Wer in Brandenburg unterwegs ist, sucht gerne das kühle Nass. Schließlich ist das Bundesland für seinen Seenreichtum bekannt. Weniger bekannt sind hingegen seine Heideflächen, die über das ganze Land verstreut bislang eher ein Schattendasein fristen. Mehr als 20.000 Hektar dieser Landschaft gibt es in Brandenburg. Das leuchtende Heidekraut ist fast ausschließlich auf ehemaligen Truppenübungsplätzen und militärisch genutzten Flächen zu finden.
Unser Redakteur und Wanderexperte Jörg Krauthöfer hat sich auf die Suche nach dem lilafarbenen Traum gemacht und ist in der Schönower Heide, gleich hinter der nördlichen Stadtgrenze Berlins, fündig geworden. Dort, wo bereits die Truppen des Kaisers für den Ernstfall übten, erstrahlt die Landschaft Mitte August bei entsprechendem Licht in den schönsten Pastellfarben.
Wichtige Infos zum Weg
- Anreise mit Auto: Schönwalder Chaussee, Parkplatz Schönower Heide
- Anreise mit ÖVP: S 2 bis Zepernick, weiter mit Bus 900, Haltestelle Schönower Heide
- Start/ Ziel: Eingang Schönower Heide
- Distanz: 7 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Waldwege, Sandwege
- Für Kinderwagen/Bollerwagen geeignet
- Höhenmeter: 10 m ⬆️ 10 m ⬇️
- Leichte Wanderung
- Gastronomie: Bringt Essen und Trinken mit und nehmt den Müll wieder mit nach Hause.
Schönower Heide: Vom Militärgelände zum Naturschutzgebiet
Manchmal liegt das Gute tatsächlich gleich um die Ecke und man muss gar nicht so weit in die Ferne schweifen. Die lila Magie beginnt nur wenige Hundert Meter hinter dem hölzernen Eingangsportal. „Naturpark Schönower Heide“ steht darauf – und der Name hält, was er verspricht.

Der knapp sieben Kilometer lange Rundweg beginnt direkt am kleinen Parkplatz an der Schönwalder Chaussee. Die Straße führt von Schönwalde am Gorinsee vorbei bis in die Hussitenstadt Bernau. An der ersten Abzweigung halten wir uns kurz links und biegen dann gleich rechts zur Koppel der wilden Konik-Ponys ab.

Die robusten polnischen Wildpferde lassen es am Feierabend gemütlich angehen. Wie alle tierischen Bewohner dieser kleinen Naturoase sind sie als natürliche Landschaftsgärtner im Einsatz und können sich in der weitläufigen Heidelandschaft nach Herzenslust austoben. Nicht umsonst steht diese Pferderasse bei zahlreichen Naturparks ganz oben auf der Wunschliste: Die Tiere sind genügsam, kommen mit den rauen Wetterbedingungen auf den offenen Flächen bestens zurecht und verhindern mit ihrem unbändigen Appetit auf Gras, junge Sträucher und Gehölze, dass die Heide zuwächst.
Betretungsverbot schützt Natur und Besucher vor gefährlicher Munition
Ein paar Meter weiter windet sich der sandige Weg einige Höhenmeter hinauf zum Aussichtspavillon. Von dort bietet sich ein grandioser Rundblick über die Besenheide, die im August mit ihrer typischen lilafarbenen Blütenpracht die Besucher begeistert.

Blick vom Aussichtspavillon mit spektakulärem Sonnenuntergang auf die blühende Heide.
Die mehr als 530 Hektar große Schönower Heide nordöstlich von Berlin blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück, die vor rund 15.000 Jahren mit dem Ende der letzten Eiszeit begann. Gewaltige Schmelzwassermassen hinterließen die kargen brandenburgischen Sandböden, auf denen sich im Laufe der Jahrtausende ein lichter Wald entwickelte. Ab dem 12. Jahrhundert griff der Mensch durch intensive Rodungen und die Nutzung der Flächen als Weideland tief in die Landschaft ein. Dadurch verschwand die ursprüngliche Waldstruktur, und die uns heute bekannte Heidelandschaft entstand.
Im frühen 20. Jahrhundert begann die Nutzung als Truppenübungsplatz. Zunächst kamen die kaiserlichen Gardisten und übten hier für den militärischen Ernstfall. Später wurden sie von Einheiten der Reichswehr abgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Streitkräfte der UdSSR das weitläufige Gelände. Fortan rollten Panzer über den Sandboden, und Sprengmunition verhinderte, dass Bäume und Sträucher die offenen Flächen zurückeroberten. Über Jahrzehnte hinweg blieb das gesamte Areal militärisches Sperrgebiet.
Weitere Wandertipps
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Mit dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte im Jahr 1991 bekam die Schönower Heide einen neuen Besitzer: das Land Berlin. Für die Berliner Forsten begann damit ein neuer Zuständigkeitsbereich.
Seit 2000 steht das ehemalige Militärgelände unter Naturschutz. Tonnenweise Munition wurde inzwischen geborgen, doch noch längst sind nicht alle explosiven Hinterlassenschaften aus dem brandenburgischen Boden entfernt. Deshalb gilt in vielen Bereichen des Naturschutzgebiets ein striktes Betretungsverbot.

