Immer mehr Syrer, die vor dem Bürgerkrieg von 2011 bis 2024 nach Deutschland geflüchtet sind, verlieren ihren Schutzstatus. Denn die Zahl derer, denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) den Status als Flüchtling aberkennt, nahm dieses Jahr stark zu. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung hervor, die auf eine Anfrage der Linken antwortete. Demnach endeten von Anfang Januar bis Ende Juni fast ein Viertel (23,2 Prozent) der 8320 Überprüfungen mit der Rücknahme oder dem Widerruf des Schutzstatus. 2025 hatten nur 3,7 Prozent der syrischen Staatsangehörigen ihren Schutzstatus verloren. 2024 waren es fast gleich viele (3,1 Prozent).

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Zu einem Widerruf kommt es, wenn die Voraussetzungen für den Schutz wegfallen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn sich die Lage im Herkunftsland grundsätzlich ändert. Eine Rücknahme erfolgt zum Beispiel, wenn sich herausstellt, dass im Asylverfahren falsche Angaben zur Herkunft oder den Fluchtgründen gemacht wurden.

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Laut Bamf sind 2025 insgesamt 3678 syrische Flüchtlinge aus Deutschland freiwillig in ihr Herkunftsland zurückgekehrt. In Berlin leben rund 70.000 Menschen syrischer Herkunft. Damit ist diese Gruppe eine der größten ausländischen oder eingewanderten Bevölkerungsgruppen der Hauptstadt. Rund 41.000 Personen besitzen die syrische Staatsangehörigkeit und etwa 29.000 Personen sind syrischer Herkunft, haben aber mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Die meisten wohnen in Wedding und Gesundbrunnen, Neukölln und Spandau. Seit Samstag hat Berlin wieder zweimal die Woche eine direkte Flugverbindung nach Damaskus.

Nach dem Ende von Assad kehrten Hunderttausende zurück nach Syrien

Im Dezember 2024 hatte der Diktator Baschar al-Assad nach 15 Jahren Bürgerkrieg das Land verlassen und war nach Russland geflohen. Er wurde kürzlich von einem syrischen Gericht in Abwesenheit zum Tod verurteilt. Nach der Flucht hatte das von Islamisten angeführte Milizbündnis Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS) die Macht übernommen. Danach kehrten Hunderttausende syrische Flüchtlinge in ihre Heimat zurück – vor allem aus der Türkei, dem Libanon und aus Jordanien.

Die Zahl der Syrer, die in Deutschland Schutz suchen, ist seit dem Sturz Assads deutlich gesunken: Von 2013 bis Mitte dieses Jahres stellten fast eine Million (978.761 Menschen) aus Syrien in Deutschland einen Asylantrag. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden weniger als 5000 Anträge registriert. Wurden in den Bürgerkriegsjahren noch fast alle Asylanträge positiv beschieden, sind laut Bundesregierung im ersten Halbjahr dieses Jahres zwei von drei Anträgen abgelehnt worden (68,6 Prozent).

2025 gab es eine Abschiebung nach Syrien, von Januar bis Juni 2026 waren es drei

Wird einem Syrer der Schutzstatus in Deutschland entzogen und kann er sich keinen anderen Aufenthaltstitel sichern, zum Beispiel über eine Arbeit, und kommt eine Einbürgerung nicht infrage, ist eine Abschiebung aktuell nicht wahrscheinlich. Denn Rückführungen nach Syrien benötigen eine Kooperation mit der syrischen Regierung und ihren Behörden. Diese kommen bislang kaum zustande. 2025 war aus Deutschland erstmals seit Beginn des Bürgerkrieges wieder ein Syrer in sein Herkunftsland abgeschoben worden. Im ersten Halbjahr 2026 gab es drei Abschiebungen nach Syrien.

Viele Syrer arbeiten in Deutschland in sogenannten Engpassberufen, im Einzelhandel, Gesundheitswesen, bei Zeitarbeitsfirmen, in der Gastronomie und bei Kurierdiensten.

mit dpa