Heruntergelassene Rollläden und ein handgeschriebener Text auf einem Blatt Papier. Das finden Kunden des Leihhauses am Hermannplatz am Dienstagmorgen vor. „Betriebsbedingt heute und morgen geschlossen! Bitte im Zweifel anrufen.“ Es folgt eine Telefonnummer. Es ist die Nummer, die auch im Internet zu finden ist. Das Geschäft in Kreuzberg gehört zu einer Kette von Leihhäusern in ganz Deutschland mit Filialen in Essen, Bochum, Duisburg, Hamburg und Harburg.

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Was die wenigsten der Kunden wissen, die am Vormittag das Geschäft am Kottbusser Damm aufsuchen wollen, ist, dass das Geschäft am Montagabend gegen 18 Uhr überfallen und ausgeraubt wurde. „Ich wollte mich eigentlich nur mal erkundigen, was ich für ein goldenes Herrenarmband bekomme“, sagt Lutz H. aus Neukölln. „Den Weg hätte ich mir im Regen sparen können. Dann werde ich in den nächsten Tagen noch mal kommen.“ Er war an diesem Vormittag nicht der einzige Kunde, der vor verschlossenen Türen stand.

Überfall auf Pfandleihhaus
Das Leihhaus am Hermannplatz bleibt nach dem Überfall am Dienstag und Mittwoch geschlossen.© Andreas Gandzior | Andreas Gandzior

Auch in den benachbarten Cafés und Restaurants sitzen an diesem Vormittag keine Zeugen des Überfalls am Vorabend. Aslan C. saß zur Tatzeit, also etwa 18 Uhr, vor einem benachbarten Restaurant, habe aber überhaupt nichts von dem Raubüberfall gehört oder gesehen. Auch ein Mitarbeiter hinter dem Tresen schüttelt nur mit dem Kopf. Er hatte viel Kundschaft, lautet seine Antwort, die ein Gast aus dem Türkischen übersetzt.

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Räuber kommen pünktlich zum Feierabend

Die Angestellte einer Bäckerei berichtet, dass sie Frühdienst und zu dieser Zeit bereits Feierabend hatte. Auch ihr Kollege habe nichts von dem Raubüberfall mitbekommen. Erste Ermittlungen der Polizei haben ergeben, dass sich gegen 18 Uhr mehrere maskierte Männer gewaltsam Zutritt zu dem Geschäft verschafft haben. Das Leihhaus befindet sich im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses. Geöffnet hat das Geschäft laut eigenen Angaben von 9 bis 18 Uhr. Demnach müssen die Unbekannten den Moment abgepasst haben, an dem abgeschlossen wird.

Raub auf Pfandleihhaus
Ein handgeschriebener Zettel informiert über die Schließung des Leihhauses© Andreas Gandzior | Andreas Gandzior

Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, bedrohten die Täter die Beschäftigten des Leihauses mit einer Schusswaffe und drängten sie in den Tresorraum. Dort griffen sie nach bisherigen Erkenntnissen vor allem Schmuck aus den Tresorschränken und verließen anschließend den Tatort mit einem Auto in unbekannte Richtung. Mit Blick auf den Tatort und die örtlichen Gegebenheiten liegt es nahe, dass die Täter in Richtung Herrmannplatz geflüchtet sind.

Täter flüchten in unbekannte Richtung mit Millionen-Beute

Zu der möglichen Fluchtrichtung und der Anzahl der Täter wollte die Polizei am Dienstag auf Nachfrage aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Auch die Fragen nach ersten Auswertungsergebnissen möglicher Videoüberwachungsaufnahmen ließ die Ermittlungsbehörde unbeantwortet.

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Vor der Flucht versprühten die Unbekannten zudem noch den Inhalt eines Feuerlöschers in den Geschäftsräumen, heißt es weiter vonseiten der Polizei. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erlitten dadurch Reizungen der Atemwege, lehnten eine ärztliche Behandlung aber ab. Das geschah offenbar, um mögliche Spuren für die kriminaltechnische Auswertung unbrauchbar zu machen.

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Nach der Höhe der Beute befragt, spricht die Polizei von einem „hohen Vermögensschaden“. Erfahrungsgemäß ist das der Fall, wenn der Schaden im siebenstelligen Bereich liegt, also ab einer Million Euro. Die Ermittlungen führt ein Fachkommissariat des Landeskriminalamtes weiter.