Gegen 2 Uhr nachts knallt es in der Malplaquetstraße in Berlin-Wedding. Das Geräusch muss so laut gewesen sein, dass Anwohner aufwachten. „Ich bin fast aus dem Bett gefallen“, sagt eine Frau gegenüber unserer Redaktion. Nur wenige Minuten später habe sie die Polizeisirenen gehört. Sie selbst, so die Frau, habe es nicht gewagt, auf den Balkon zu gehen. Stattdessen sei sie zu ihrer kleinen Tochter ins Kinderzimmer gegangen und habe abgewartet.

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Während die Frau aus Angst im Kinderzimmer verweilt, haben Polizisten schon erste Hinweise gesammelt. Nur wenige Stunden später teilt die Polizei über den Online-Dienst X mit, dass sich eine Explosion vor einem Geschäft ereignet hatte. Nach bisherigen Erkenntnissen, so die Polizei weiter, haben Unbekannte einen Gegenstand gegen eine Scheibe geworfen, der dann detonierte. Verletzt wurde dabei niemand.

Explosion in Berlin-Wedding direkt neben Kita und Schule
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Am Morgen sind die Spuren der Explosion vor dem Späti an der Malplaquetstraße direkt neben einer Kita und einer Schule noch deutlich sichtbar. Der Sprengkörper muss auf einer Betonplatte vor dem Geschäft explodiert sein. Das Ladenschaufenster ist zerbrochen, die Risse der Scheibe ziehen sich über die blinkenden Reklamen. Allerdings muss der Sprengkörper entweder eine solche Kraft entwickelt oder so weit gesplittert sein, dass Fensterscheiben im zweiten Stock zerbrochen sowie Fensterscheiben von mindestens vier Autos zerstört wurden. Die Fahrzeuge hatten vor dem Spätkauf geparkt. An dem Morgen rätselt der Besitzer des Ladens über die Hintergründe. Erklären kann er sich das nicht. Er spricht von einem großen Schock, den er aber zunächst verarbeiten müsse.
Die „Welt“ will aus Polizeikreisen erfahren haben, dass Ermittler untersuchen, ob es sich bei dem Gegenstand um eine Handgranate gehandelt haben könnte. Bestätigen wollte das die Polizei gegenüber unserer Redaktion zunächst nicht. Vor Ort war auch die Rede von einer möglichen Kugelbombe. Die genauen Hintergründe ermitteln nun der Staatsschutz in Zusammenarbeit mit der BAO Ferrum. Die Besondere Aufbaukommission wurde im vergangenen Jahr gegründet, um gegen die Waffengewalt in der Stadt vorzugehen.
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Gewerkschaftssprecher: Gewaltbereitschaft nimmt zu
Benjamin Jendro, der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin, ging aber schon einen Schritt weiter. Er sagte: „Das ist eine absolute Kampfansage. Wir sind froh, dass bei diesem Wahnsinn niemand verletzt wurde, was am Ende reiner Zufall ist. Wer eine Handgranate mitten im Wohngebiet zündet, nimmt den Tod von Menschen billigend in Kauf.“ Seit Längerem sei zu beobachten, dass die Qualität der Gewalt zunehme und die Entwicklung aus anderen Ländern wie Schweden immer mehr zu uns herüberschwappe, so Jendro weiter. Die hohe Verfügbarkeit an Waffen und auch Kriegsmaterial in Kombination mit dem wachsenden Trend „Crime as a Service“ mache es für die Sicherheitsbehörden immer schwieriger, Strukturen zu erkennen und nachzuverfolgen.
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In den vergangenen Monaten erlebte diese Stadt eine Serie von Vorfällen mit Schusswaffen und teilweise auch Sprengkörpern. Kaum eine Woche vergeht, in der es keinen Vorfall gibt. Immer wieder geraten dabei türkisch-kurdische Geschäftsleute in den Fokus. Sie werden mit Schüssen auf ihre Geschäfte unter Druck gesetzt, um teils horrende Summen an „Schutzgeld“ zu zahlen. Allerdings ist das nur ein Aspekt. Die Polizei führt die gestiegene Waffengewalt auch auf die Verfügbarkeit zurück. Wie bereits berichtet, gelangen über die Balkan-Route inzwischen Billigwaffen, teils aus der Türkei, nach Deutschland. Die Waffen stammen aus dem 3D-Drucker oder es sind Plastikwaffen, die nachträglich scharf gemacht werden. Hier werden sie teilweise für wenige Hundert Euro gehandelt.
JP/juwue








