• Berlins historische Mitte entsteht teilweise völlig neu
  • Entwürfe zeige, wie die Parochialgasse am Molkenmarkt aussehen soll
  • Die Verantwortlichen sprechen von einem „Meilenstein“

Nach zehn Jahren intensiver Debatte um den Umgang mit Berlins historischer Mitte steht fest, wie die 16 Gebäude am Molkenmarkt rund um die neu geschaffene, nur fünf Meter breite Parochialgasse aussehen werden. Die von der Wettbewerbsjury ausgewählten Siegerentwürfe lassen die im Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit abgeräumte Altstadt teilweise wieder auferstehen: mit Bogengängen, Fassaden aus Naturstein, kombiniert mit Putz in dezentem Beige, und Häusern, die teils so schmal sind, dass die dort entstehenden Wohnungen über zwei Etagen reichen.

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Das zukünftige Quartier besteht aus mehreren Blöcken: Die Blöcke A und B werden durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM) realisiert. Im ersten Realisierungswettbewerb für den Teilbereich B/1 sind im November 2025 die Entwürfe für die ersten sieben Häuser mit insgesamt 100 Wohnungen prämiert worden. Im zweiten Realisierungswettbewerb, der Block A und den angrenzenden Teilbereich B/2 im Block B entlang der Parochialgasse umfasst, stehen die Sieger fest.

Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) sprach bei der Vorstellung der Entwürfe am Mittwoch (27. Juni 2026) von einem „Meilenstein, der die historische Mitte bewahrt und sie zu einem lebendigen Herzstück für kommende Generationen macht“. Es entstehe ein Quartier mit einer hohen Aufenthaltsqualität, „das bezahlbares Wohnen, Kultureinrichtungen und Gewerbe miteinander verbindet“.

Molkenmarkt: Wettbewerb ebnet Weg für über 220 neue Wohnungen

„Die prämierten Entwürfe schaffen die Grundlage für insgesamt 220 Wohnungen“, sagte Lars Dormeyer, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft WBM. Die landeseigene WBM tritt, wie bereits bei den ersten sieben Wohn- und Geschäftshäusern, als Bauherrin und Vermieterin auf.  

Gemäß der Kooperationsvereinbarung mit dem Berliner Senat soll die Hälfte der Wohnungen mietpreisgebunden angeboten werden. 30 Prozent sollen dabei zu einer Einstiegsmiete von 7 Euro je Quadratmeter und Monat (kalt), 20 Prozent zu 11,20 Euro vergeben werden. Die 50 Prozent der frei finanzierten Wohnungen sollen ab 15,88 Euro auf den Markt kommen. Zugleich sollen im neuen Quartier auch rund 23.000 Quadratmeter Gewerbefläche sowie ein Theater und Atelierräume entstehen.

Und das sind die Preisträger: Los 1, das die Gestaltung von insgesamt fünf Häusern umfasst, hat das Team Hemprich Tophof GvA mbH, Berlin mit Max Dudler GmbH, Berlin und Simone Boldrin Architettura, Berlin, gewonnen.

Los 1: Diese Häuserecke hat das Team Hemprich Tophof GvA mbH, Berlin, mit Max Dudler GmbH, Berlin, und Simone Boldrin Architettura, Berlin gewonnen.
Los 1: Diese Häuserecke hat das Team Hemprich Tophof GvA mbH, Berlin, mit Max Dudler GmbH, Berlin, und Simone Boldrin Architettura, Berlin gewonnen.

Los 2 umfasst links und rechts der neuen schmalen Parochialgasse vier Häuser. Die Gestaltung hat das Team der Büros von Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin, mit  Jessenvollenweider Architektur AG, Basel, und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin, gewonnen.

Los 2: Blick in die schmale Parochialgasse mit dem markanten Gebäudevorsprung aus der Feder des Teams von Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin, mit Jessenvollenweider Architektur AG, Basel, und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin.
Los 2: Blick in die schmale Parochialgasse mit dem markanten Gebäudevorsprung aus der Feder des Teams von Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin, mit Jessenvollenweider Architektur AG, Basel, und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin.© von Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin mit jessenvollenweider architektur ag, Basel und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin | von Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin mit jessenvollenweider architektur ag, Basel und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin

Auch das Los 3 umfasst vier Gebäude. Darunter ein großes Eckgebäude, das mit Bogengängen über zwei Etagen, halbrunden Erkern und einem Gebäudevorsprung gegenüber dem Alten Stadthaus von Berlin eine prominente Adresse bildet. Der Entwurf stammt vom Team P/E/P Architekten + Stadtplaner GmbH, Münster, mit Kleihues + Kleihues GvA mbH, Berlin, und Muck Petzet Architekten GmbH, München.

Los 4 umfasst den Bereich entlang der Molkenstraße und Stralauer Straße. Dort entstehen drei große Häuser, in denen unter anderem Räume für ein Theater, ein Museum und Ateliers reserviert sind. Die Bürogemeinschaft Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin, mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin, hat dieses Los gewonnen.

LOS 4: Der erste Preis ging an das Planerteam Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin, mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin.
LOS 4: Der erste Preis ging an das Planerteam Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin, mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin.© Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin | Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin

Ein weiteres Los 5 wurde für die Gestaltungsvorgabe für die umlaufende Arkade am neu geschaffenen rechteckigen Stadtplatz im Inneren von Block A ausgewählt. Der Preis ging an das Team, das auch Los 2 gewonnen hat.

Mehr als 70 Architekturbüros haben Arbeiten für Berlins historische Mitte eingereicht

„Mehr als 70 Architekturbüros hatten wunderbare, sorgfältig gezeichnete Entwürfe für kleine und große Häuser eingereicht, und die Wahl in fünf Jurytagen fiel nicht leicht“, so die Preisrichterin Antje Freiesleben. Der WBM als Bauherrin sei zu wünschen, dass es gelingt, diese einzigartige Qualität auch im Gebauten Wirklichkeit werden zu lassen: „Es wäre ein großer Gewinn für Berlin!“

Die WBM wird im Nachgang der Jurysitzung ein Vergabeverfahren mit den prämierten Teams durchführen. In der weiteren Bearbeitung erhofft sich die WBM deutliche Kostenersparnisse. Aktuell belaufen sich die geschätzten Baukosten (Kostengruppe 200–700) nach Angaben des WBM-Chefs auf 6800 Euro pro Quadratmeter und damit 17 Prozent höher als erwartet. „Wir gehen aber davon aus, dass wir im weiteren Planungsprozess Einsparungen erzielen können.“

Die WBM rechnet mit einem Baustart ab dem Jahr 2028/2029, die Fertigstellung ist für 2031/2032 avisiert. Zusammen mit Block C, in dem die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo Bauherrin werden soll, sollen am Molkenmarkt rund 470 Wohnungen entstehen.