Hinter dem Pavillon führt der Weg zwischen zwei Zäunen in Richtung Osten. An einer großen Wasserstelle steht ein Kranich und sucht nach Futter. In der Ferne lassen sich bereits die anderen tierischen Stars der Anlage erahnen: Riesige Geweihe bewegen sich wie von Zauberhand durch die Vegetation. Nun haben die mächtigen Rothirsche ihren großen Auftritt.
Tierische Landschaftspfleger in Aktion erleben
Wie die Konik-Pferde sind auch die Rothirsche zusammen mit dem Dam- und Mufflonwild weit mehr als nur eindrucksvolle Fotomotive. Seit dem Sommer 2009 leben die Tiere auf dem rund 140 Hektar großen Beweidungsareal und übernehmen dort ebenfalls die Rolle natürlicher Landschaftsgärtner.

Ein Rothirsch, gern auch als König des Waldes bezeichnet, hat seinen Auftritt. Die beeindruckenden Tiere sind mit etwas Geduld zu beobachten und zu fotografieren.
Jeder Bissen, jeder kräftige Tritt und jedes Fegen der mächtigen Geweihe an Bäumen und Sträuchern tragen dazu bei, die Flächen offenzuhalten. So verhindert das Damwild, dass die Heide allmählich zuwächst und schließlich vom Wald zurückerobert wird. Wo sonst Menschen mühsam mähen oder Gehölze entfernen müssten, reichen vielerorts der große Appetit und die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere.
Feuer schenkt neues Leben
Ganz ohne menschliche Unterstützung lässt sich die Heidelandschaft allerdings nicht erhalten. In regelmäßigen Abständen werden die Flächen entbuscht und teilweise kontrolliert abgebrannt. Was widersprüchlich klingen mag, folgt einer ganz natürlichen Logik: Das Feuer schenkt der Heide neues Leben. Die Samen der Besenheide, auch Calluna vulgaris genannt, können rund 100 Jahre lang keimfähig im Boden überdauern. Nach einem kontrollierten Brand finden sie auf den freien Flächen ideale Bedingungen, um zu keimen. Schon bald sprießt frisches Grün aus dem kargen Boden und der ewige Kreislauf der Heidelandschaft beginnt von Neuem.

Wir halten uns an der nächsten Weggabelung links und folgen jetzt dem Hauptwanderweg. Es geht bis zum Anfangspunkt unserer Wanderung immer am Wildzaun entlang.
Heideblüte fotografieren: So gelingen tolle Aufnahmen
Die Hauptblütezeit der Heide beginnt Anfang August und endet je nach Regenintensität und Wetterlage Anfang September. Wer das Naturschauspiel aus sattem Lila und zartem Rosa fotografieren möchte, wird schnell feststellen, dass ein toller Anblick noch kein gelungenes Foto garantiert. Denn wer tagsüber bei strahlendem Sonnenschein durch die Heide spaziert, erlebt oft eine Enttäuschung auf dem Kameradisplay. Das harte Mittagslicht lässt die feinen Strukturen der Heidekrautblüten flach wirken, und das charakteristische Violett verblasst regelrecht.

Das Rezept für perfekte Fotos ist ganz einfach: die richtige Tageszeit. Wenn morgens die ersten Sonnenstrahlen durch den Dunst brechen, erwacht die Heide zum Leben. Tauperlen glitzern auf den Blüten, und oft liegt ein zarter Bodennebel über der Landschaft, der störende Hintergründe sanft ausblendet. Wer ein Morgenmuffel ist, braucht ebenfalls keine Angst zu haben. Auch die goldene Stunde am Abend bringt mit warmem, tief stehendem Licht die lila Blütenteppiche und auch die Fotografenherzen zum Leuchten.
Unsere Rundwanderung endet nach etwa sechs Kilometern wieder da, wo sie begonnen hat: auf dem Wanderparkplatz der Schönower Heide an der Schönwalder Chaussee.

Die zarten lila Blüten locken zahlreiche Fotografen in die Heidelandschaften Brandenburgs.





