Eines der wohl umstrittensten Bauvorhaben in Berlin nimmt Gestalt an. 22 Jahre nach dem Abschluss eines städtebaulichen Rahmenvertrags und elf Jahre nach dem ersten Realisierungswettbewerb für das Bauvorhaben „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck steht die Architektur für das Gebäudeensemble auf dem südlichen Areal fest. Das Preisgericht hat den Entwurf von KSP Engel gemeinsam mit NSP Landschaftsarchitekten Stadtplaner mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Insgesamt hatten sieben Planungsteams an dem Wettbewerb teilgenommen. Auf dem südlichen Bereich der versiegelten Brachflächen des früheren Güterbahnhofs entstehen mit 23.750 Quadratmetern an Geschossfläche zwei kleinere Hochhäuser mit rund 49 und 25 Metern Höhe, die durch einen gemeinsamen Sockel verbunden werden.
Senatsbaudirektorin lobt „robusten Entwurf“
„Der Standort am Gleisdreieck stellt hohe Anforderungen an Architektur und die Einbindung in den Park. Der ausgezeichnete Entwurf begegnet diesem besonderen innerstädtischen Ort mit Robustheit und gestalterischer Kraft. Er entwickelt eine überzeugende Antwort auf ein Umfeld, das gleichermaßen durch Verkehrsanlagen, den Park, Denkmäler und urbanes Leben geprägt ist“, lobte Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt, Mitglied der Jury, den Siegerentwurf.
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Für die Vorhabenträgerin, die Periskop Development GmbH, ist der Abschluss des Wettbewerbs ein wichtiger Schritt: „Nach vielen Jahren intensiver Planung wird nun sehr konkret sichtbar, wie die ‚Urbane Mitte Süd‘ künftig aussehen wird. Mit dieser Entscheidung gehen wir nun in die Realisierung“, so Geschäftsführer Simon Kempf.

Denn jahrelang war es mit dem Bauvorhaben nicht vorangegangen. Der Streit um die „Urbane Mitte“ geht auf den Rahmenvertrag von 2005 zurück. Damals übertrug der Grundstückseigentümer 16 Hektar an das Land Berlin zur Herstellung des Parks am Gleisdreieck – als Ausgleichsmaßnahme für Potsdamer und Leipziger Platz. Im Gegenzug wurden Baurechte für die Randbebauung auf vier Baufeldern vereinbart. Drei davon – Flottwellpromenade, Yorckdreieck und Möckernkiez – wurden bereits gebaut. Die „Urbane Mitte“ ist das letzte noch zu realisierende Baufeld.
Bezirk blockiert Pläne – Senat zieht das Bauprojekt an sich
Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellte sich jedoch vehement gegen die Pläne. Der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt wollte grundlegende Planänderungen, etwa hinsichtlich der zuvor festgelegten Baumasse, durchsetzen. Die BVV des Bezirks beschloss 2024 einen Neustart und eine öffentliche Planungswerkstatt, um „aktuelle Bedarfe wie bezahlbares Wohnen, soziale Infrastruktur und klimapolitische Notwendigkeiten“ zu diskutieren. Daraufhin zog Bausenator Christian Gaebler (SPD) das Projekt schließlich an sich.
Insgesamt sieht der in die zwei Teilbereiche „Nord“ und „Süd“ aufgeteilte Bebauungsplan sieben zwischen 25 und 90 Meter hohe Türme vor. Anders als ursprünglich geplant allerdings nicht mehr als reiner Bürostandort. Zwar ist dauerhaftes Wohnen dort wegen der Lärmbelastung nicht genehmigungsfähig. Jetzt sind jedoch neben Büros auch „Beherbergungsangebote“, wie ein Hotel, studentisches Wohnen oder Wohnen auf Zeit, vorgesehen.
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Konkret geplant sind in den Gebäuden auf dem südlichen Areal in den oberen Etagen Büros und ein Hotel. In den Sockelgeschossen sollen nach Auskunft von Persikop Einzelhandel, Gastronomie sowie bildungs- und sportorientierte Einrichtungen ihren Platz finden. Der Einzelhandel wurde auf 1000 Quadratmeter begrenzt. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen.

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Wann es auf dem größeren, nördlichen Teilbereich weitergeht, ist noch offen. Das Bebauungsplanverfahren VI-140caa „Urbane Mitte Nord“ soll, anders als ursprünglich vorgesehen, nun einen Schwerpunkt auf bezahlbaren Wohnraum haben. Konkrete Angaben zur Zahl der Wohnungen gibt es allerdings bisher nicht.
„Die genauen Wohnungsbauzahlen können wir erst nach Abschluss der Überarbeitung, die bis Ende des Jahres dauert, benennen“, so eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Auch ein konkreter Zeitplan für die öffentliche Beteiligung stehe noch aus: „Die weiteren Verfahrensschritte des Bebauungsplanverfahrens stehen in engem Zusammenhang mit der zeitlichen Abwicklung des Planfeststellungsverfahrens für die S21“, so die Sprecherin. Dieses werde aktuell mit der DB AG abgestimmt.
Klage gegen Bebauungsplan: Umweltanwalt reicht Antrag ein
Unterdessen geht auch der Protest gegen das Bauvorhaben weiter. Im Juli hat der Berliner Umweltrechtsanwalt Philipp Schulte im Auftrag der Naturfreunde Berlin e. V. den Normenkontrollantrag gegen den Bebauungsplan „Urbane Mitte Süd“ beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingereicht. „Damit soll der Bebauungsplan rechtlich überprüft und für unwirksam erklärt werden“, so die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck e. V. auf ihrer Homepage.






