In der Thermometersiedlung im Berliner Ortsteil Lichterfelde ist am Mittwochmorgen ein totes Baby entdeckt worden. Der Säugling wurde im Hinterhof eines Wohnkomplexes auf dem Boden liegend gefunden, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Zuerst hatte die „B.Z.“ berichtet. Es wird wegen eines mutmaßlichen Verbrechens ermittelt.

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Demnach wurde die Feuerwehr gegen 9.30 Uhr in die Réaumurstraße nach Steglitz-Zehlendorf alarmiert, nachdem ein Zeuge den Leichnam entdeckt hatte. Die Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Babys feststellen. Es soll „schlimme Verletzungen“ aufweisen, hieß es.

Totes Baby in Lichterfelde entdeckt
„Gerichtsmedizin Berlin“ steht auf dem Hemdrücken eines Mannes, der mit einer Trage hinter einer Absperrung geht.© Annette Riedl/dpa | Annette Riedl

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um ein Neugeborenes handelt, erst mehrere Stunden oder höchstens einen Tag alt. Unbestätigten Erkenntnissen zufolge soll noch die Nabelschnur an ihm gehangen haben. Weil der Auffindeort hochfrequentiert ist, wird der Säugling wahrscheinlich noch nicht lange auf der Grünfläche im Innenhof gelegen haben – dicht an einem 13-stöckigen Wohnhaus mit 38 Wohnungen, das den ganzen Tag über durchsucht wurde. Der Zeuge steht unter Schock und musste von einem Notfallseelsorger betreut werden. „Das ist für alle schwer belastend“, so Nath.

Totes Baby in Lichterfelde
Zahlreiche Einsatzkräfte sind derzeit in der Réaumurstraße im Einsatz, um Spuren zu sichern. Hier wurde am Mittwochmorgen ein totes Baby gefunden.© Olaf Wagner | Olaf Wagner / Axel Billig

Schrecklicher Fund in Lichterfelde: Totes Baby in der Thermometersiedlung entdeckt

Nach einem Hinweis wurde eine Wohnungstür in einem der anliegenden achtgeschossigen Gebäude aufgebrochen. Drinnen wurde laut Hinweisgeber eine Person vermutet, die kürzlich entbunden haben soll. „Die Wohnung stand allerdings leer“, so Nath. Die Ermittlungen der Mordkommission waren auch am Nachmittag noch nicht beendet. Die Suche nach den Eltern und insbesondere der Mutter läuft ebenfalls mit Hochdruck weiter – zumal Letztere sich in einem psychischen Ausnahmezustand befinden könnte.

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Zu den genauen Todesumständen, zu den Eltern und zum Geschlecht des toten Säuglings konnten zunächst keine Angaben gemacht werden. „Es ist nun Teil der Ermittlungen herauszufinden, ob das Neugeborene lediglich am Fundort abgelegt wurde oder ob es dort auch zu Tode kam“, so Polizeisprecher Nath. Der Verdacht liegt zumindest nahe, dass es aus einem der Fenster geworfen worden sein könnte.

Mittlerweile befindet sich der Leichnam nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der Gerichtsmedizin. Eine Obduktion soll nun klären, wie das Baby starb. Die Gegend war am Mittwoch weiträumig mit Flatterband abgesperrt. Die forensische Spurensicherung war vor Ort – die Polizei mit rund 40 Einsatzkräften und mit Spürhunden.

Kerstin Price Lichterfelde
Kerstin Price hat selbst rund 14 Jahre in der Thermometersiedlung gelebt.© Alexander Rothe | Alexander Rothe

In der Nachbarschaft löste der Vorfall Fassungslosigkeit aus. „Ich bin maßlos geschockt“, meinte Kerstin Price. Die Anwohnerin führte ihren Schäferhund am Morgen aus, blieb am Absperrband der Polizei kurz stehen und schaute betrübt in Richtung des Fundorts.

In einer lokalen Facebook-Gruppe werde sich bereits ausgiebig über den toten Säugling ausgetauscht. Waren die Eltern überlastet? Wurde das Kind in der Familie nicht akzeptiert? Hat der Vater auf die Mutter des Kindes Druck ausgeübt? „Keiner kennt die Hintergründe oder die Mutter“, so Price. Ein Urteil über die Eltern des Babys wolle sie sich nicht erlauben. „Es ist schrecklich, wenn jemand Mutmaßungen anstellt, ohne genau zu wissen, was eigentlich passiert ist.“ Sie habe in der Gruppe um Sachlichkeit gebeten. 

Anwohnerin über Thermometersiedlung: „Früher war es hier gewöhnungsbedürftig“

Die Thermometersiedlung, in der der Leichnam gefunden wurde, kennt Price gut. Sie habe selbst rund 14 Jahre in der Plattenbausiedlung gelebt. Sie wohnt weiterhin in der Nähe. „Früher war es hier gewöhnungsbedürftig“, erklärte die 60-Jährige. Sie berichtete von Gewalt und Suiziden.

Das deckt sich mit dem, was andere Anwohnende im Gespräch mit der Berliner Morgenpost erwähnten. „Ich dachte, es wäre wieder jemand aus dem Fenster gesprungen“, sagte ein Mann, der laut eigener Aussage seit 36 Jahren in dem Haus wohnt, vor dem der tote Säugling gefunden wurde. Namentlich möchte er nicht zitiert werden. Auch eine andere Nachbarin erzählte davon, dass Polizei und Feuerwehr in der Siedlung nicht selten seien. „Hier landet oft der Rettungshubschrauber“, sagte sie. 

Die Réaumurstraße ist Teil der Thermometersiedlung im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, die sich aus zahlreichen Plattenbauten zusammensetzt. Rund 4600 Menschen leben in den Hochhäusern, die bis zu 22 Etagen hoch sind. Mehrere Straßen, darunter die nach René-Antoine Ferchault de Réaumur benannte Straße, in der das tote Baby gefunden wurde, haben ihre Namen von bekannten Physikern.