Crackkonsum in Hauseingängen, auf U-Bahnhöfen oder einfach auf der Straße: Die offene Drogenszene und ihre Begleiterscheinungen aus Vermüllung, Elend und Kriminalität belasten vor allem die Kieze im Berliner Zentrum zunehmend. Um dem entgegenzuwirken, will die SPD auf den Ausbau niedrigschwelliger Hilfe setzen – und auf Bürokratieabbau. Am Montag hat Steffen Krach, SPD-Spitzenkandidat zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September, ein Programm gegen die Drogenkrise vorgestellt und – im Fall seines Wahlsiegs – Millioneninvestitionen in Aussicht gestellt.

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Die Ansätze sind dabei nicht neu, wie auch Krach erklärte. „Es fehlt aber an vielen Stellen an einer konsequenten Umsetzung.“ So würde vieles unterfinanziert sein oder in Projektphasen stecken bleiben. Hilfsangebote seien „räumlich ungleich verteilt und zu wenig auf moderne Drogen, Mischkonsum, digitale Vertriebswege und junge Risikogruppen ausgerichtet“, wie es im Papier heißt.
So will Krach und die SPD mehr Drogenkonsumräume. Aktuell können Abhängige an fünf Stellen unter hygienischen Bedingungen konsumieren – zwei in Kreuzberg sowie jeweils eine in Moabit, Wedding und Neukölln. Hier gelte es, landeseigene Liegenschaften zu nutzen, aber auch Überzeugungsarbeit bei Vermietern zu leisten, so Krach. Auch eine Legalisierung des Mikrohandels – also des Handels kleiner Mengen zwischen Abhängigen in den Konsumräumen – wolle er diskutieren, so Krach.
Drugchecking soll ausgebaut und Warnungen digital verbreitet werden

Auch das Drugchecking – also die chemische Untersuchung von Drogen etwa auf gefährliche Beimengungen oder besonders hohen Wirkgehalt – soll ausgebaut werden. Warnungen sollen dann schneller auch auf digitalen Werbeanzeigen verbreitet werden. Krach fordert zudem eine „zentrale Meldestelle für Drogenwerbung“. Gemeint sind Flyer oder Visitenkarten, die Dealer in Briefkästen werfen und mit denen man dann online Drogen bestellen kann.
Daneben will Krach 1000 zusätzliche „Housing-First-Wohnplätze“ schaffen. Dabei handelt es sich um Wohnungen für Obdachlose, die nicht an Vorbedingungen wie Abstinenz gebunden sind. „Es geht aber auch schlicht darum, Leben zu retten“, so der SPD-Spitzenkandidat. Die Zahl der Drogentoten lag in Berlin 2025 bei 300 – 70 mehr als noch drei Jahre zuvor. Bundesweit war jeder vierte der 2150 Drogentoten unter 30 Jahre alt.
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Um dem entgegenzuwirken, soll unter anderem Naloxon flächendeckend verfügbar sein. Der Opioid-Antagonist wird als Nasenspray verabreicht, hebt die Wirkung sofort auf und verhindert eine tödliche Atemlähmung. In den USA ist mittlerweile jeder Polizist in besonders betroffenen Gebieten damit ausgerüstet. In Berlin könne man sich eine Vergabe des lebensrettenden Medikaments auch an BVG-Mitarbeitende vorstellen.
Bis 2030 soll die Drogen- und Suchthilfe 24/7 erreichbar sein, so Krach weiter. Für erste Schritte, etwa eine Naloxon-Offensive, sind für 2027 zunächst ein Sofortprogramm von einer Million Euro vorgesehen. Um die Suchthilfe wie geplant auszubauen, brauche es bis 2027 und 2028 jeweils weitere 13 Millionen Euro und für 2029 und 2030 noch einmal jeweils 25 Millionen Euro. Das könne sich Berlin bei einem Jahreshaushalt von mehr als 45 Milliarden Euro leisten, so der SPD-Spitzenkandidat. „Es gibt keine einfachen Lösungen, aber Zäune gehören nicht dazu“, sagte Krach mit Verweis auf den Zaun um den Görlitzer Park.
Zentral sei vor allem, die Suchthilfe weg von der Projektfinanzierung hin zu einer institutionellen Finanzierung zu bringen. Suchtexperten kritisieren, dass es in den Beratungsstellen zu wenig Personal und einen zu hohen Bürokratieaufwand gebe. Für einen Ersttermin müssten Betroffene zum Teil zwischen vier und sechs Wochen warten, sagte Rolf Glemser, der die Integrierte Suchtberatung in Lichtenberg leitet. Das sei zu lang.






