„Ich war supergerne im Kindergarten.“ Und da ist sie heute immer noch – Anja Korte ist erst 33 Jahre alt und leitet den bewegungsorientierten Kindergarten „Hansa Spatzen“, der am Rande des Tiergartens liegt. Sie hat sich nach dem Abitur sehr bewusst gegen ein Studium entschieden – und dabei auf ihr Herz und den Rat ihrer Chefin vom Bundesfreiwilligendienst einer AOK-Nordseeklinik gehört.

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Diese hat sie während ihrer Arbeit oft beobachtet. „Sie meinte, ich liebe die Praxis so sehr, sie würde mir eher zu einer Ausbildung als Erzieherin raten und nicht zum Studium für frühkindliche Bildung“, erinnert sich Korte – der berufliche Weg sei ohnehin ähnlich. Viele Studierende landeten später ebenfalls im Kindergarten. Sie bewarb sich dann in Berlin, weil es hier einen Ausbildungsgang für Erzieher mit sport- und bewegungspädagogischem Schwerpunkt gab – zu der Zeit einzigartig in Deutschland.
Viele Fortbildungen halfen Anja Korte auf ihrem Weg
„Ich habe es nie bereut“, sagt sie heute mit einem strahlenden Lächeln und schaut in den mit allerlei Kisten, Seilen, Sandspielzeug und Klettergeräten voll geräumten großen Spielgarten, in dem gerade laut geschrien und gejohlt wird. Hier in Moabit hat die begeisterte Tennisspielerin vor zehn Jahren ihre erste feste Stelle angetreten.
Ihr Träger – Kinder in Bewegung gGmbH KiB (Landessportbund) – ermöglichte ihr eine Vielzahl von Fortbildungen: Fachkraft für Inklusion und Teilhabe, Praxisbegleitung für Mitarbeiter in Ausbildung, Fachkraft für Psychomotorik – und schließlich ließ sie sich auf Anraten ihrer damaligen Chefin zur Kitaleitung weiterbilden. Sie war mit Abstand die Jüngste im Kurs. „War komisch“, erinnert sich Korte heute. Und Leitung war für sie persönlich auch noch ganz weit weg. Es sollte anders kommen.
Kita-Alltag in Berlin anders als in Süddeutschland
Ihr eigener Kindergarten lag im Schwäbischen und war nur von 8 bis 12 Uhr und dreimal in der Woche von 14 bis 16 Uhr geöffnet – „Süddeutschland halt“, sagt sie. Ihr Alltag in Berlin sieht heute anders aus. Geöffnet wird in der Hauptstadt um 6.30 Uhr, und die letzten Kinder werden um 17.30 Uhr abgeholt. Korte managt 21 Mitarbeitende inklusive Küchencrew und Azubis, die 85 Kinder betreuen und bekochen. Diese sind wenige Monate alt und bleiben oft, bis sie in die Schule gehen.

Das ist zuweilen stressig, aber Korte liebt den Job, wirkt immer entspannt, zugewandt. Ihr Büro ist klein, hell, aufgeräumt. Alle alten Akten auf Papier sind digitalisiert. Im Besprechungszimmer nebenan ist eine kleine Spielecke. Die Tür steht meistens offen – für Kinder und Mitarbeitende. Sie ist viel in allen Gruppen unterwegs und hilft, wenn Personal ausfällt. Die Kinder umringen sie sofort, wenn sie gesichtet wird. Es macht sie glücklich, „wenn mich die Kinder morgens mit einem Lächeln empfangen“. Ein einfacher Satz – und zugleich die beste Erklärung dafür, warum sich für Anja Korte die Entscheidung gegen ein Studium und für die Praxis bis heute richtig anfühlt.
Verzicht auf akademische Laufbahn trotz Abitur ungewohnt
Leicht irritierte Reaktionen auf ihren Berufsweg aus ihrem Umfeld gab es durchaus, vor allem, weil in Berlin die Erzieherausbildung in der Regel ein Abitur oder eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung voraussetzt. Für viele ist es ungewohnt, ein Abitur zu haben und dann doch keine akademische Laufbahn einzuschlagen. Ihre Eltern, beide selbst mit Studium, ließen ihr trotzdem freie Hand. „Sie haben mir nie vorgegeben, was ich machen soll. Sie haben immer nur gesagt, ich soll bitte einen Beruf auswählen, der mir Freude bereitet, da das Arbeitsleben lange genug ist“, sagt Korte. Klassenkameraden, von denen einige Jahre später noch immer studierten, begegnete sie gelassen: „Ich bin einfach meinen Weg gegangen, und es war mir ehrlich gesagt auch egal, was andere sagen oder denken.“
Eigentlich war es das Beste, was mir passieren konnte, dass ich so ins kalte Wasser geschmissen wurde.
Anja Korte, Kita-Leiterin
In der Kita ist das anders. „Empathie“, sagt sie knapp, wenn man sie nach der wichtigsten Eigenschaft für ihren Beruf fragt. Ihr Team stehe für sie über allem, so hat sie mit allen Kolleginnen und Kollegen gesprochen, ob es für sie in Ordnung ist, dass sie sich auf die nach mehr als 20 Jahren frei werdende Stelle als Kitaleitung bewirbt. Sie ist von den Kollegen ermuntert worden.
Mit eigener Unerfahrenheit offen umgegangen
Als ihre Vorgängerin überraschend früher in den Ruhestand ging, musste es plötzlich schnell gehen: ein Krankheitsengpass im Team, ein Vorstellungsgespräch beim Träger, offene Worte über die eigene Unerfahrenheit. Beim Bewerbungsgespräch sagte sie klar: „dass ich von vielen Dingen einfach gar nichts weiß und ihnen auch bewusst sein muss, dass ich da komplettes Neuland betrete“.
Seit Juli 2024 führt sie den Kindergarten allein. Als sie zu Beginn ihrer Tätigkeit als Kitaleiterin von ihrem Träger gefragt wurde, ob sie noch schwimme, antwortete sie: „Ja, ich schwimme noch, manchmal bin ich kurz vorm Ertrinken, aber ich kann mich immer wieder an Land ziehen.“ Rückblickend sagt sie: „Eigentlich war es das Beste, was mir passieren konnte, dass ich so ins kalte Wasser geschmissen wurde.“ Inzwischen ist sie in ihrer Leitungsfunktion allerdings sehr gut angekommen.




