Da staunten Spaziergänger, Radfahrer und Sonnenanbeter nicht schlecht, als am Sonntag gegen 13 Uhr mehrere Hundert Radfahrerinnen und Radfahrer von der Puschkinallee aus in den Treptower Park radelten. Begleitet von Polizisten in Autos, auf Motorrädern und der Fahrradstaffel. Denn bis auf die Beamtinnen und Beamten strampelten nahezu alle Teilnehmenden nackt in die schattige Grünanlage.

World Naked Bike Ride durch die Hauptstadt: „Das Berliner Publikum ist ganz zauberhaft“

Es war Berlins erster World Naked Bike Ride (WNBR). Die Idee dahinter ist, mit dieser Aktion für die Ideale des Naturismus einzutreten. Laut Demo-Aufruf gehören dazu Toleranz, Naturverbundenheit, Inklusion und Vielfältigkeit. „Einer der Grundgedanken beim Naturismus ist es, sich nackt zu begegnen, weil man sich ohne Masken und ohne Statussymbole entsprechend begegnet“, sagte Ralf Sprenger, einer der Organisatoren.

Naked Bike Day
Pause beim WNBR im Treptower Park. © FUNKE Foto Services | Andreas Gandzior

Gegen 11 Uhr startete die ungewöhnliche Fahrraddemo nahe der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg. Nackt oder mit wenig Textilien am Körper führte die Route die Teilnehmer am Reichstag und Brandenburger Tor vorbei durch Mitte und Kreuzberg-Friedrichshain bis zum Treptower Park. Dort gab es eine 30-minütige Verschnaufpause. Denn bei Temperaturen um die 30 Grad sah man einigen Radfahrenden die Strapazen an.

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„Der erste World Naked Bike Ride ist ein sensationeller Erfolg“, zog Sprenger eine erste Zwischenbilanz. Dabei dankte er auch den Berliner Behörden und der Polizei für die problemlose Zusammenarbeit. „Das Berliner Publikum ist ganz zauberhaft, ein ganz, ganz großes Dankeschön an die zauberhafte Stadt Berlin.“ Vom Erfolg und den Reaktionen der Passanten am Straßenrand überwältigt, werden sich Sprenger und Mitorganisatoren in der kommenden Woche zusammensetzen und über eine Neuauflage im kommenden Jahr sprechen. „Entlang der Strecke habe ich keine negativen Reaktionen bemerkt, es war nur Freude.“

Nackt gegen die katastrophale Verkehrspolitik des Senats demonstrieren

Die Polizei zählte etwa 500 Teilnehmende, in Spitzenzeiten sollen es bis zu 700 Personen gewesen sein, die nackt oder nur teilweise bekleidet die 33 Kilometer lange Route in den Süden Berlins zurücklegten. Eine von ihnen ist Andrea. „Im Sommer mache ich gern FKK und als Mitglied beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club gehe ich heute für die Ideen des Naturismus auf die Straße und auch, um gegen die katastrophale Verkehrspolitik des Berliner Senats zu demonstrieren“, sagt sie. „Mit meiner Nacktheit zeige ich auch, wie verletzlich ich als Radfahrerin bin.“

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Claus wollte die Möglichkeit nutzen, einmal nackt durch das Regierungsviertel zu fahren.© FUNKE Foto Services | Andreas Gandzior

„Wann hat man schon mal die Chance, nackt durch das Regierungsviertel zu radeln?“, sagt Claus. „Ich liebe die Sonne, den Sommer und liege am liebsten nackt an Badeseen. Da muss ich doch diese Möglichkeit nutzen. Der WNBR ist eine schöne Ergänzung zum FKK.“ Auch er freute sich über die überwiegend positive Resonanz der Passanten und der anderen Verkehrsteilnehmer. „Ich persönlich habe nicht eine einzige Pöbelei erlebt.“

Berlin soll Vorreiter für andere deutsche Großstädte sein

Sprenger hofft nun, dass Berlin „ein Türöffner“ für andere deutsche Großstädte wird, wie beispielsweise München, Hamburg oder Frankfurt. Der World Naked Bike Ride (WNBR) ist ein internationaler Fahrradprotest und findet seit 2001 regelmäßig jedes Jahr in zahlreichen Städten auf der ganzen Welt statt. Der größte „Ride“ findet in London statt.