Begonnen hat alles am 1. Juli 1976 mit einem Mann: In diesem Monat feiert die Marotzke Malereibetrieb GmbH 50-jähriges Gründungsjubiläum mit rund 80 Mitarbeitern, darunter ein Dutzend Auszubildenden. Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Lichterfelde, eine Zweigniederlassung gibt es in der Gemeinde Schönefeld.

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„Ich habe angefangen mit einer Leiter und 3000 D-Mark Startkapital, aber das war nur geborgt“, erinnert sich Firmengründer Günter Marotzke. In der Tasche hatte er aber einen Abschluss als staatlich geprüfter Techniker und Meister für das Maler- und Lackiererhandwerk, erworben über den zweiten Bildungsweg. „Ich hatte ein Ziel und einen Traum: Irgendwann sollte jedem Berliner mein Betrieb genau so bekannt sein wie das alteingesessene Umzugsunternehmen mit dem gleichen Namen“, erzählt Günter Marotzke.

Marotzke Spende
Firmengründer Günter Marotzke (m.) mit seinen Söhnen und Nachfolgern Nicola und Philipp.© Leon Wasilewski | Leon Wasilewski

Geholfen haben ihm dabei sein grenzenloser Optimismus, der unbedingte Wille zum Erfolg durch Arbeit und all das, was man heute unter „Soft-Skills“ versteht: Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und Empathie, aber auch Eigeninitiative, Zuverlässigkeit und die Grundüberzeugung, dass die Mitarbeiter das eigentliche Kapital eines Unternehmens sind. 

50 Jahre Marotzke: Betrieb feiert Jubiläum mit großer Spende

Sechs Meister, 53 Gesellen und 13 Auszubildende gehören heute zu seinem Betrieb. Von Anfang an wurde bei Marotzke auch ausgebildet: 253 junge Menschen haben in den vergangenen fünf Jahrzehnten einen Beruf in dem Betrieb gelernt. Zu den Hochzeiten der Baukonjunktur hatte der Betrieb bis zu 150 Mitarbeiter, heute sind es 80. Rund die Hälfte aller Mitarbeiter ist seit mehr als zehn Jahren bei Marotzke beschäftigt, nicht wenige haben ihr gesamtes Berufsleben bis zur Rente für den Betrieb gearbeitet. Viele haben es vom Gesellen zum Meister gebracht.

Gefeiert wird das 50-jährige Doppeljubiläum – Firmengründung und Meisterbrief – mit der Belegschaft, allen ehemaligen Mitarbeitern – und einer großen Spende in Höhe von 50.000 Euro. „Ich habe so viel Glück gehabt in meinem Leben, da will ich auch etwas zurückgeben“, sagt Günter Marotzke. Die Spende geht an verschiedene gemeinnützige Initiativen in Berlin. Unterstützen möchte er vor allem Kinder und Jugendliche, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. „Sie sollen auch eine Chance bekommen, wie ich sie hatte“, meint der gebürtige Berliner.

Bunt ist bei Marotzke nicht nur das Handwerk, sondern auch die Belegschaft. „Ethnie, Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft spielen für uns keine Rolle. „Was zählt, sind Motivation, Leidenschaft und Zielstrebigkeit“, betont der Firmengründer. Deshalb positioniert er sich gegen Diskriminierung in jeglicher Form und fördert Frauen im Handwerksberuf.

Handwerkskunst wird auch bei sozialem Engagement eingesetzt

Neben dem klassischen Privatkundengeschäft gehören Bundesbauämter, Universitäten, Krankenhäuser, Industrie- und Wohnungsbaugesellschaften, der Bundestag, Wohnungsgenossenschaften und große Unternehmen zu den Kunden von Marotzke. Besonders gefragt ist die Handwerkskunst des Betriebs bei der Fassadengestaltung der Humboldt-Universität nach restauratorischem Befund, den Arbeiten am Bruno-Taut-Haus am Engelbecken und am Elisabeth-Lüders-Haus neben dem Reichstag. „Die Rekonstruktion einer Deckenfreske fordert die gleiche Aufmerksamkeit wie 800 qm perfekt gespachtelte Wandfläche oder die Renovierung einer Altbauwohnung. Alle Techniken sollten perfekt beherrscht werden“, betont Günter Marotzke.

Marotzke Spende
Soziales Engagement: Die Kinderstation im Virchow-Klinikum wurde von Marotzke und weiteren Berliner Malerbetrieben neu gestaltet. © Ingo Schallert | Ingo Schallert

Sein Handwerk setzt er auch für soziale Zwecke ein. Gemeinsam mit zwei weiteren Berliner Malerbetrieben und einem Künstler hat Marotzke die Kinderonkologie-Station des Virchow-Klinikums der Charité in einen farbenfrohen und freundlichen Ort verwandelt. Über das Landesprogramm Arrivo Berlin unterstützt er Geflüchtete und Menschen ohne berufliche Perspektiven bei der Integration in die Arbeitswelt.

Ein großes Problem vieler Mittelständler hat Günter Marotzke schon gelöst: die Unternehmensnachfolge. Mit Beginn des 51. Firmenjahres zieht er sich aus dem operativen Geschäft zurück. Er übergibt das Ruder an seine beiden Söhne Philipp und Nicola, beide seit einigen Jahren im Unternehmen tätig. „Wenn ich heute zurückblicke, kann ich sagen, ich bin froh, dass ich es gewagt habe“, sagt der Firmengründer.