ein bedeutendes Zeugnis der Berliner Bau- und Stadtgeschichte. Und zugleich ist und bleibt die Waldsiedlung ein Zuhause für rund 4.000 Menschen – ein besonderes in Gelb, Rot, Blau und Grün.

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